Ein europaweiter Strom- und Infrastrukturausfall (“Blackout”)

Wenn kein Licht, kein Handy, kein Internet, keine (Gas-, Fernwärme-, Öl-, Zentral-)Heizung, kein Bankomat, keine Tankstelle, keine Ampeln, keine Kassa und auch keine Straßenbahnen mehr funktioniert. Wenn Aufzüge einfach steckenbleiben, oder sogar das Wasser aufhört zu rinnen und damit auch keine Toilettenspülungen mehr funktionieren. Wenn Sie nicht mehr kochen können, dann ist etwas eingetreten, was viele für unmöglich halten: Unser tägliches Leben ist völlig von der Stromversorgung abhängig, ohne das uns das im Alltag Bewusst ist. Besonders hoch ist diese Abhängigkeit im städtischen Räumen. Und nicht nur das, auch die organisierte Hilfe ist nur mehr schwer erreichbar bzw. nur mehr eingeschränkt handlungsfähig. Wir rechnen einfach nicht damit, dass wir einmal einige Zeit ohne gewohnter Versorgung und Infrastrukturen auskommen müssen. Und das ist gefährlich. Denn ein solches Ereignis ist binnen der nächsten fünf Jahre sogar sehr realistisch!

Untersuchungsbericht ENTSO-E zum Blackout in der Türkei 2015

„Although the electric supply should never be interrupted, there isunfortunately, no collapse-free power system!

Kurzfassung

Das Video „Schweiz im Dunkeln“ des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz zeigt sehr anschaulich, was ein Blackout bedeuten könnte. Dennoch bleiben viele Aspekte offen. Etwa, dass es nicht nur um einen möglicherweise mehrtägigen Stromausfall, sondern vor allem einen zumindest mehrtägigen Infrastrukturausfall geht. Denn auch wenn der Strom wieder aus der Steckdose kommt, ist die Krisenlage noch lange nicht vorbei. Denn dann dauert es wahrscheinlich zumindest mehrere Tage, bis die Telekommunikationsversorgung (Handy, Festnetz, Internet) wieder halbwegs funktioniert. Und ohne dieser gibt es weder eine Produktion, noch Warenverteilung, noch eine Treibstoffversorgung. Das bedeutet, dass der Wiederanlauf der Versorgung mit lebenswichtigen Gütern nicht vor einer Woche zu erwarten ist. Und dann ist noch lange keine Vollversorgung, wie wir sie heute gewohnt sind, zu erwarten. Gleichzeitig wissen wir aber aus Untersuchungen, dass rund ein Drittel der Bevölkerung erwartet, sich maximal vier Tage selbst versorgen zu können. Nach sieben Tagen betrifft das bereits  zwei Drittel. Das sind unfassbare Zahlen, für die es KEINE Vorsorgen gibt. Und diese Zahlen betreffen genauso jene Menschen und deren Familien, die dann die Systeme wieder hochfahren oder anderen Menschen helfen sollen. Die größte Gefahr geht daher nicht von der Möglichkeit eines Infrastrukturversagens aus. Sie geht vielmehr von unserer irrationalen Annahme aus, dass so etwas schon nicht passieren wird und wir daher kaum Vorkehrungen getroffen haben. Dabei ist eine Vorsorge für jeden von uns recht einfach machbar: Sorgen Sie dafür, dass Sie und Ihre Familie für zumindest zwei Wochen ohne Einkaufen gehen zu müssen, über die Runden kommen können!

Vorrat für 1 Person / 2 Wochen

Die drei Phasen eines Blackouts

Um die tatsächlichen Auswirkungen eines Blackouts erfassen zu können, muss das Gesamtszenario betrachtet werden. Die meisten Menschen denken nur an einen Stromausfall, also an die Phase 1. Das greift jedoch deutlich zu kurz und führt zu einer massiven Unterschätzung der Zeitdauer und den Folgen eines Blackouts. Denn auch in der Phase 2, also bis die Telefon-, Handy- und Datennetze (Internet) wieder weitgehend funktionieren, wird kaum etwas funktionieren. Weder eine Produktion, Logistik noch eine Treibstoffversorgung, da es überall IT-Abhängigkeiten gibt. Damit gibt es weiterhin kaum ein Tanken oder Einkaufen. Nur die Wasserver- und Abwasserentsorgung sollten wieder funktionieren. Erst in der Phase 3 kann dann der Wiederanlauf der Versorgung mit lebenswichtigen Gütern beginnen. Und das kann dauern. Denken Sie nur an mögliche Ausfälle in der industrialisierten Tierhaltung oder Glashausproduktion. Es wird zum Teil Jahre dauern, bis sich wieder eine Normalisierung einstellen wird. Wir müssen uns daher auf längerfristige Versorgungsunterbrechungen und -engpässe einstellen. 

Blackout versus Stromausfall

Der Begriff „Blackout“ ist nicht wirklich klar definiert und wird daher auch oft falsch verwendet. Gerne wird er in Medien für gewöhnliche Stromausfälle verwendet. Das andere Extrem ist wiederum, dass man damit erst einen mehrwöchigen Stromausfall meint. Daher sollte man immer hinterfragen, was genau damit gemeint ist. In der Fachwelt spricht man auch von einer Großstörung. 

Eine europäische Großstörung („Blackout“)

Die Basis für ein mögliches Blackout sind die zunehmenden Netzeingriffe, um das System stabil zu halten. Der letzte Tropfen, der dann das Fass zum Überlaufen bringen kann, kann ganz unterschiedliche Ursachen haben, wie Extremwetterereignisse, technisches Versagen, Cyber-Angriffe, Komplexitätsüberlastung, Marktmanipulation, Sonnenstürme, Erdbeben, Terror-Anschläge, usw.

Eine lokale Störung/Stromausfall

Lokale Ausfälle treten häufig auf und können oft binnen Minuten durch entsprechende Umschaltmaßnahmen behoben werden. Häufiger Auslöser in urbanen Räumen sind dafür Grabungsarbeiten („Bagger“) oder Tiere, die in einem Trafo einen Kurzschluss auslösen. Zunehmend an Bedeutung gewinnen auch Extremwetterereignisse.
 

Definition Blackout 

Im Sinne der hier durchgeführten Betrachtungen wird daher unter einem Blackout ein plötzlicher überregionaler, weite Teile Europas umfassender und länger andauernder (> 12 Stunden) Strom- und Infrastrukturausfall verstanden. Entscheidend ist, dass auch die anderen Infrastrukturen betroffen sind und eine Hilfe von „außen“ nicht erwartbar ist. Alles was nicht vor Ort vorbereitet und vorgesorgt wurde, wird nicht zur Verfügung stehen. Zudem ist der Stromausfall nur der Ausgangspunkt für längerfristige Versorgungsunterbrechungen/-engpässe.

Kettenreaktion

Ein Blackout löst zeitnah eine „Kettenreaktion“ in allen anderen Infrastruktursektoren und damit Versorgungsleistungen aus. Unser gewohntