Gerne hätten wir gemeinsam einen aufmunternden Newsletter versandt. Leider gibt es aber weiterhin keine Gründe zur Entwarnung. Ganz im Gegenteil. Die Herausforderungen im Stromnetzbetrieb stiegen weiter (siehe Blicke auf die Situation im europäischen Stromversorgungssystem weiter unten). Die Aufwände für das Engpassmanagement in Österreich waren heuer in den ersten zehn Monaten bereits dreimal bzw. viermal so hoch, wie in den gesamten Vorgängerjahren. Niemand weiß, wo der tatsächliche Kipppunkt liegt und wie lange es noch gut gehen wird. In Anbetracht der bevorstehenden Abschaltung des deutschen Kernkraftwerkblocks Gundremmingen B mit einer Leistung von 1.344 MW bis 31.12.17 und dem ungeplanten Ausfall des Schweizer Kernkraftwerks Leibstadt mit ebenfalls 1.275 MW verbessert sich die Situation nicht wirklich.

Die Vertreterin des Bayerisches Staatsministeriums für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie berichtete kürzlich auf der Veranstaltung „Stromausfall – Versorgungssicherheit im Inselnetzbetrieb mit dezentraler Einspeisung“ in Augsburg, dass das letzte Atomkraftwerk wie geplant 2022 vom Netz gehen werde. Damit fehlt in Süddeutschland endgültig ein Großteil einer verlässlichen und verbrauchsnahen Stromeinspeisung. Transporte aus dem Norden Deutschlands können das nicht ausgleichen, weil die geplanten Leitungsbauten – auch wegen dem politisch erzwungenen Schwenk auf eine Verkabelung – frühestens 2025 fertiggestellt sein. Der Beschluss zur Verkabelung hatte eine völlig Neuplanung und damit eine beachtliche, nicht mehr aufzuholende zeitliche Verschiebung zur Folge.  Man beabsichtigt daher einen Stromimport aus den Nachbarländern. Die Frage ist nur woher. In Österreich beträgt derzeit die verlässliche Lastdeckungsreserve nur 900 MW! Wie die Veranstaltung auch wieder zeigte, gebe es zwar eine Reihe von Lösungsansätzen, um die Robustheit der Infrastrukturen zu erhöhen (siehe Energiezellensystem), jedoch „fehlen die Marktanreize“, um sie auch praktisch umzusetzen. Noch viel mehr fehlt es an der erforderlichen Denkwende. Hier stellt die bestehende Regulierung einer der größten Hemmnisse dar. Diese basiert noch immer auf zunehmend weniger anwendbare, deutlich veralteten Denkweisen und basiert weiterhin auf Rahmenbedingungen, welche Naturgesetze außer Acht lassen.  Das Thema „Robustheit“ wird wie in anderen Bereichen auch, am Altar der Effizienz geopfert. Die geringe Eintrittswahrscheinlichkeit verführt uns zur Leichtfertigkeit und die Zahlengläubigkeit setzt dem Ganzen noch die Krone auf.

Mit viel Glück werden auch weiterhin ungünstigste Rahmenbedingungen nicht gleichzeitig eintreffen. Aber wie oft darf man sich auf das Glück verlassen? Es ist zwar schön, wenn sich rein rechnerisch alles ausgeht. Aber die errechneten Zahlen sind die Ergebnisse von Berechnungen mit Modellen, welche die Realität nie vollständig widerspiegeln können. Die Realität hält sich nicht unbedingt an Annahmen, Erwartungen und Wunschvorstellungen. Die Realität ist so, wie sie ist, wir bekommen keine andere. Daher sehen wir mehr denn je die dringende Notwendigkeit, dass wir uns als Gesellschaft mit der Vorsorge auf das Undenkbare beschäftigen und endlich die Gestaltung der Zukunft im Einklang mit den Naturgesetzen statt mit der Verwirklichung unserer Ideologien betreiben.

Wo soll man anfangen …

Immer wieder zeigt sich, dass viele Entscheidungsträger mit dem Szenario eines weitreichenden Infrastrukturausfalls nur wenig anfangen können, bzw. die Tragweite total unterschätzen. Der jüngste Beitrag in der Zeitschrift Brandaus des Niederösterreichen Landesfeuerwehrverbandes löste wieder einige Aha-Erlebnisse aus. Vor allem, was die erwartbaren Nachwirkungen in der Phase 2 betrifft. Wie aktuelle lokale Stromausfälle zeigen (Zwei Stunden Stromausfall in der Stadt20 Minuten Stromausfall: Warnende BeispieleStromausfall führt zu Telefonstörung in Ost-Bayern und legt Polizei und Bahn lahm), sollte davon ausgegangen werden, dass es in Folge des Primärereignisses zu erheblichen Schäden in der Produktion kommen wird. Das könnte auch zu weitreichenden Auswirkungen auf die Versorgung führen. Daher ist während der ersten Tage nach dem unmittelbaren Stromausfall (Phase 2) von einem zumindest nur sehr eingeschränkten Nachschub mit lebenswichtigen Gütern auszugehen, welcher durch viele transnationale Abhängigkeiten und massiven Problemen beim Wiederhochfahren der Telekommunikationssysteme noch deutlich verschärft werden könnte. In Deutschland rechnet man etwa damit, dass die Wiederherstellung der Stromversorgung zumindest sechs Tage dauern könnte (siehe Dokumentation Strom aus – Wie sicher sind unsere Stromnetze?).

Das deutsche Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) hat gerade den neuen Ratgeber „Treibstoffversorgung bei Stromausfall: Empfehlung für Zivil- und Katastrophenschutzbehörden“ herausgegeben, welcher unsere bisherigen Einschätzungen leider massiv bestärkt:

An den Kraftstoffen mangelt es nicht. Derzeit gibt es in Deutschland genug Ölreserven für 90 Tage – als Teil der „Ölkrisenvorsorge“. Nur hat sich noch niemand eingehend Gedanken darüber gemacht, wie deren Inhalt bei Stromausfall an Generatoren, Tankstellen und zu Raffinerien kommt. So seien die Vorräte „im Normalfall über Systeme der Informationstechnik gesichert“, heißt es in dem Bericht. Wenn sich der Treibstoff aber aus dem Lager pumpen lässt, auch wenn die Computer nicht laufen – wie kommt er ans Ziel? In Frage kommen aus Sicht der Katastrophenschützer vor allem Heizöl-Laster oder Tankwagen, die normalerweise Baustellen versorgen. Problem: Viele dieser Lkw sind mit einer „IT-gestützten Diebstahlsicherung geschützt, die eine Auslagerung des Produkts ohne Verifikation verhindert“, schreiben die Experten. Sprich: Der Tank lässt sich zwar leicht befüllen, aber bei Serverausfall schwer entladen.

Und unterwegs muss von chaotischen Zuständen bei allen Ortsdurchfahrten ausgegangen werden. Der totale Ausfall der Kommunikation, auch der Verkehrsregelung, wird einfach ausgeblendet.

Natürlich führt das zu einer gewissen Ohnmacht und Überforderung. Das Problem wird aber damit nicht kleiner. Ganz im Gegenteil. Durch Nichtakzeptanz und Nichthandeln wird die Grundlage dafür gelegt, dass das Ereignis noch schlimmer ausfällt, als es müsste. Nachdem es sich um hoch komplexe Abhängigkeiten und Wechselwirkungen handelt, kommt man auch mit keinem Masterplan weiter. In einem solch komplexen Umfeld, wie wir es hier vorfinden, geht es einfach um das T-U-N! Wobei der erste und wichtigste Schritt die Erfassung des Gesamtproblems ist. Denn sonst hat man schnell eine Lösung, aber für das falsche Problem. Hier möchten ich gerne auf den Podcast von Georg Jocham verweisen, der sich selbst als Der Problemlöser bezeichnet. Er hat viele Aspekte ausgezeichnet aufbereitet, die auch hier immer wieder im Zusammenhang mit Komplexität thematisiert wurden.. Sie müssen nur die notwendigen Querverbindungen herstellen. Dabei helfen oft Analogien, weil sie Zugänge zu Erfahrungswelten anderer öffnen:

Neun-Punkte-Problem: Verbinden Sie ohne abzusetzen die 9 Punkte mit 4 geraden Strichen. Sie müssen dabei den selbstgesetzten Denkrahmen verlassen!

In meiner Wahrnehmung haben sich weniger die Probleme selber gewandelt, als vielmehr die Geschwindigkeit, mit der sie auftauchen, und die Unberechenbarkeit der Richtung, aus der sie kommen. Auch hier: die Welt, die Märkte, die Beziehungen werden dynamischer und komplexer. Und nachdem Komplexität ein Maß für die Menge an Überraschungen ist, mit denen wir rechnen müssen, erleben wir immer mehr Überraschungen. Aus unvorhersehbaren Richtungen, sonst wären es ja keine Überraschungen. Komplexe Probleme lösen ist wie Topfschlagen. Denn in einer Welt, die sichere Vorhersagen nicht erlaubt, sind zwei Dinge entscheidend: Handeln und Zuhören. Sie müssen Handeln um erfahren zu können, ob die Richtung stimmt. Und Sie müssen zuhören was Ihnen Ihre Kunden, Ihre Lieferanten oder Ihre Mitarbeiter an Signalen senden. So können Sie die Richtung Ihres Handelns anpassen. Wie beim Topfschlagen. Daher ist das Offensichtliche und Naheliegende bei komplexen Situationen immer kritisch zu hinterfragen.

Oder um Albert Einstein zu bemühen„Wenn ich eine Stunde habe, um ein Problem zu lösen, dann beschäftige ich mich 55 Minuten mit dem Problem und 5 Minuten mit der Lösung.“ Das gilt natürlich nicht für triviale Probleme, wo man Prozess oder eine Anleitung dazu kreieren kann, sondern für komplexe Probleme, wo es keine fixfertigen Lösungen gibt. Natürlich können Checklisten auch Teil von komplexen Problemlösungen sein, aber nur für den Teilbereich, der triviale Lösungen zulässt. Wenn es jedoch um sehr hohe Unsicherheiten geht, geht es vor allem um Vorbereitung, um mit möglichst vielen Situationen besser umgehen zu können. Wer sich aber lieber mit Planung beschäftigt, erzeugt vor allem Pläne. Wenngleich wieder ein sowohl-als-auch-Denken gilt. Die Kunst besteht darin, den Unterschied erkennen und anwenden zu können. Dazu ist es in der Regel notwendig, den bestehenden Denkrahmen (Neun-Punkte-Problem) zu verlassen.

Gesundheitsversorgung

Ein Thema für das Szenario „Blackout“ mit sehr hoher Brisanz ist die Gesundheitsversorgung. Die folgenden Ausführungen basieren auf unmittelbaren Erfahrungen von Herbert Saurugg. Krankenhäuser verfügen zwar über eine mehrtägige Notstromversorgung. Jedoch reicht diese alleine bei weitem nicht aus, um die weitreichenden und länger andauernden Folgen eines Blackouts bewältigen zu können. Der gewohnte Dienstbetrieb könnte rasch nur mehr sehr eingeschränkt aufrechterhalten werden. Binnen weniger Tage würde es zum Zusammenbruch der gesamten medizinischen Versorgung kommen. Denn weder die Bevölkerung noch der niedergelassene Bereich (Apotheken, Ärzte, Pflegeeinrichtungen, Heimbetreuungen, etc.) und auch nicht der Krankenhausbetrieb sind auf ein derart weitreichendes Ereignis vorbereitet. Vor allem fehlt die wesentliche Basis, um mit einem solchen Ereignis umgehen zu können: Die persönliche Vorsorge eines jeden Einzelnen von uns!

Die aktuelle öffentliche Kommunikation, dass Krankenhäuser auf einen weitreichenden und länger andauernden Stromausfall gut vorbereitet seien, da sie über eine eigene Notstromversorgung verfügen, verschärft daher sogar die Problematik. Denn es werden damit falsche und nicht haltbare Hoffnungen geweckt.

  • Der Krisenvorsorgegrad der Bevölkerung ist generell äußerst mangelhaft. Die Selbstversorgungsfähigkeit mit lebenswichtigen Gütern reicht häufig nur für wenige Tage. Das betrifft genauso das Krankenhauspersonal wie auch das Personal anderer wichtiger Einrichtungen und Organisationen. Die Verfügbarkeit des Personals ist daher im Fall einer derart weitreichenden Katastrophe aufgrund der zu erwartenden persönlichen und familiären Notlagen nicht sichergestellt.
  • Nach dem unmittelbaren Stromausfall ist mit umfassenden und länger andauernden Engpässen bei der Versorgung mit lebenswichtigen Gütern zu rechnen. Daher muss bereits binnen weniger Tage auch mit einer Eskalation in Krankenhäusern gerechnet werden.
  • Durch den Notstrombetrieb wird das Krankenhaus zur „Lichtinsel“, wodurch vor allem in der kalten und dunklen Jahreszeit rasch hilfesuchende Menschen angezogen werden. Ohne einer vorbereiteten und rasch durchgeführten Ersttriage (Ersteinschätzung und Vorsortierung bzw. Abweisung) bereits vor dem Zutritt in das Krankenhausgelände könnte der geordnete Betrieb binnen weniger Stunden völlig lahmgelegt werden. Werden durch die Gemeinde/Stadt keine zusätzlichen Anlaufstellen (Selbsthilfe-Basen) im Umfeld des Krankenhauses bzw. generell eingerichtet, wird dies umso rascher eintreten. Handlungsbedarf besteht daher deutlich über dem unmittelbaren Krankenhausbereich hinaus. Dieses Eskalationspotential muss auch vorbeugend und frühzeitig in der öffentlichen Krisenkommunikation (Radio) bekannt gemacht werden.
  • Der größte Ansturm auf die Krankenhäuser sollte erst nach dem Primärereignis (Stromausfall) erwartet werden. Dann, wenn die öffentliche Stromversorgung und Teile der Telekommunikationsversorgung wieder zu funktionieren beginnen und Menschen, die bisher keine Hilfe bekommen konnten bzw. nicht versorgt wurden, sich bereits in einer medizinischen Notlage befinden. Zu diesem Zeitpunkt werden jedoch die Personalressourcen schrumpfen, da auch von persönlichen familiären Notlagen des Krankenhauspersonals auszugehen ist. Zudem wird die Leistungsgrenze jenes Personals erreicht werden, welches möglicherweise schon mehrere Tage im Einsatz war. Daher ist eine möglichst lange dezentrale Notversorgung mit lebensnotwendigen Gütern (Trinkwasser, Lebensmittel, Medikamente, etc.) und Leistungen (Pflege, medizinische Erstversorgung, etc.) im niedergelassenen Bereich und zu Hause unverzichtbar.

Ab sofort steht daher der neue Leitfaden „Der Krankenhausbetrieb im Fall eines weitreichenden Strom- und Infrastrukturausfalls zur Verfügung. Er adressiert eine Reihe von bisher wenig beachteten Detailproblemen in Krankenhäusern. Wie der niedergelassene Bereich erreicht werde kann, ist derzeit offen. Sollte es jedoch nicht gelingen, diesen stärker in die Vorbereitung und Bewältigung zu integrieren, droht eine rasche Überlastung der Krankenhäuser, was auch durch eine gerade eingetroffene Meldung aus Deutschland bestätigt wird:

Die Versorgung und Unterstützung von Personen, welche temporär oder permanent Hilfe bei alltäglichen Verrichtungen benötigen, also Pflegebedürftige, wird im Falle eines mehrtägigen Stromausfalls nur möglich sein, wenn sich das gesamte Katastrophenmanagement den veränderten Bedingungen anpasst. Darin waren sich alle Teilnehmer des Workshops einig. Im Gegensatz zu Krankenhäusern ist bei Alten- und Pflegeeinrichtungen zu befürchten, dass bereits bei kurzzeitigem Stromausfall wichtige technische Einrichtungen ausfallen und dadurch zentrale Versorgungs- und Organisationsabläufe und die Grundversorgung der Bewohner entscheidend gestört werden können. Quelle: focus.de

Die Rolle der Bevölkerung

Immer wieder wird erlebt, dass die Rolle der Bevölkerung falsch bzw. verzerrt eingeschätzt wird, wie etwa folgende Aussage wiedergibt:

Es war der generelle Konsens, dass die Kommunikation eine Schlüsselrolle spielen wird, wobei in der Diskussionsrunde die Meinung vertreten wurde, der Bevölkerung nicht die volle Wahrheit zu vermitteln, um eine Panik zu vermeiden. Die Information soll Stück für Stück an die Bevölkerung herangetragen werden. Dass die Einsatzorganisationen Informationen über das volle Ausmaß der Krise erhalten sollen, hielten die Teilnehmer für absolut notwendig. Dass dann eine gewisse Menge an Information auch nach außen dringen wird, war ihnen bewusst.

Dieser Wahrnehmung und Einschätzung ist entschieden entgegenzutreten, sprechen doch alle derzeit vorhandenen wissenschaftlichen Untersuchungen ganz klar eine andere Sprache! Sollte sich zu irgendeinem Zeitpunkt in der Öffentlichkeit herausstellen, dass die Bevölkerung hinters Licht geführt bzw. absichtlich nicht informiert wurde, wird der Vertrauensverlust enorm sein und weitreichende Folgekriesen nach sich ziehen! Bereits der status-quo, indem kaum eine öffentliche bzw. breite Risikokommunikation erfolgt, wird viele Fragen aufwerfen. Siehe etwa die Podiumsdiskussion des Österreichischen Journalistenclubs vom 16.11.17, ÖJC-Präsident Prof. Fred Turnheim (Zitat):

„Am Anfang habe ich nicht verstanden, worum es geht. Dann wurde die Vorbereitung zu dieser Veranstaltung zu einer meiner spannendsten Recherchen in meiner über 40-jährigen journalistischen Karriere. Was hier vertuscht, was hier verheimlicht wird und was hier schöngeredet wird, das geht auf keine Kuhhaut.“

Daher ist absolute Transparenz geboten, wenngleich nicht alle Details unmittelbar kommuniziert werden müssen. Hier ist eine professionelle Krisenkommunikation unverzichtbar und vorzubereiten. Grundsätzlich können wir davon ausgehen, dass es eine kleinere Gruppe von Menschen gibt, die sich unaufgefordert für die Gemeinschaft engagieren. Die Masse wird sich eher passiv bis abwartend verhalten. Dann gibt es noch eine sehr kleine Gruppe, welche die Gelegenheit für eigene Zwecke und Absichten missbrauchen wird. Die wesentliche Frage ist, wer die Masse mobilisieren kann. Wenn nichts gemacht bzw. der Eindruck entsteht, dass hier etwas vertuscht wird, muss davon ausgegangen werden, dass die negative Seite stärker hervortreten wird. Gelingt es, eine gewisse Grundstruktur und Ordnung zu vermitteln und die Menschen aktiv in die Bewältigung einzubinden, dann wird die Tendenz eher Richtung einer positiven Entwicklung gehen.  Hier sollten die Erfahrungen nach den letzten großen Hochwässern bzw. nach der Flüchtlingskrise 2015 als positive Beispiele herangezogen werden. So wie man auf die Bevölkerung zugeht, so wird es auch zurückkommen. Die derzeit doch eher feststellbare negative Grundhaltung ist daher besorgniserregend. Siehe dazu auch weiterführend: „Man muss wahrscheinlich komplett umdenken“ – Mythos Panik

Energiezelle Feldbach

Im Rahmen des im September gestarteten KIRAS-Sicherheitsforschungsprojektes  „Regionales Energiezellen- und Krisenvorsorgekonzept am Beispielszenario „Blackout“ – Energiezelle Feldbach“ wird erstmals eine notversorgungsfähige Energiezelle praktisch erforscht und umgesetzt, die deutlich über das rein technische hinausgeht. Dieses Projekt soll wesentliche Erkenntnisse liefern, mit welchen Schritten die Robustheit der lokalen und regionalen Infrastrukturen bzw. die gesellschaftliche Resilienz (“Selbstwirksamkeit”) erhöht werden können. Im Rahmen des ersten Stakeholderworkshops ist der Fragebogen zur Selbstevaluierung der Robustheit der eigenen Organisation entstanden, der auch in anderen Gemeinden und Städten eingesetzt werden kann und soll.

Nach dem Workshop „Meine Stadt auf weitreichende Infrastrukturausfälle“ im September 2017 ist wieder ein neuer Leitfaden “Meine Stadt auf weitreichende Infrastrukturausfälle vorbereiten” entstanden, der ebenfalls bei den weiterführenden Überlegungen hilfreich sein kann.

Katastrophenschutz-Kümmerer

Wie sich immer deutlicher zeigt, bräuchte es in vielen Gemeinden einen Katastrophenschutz-Kümmerer, jemanden, der sich dem Thema aktiv annimmt. Auch wenn formal der Bürgermeister oder die Bürgermeisterin zuständig sind, sind diese in der Regel mit vielen anderen Aufgaben eingedeckt, wodurch dieser Bereich häufig über Jahre unbearbeitet bleibt. Die Kluft zwischen rechtlichen Vorgaben und Verpflichtungen und der tatsächlich gelebten Realität ist in der Regel eklatant. Das beginnt bereits bei der generellen Risikoerfassung oder der Führung eines Katastrophenschutzplanes. Da geht es längst nicht nur um das Thema „Blackout“. Die hohe Versorgungssicherheit macht sich in allen Bereichen unseres Lebens bemerkbar. Wir rechnen einfach nicht mehr damit, dass auch einmal etwas schief gehen kann. Unser eigenes Risikomanagement versagt bei sehr geringen Eintrittswahrscheinlichkeiten, weil diese unbewusst ausgeblendet werden, wenn wir so ein Ereignis noch nie selbst erlebt haben.

Daher werden wohl im Falle eines Blackouts zahlreiche Gemeinden unvorbereitet erwischt werden, wenn etwa in der Wasserversorgung eine UV-Desinfektionsanlage eingebaut und für diese keine Notstromversorgung vorgesehen ist (siehe Wenig beachtete Sollbruchstelle in der Wasserversorgung bei Blackout). Den diese Anlage unterbricht bei Stromausfall sofort den Wasserzufluss. Erst kürzlich wurde durch ein Gespräch ein Bürgermeister einer nicht ganz so kleinen Stadt auf diese Gefahr aufmerksam. Nun laufen die Vorbereitungen für die Anschaffung eines Notstromaggregates. Denn ohne Wasser bricht in einer Stadt, aber auch am Land, rasch Chaos aus.

Für den oder die Katastrophenschutz-Kümmerer wären vor allem erfahrene Personen aus dem Sicherheitssektor oder auch andere engagierte BürgerInnen gefragt. Vor allem, wenn sie nicht mehr aktiv tätig sind, aber über viel Erfahrung mitbringen. Etwa ehemalige Feurwehrleute, Sanitäter, Miliz- oder Reservesoldaten mit einer entsprechenden Führungsausbildung. Letztlich geht es einfach darum, dass sich jemand diesem Thema annimmt.

Daher auch einmal mehr hier der Appell an Sie, liebe Leserin, lieber Leser: Kontaktieren Sie Ihren Bürgermeister/Ihre Bürgermeisterin zu diesem Thema und hinterfragen Sie Dinge, von denen Sie selbstverständlich ausgehen, dass das alles geklärt und vorbereitet ist. Vor allem die Wasserver- und Abwasserentsorgung. Denn sonst könnten Sie im Fall des Falles böse Überraschungen erleben. Wie etwa, dass sich in Feldbach herausgestellt hat, dass ohne Vorbereitung binnen 24 Stunden Stromausfall 400 Keller mit Kanalabwässer gefüllt sein könnten. Vielleicht hilft Ihnen auch der Artikel Die Robustheit meiner Gemeinde erhöhen bei der Argumentation. Er ist in der Österreichischen Gemeindezeitung Nr. 11/2017 erschienen.

Verschiedene Meldungen und Berichte

Sammlung von diversen Medienberichte ohne weitere Kommentierung.

Analysen und eigene systemische Betrachtungen

Krisenmanagement und Krisenvorsorge

Energiezellen

Stromversorgung & Blackout

Cybersicherheit

Blicke auf die Situation im europäischen Stromversorgungssystem

Die angeführten Beispiele stammen rein aus öffentlich verfügbaren Quellen. Sie zeigen die aktuellen Herausforderungen auf und sollten uns an die Truthahn-Illusion erinnern.

  • Aktuelle Situation – Zusammenfassung der aktuellen Herausforderungen im europäischen Stromversorgungssystem; Leider zeigt sich immer wieder, dass die Beherrschbarkeit der Entwicklungen auch viel mit Glück zu tun hat. Etwa, dass besondere Erzeugungsspitzen nicht in Niedrigverbrauchsphasen auftreten. Um das nochmals ins Bewusstsein zu rufen. Die Balance im Stromversorgungssystem muss zu jedem Augenblick in einem sehr schmalen Toleranzbereich ausgeglichen sein. Ansonsten kommt es zum Kollaps.
  • Auswertung Redispatching & Intraday-Stops – Auswertung der Eingriffe zur Netzstabilisierung; Die Engpassmanagementkosten sind 2017 in Österreich extrem angestiegen.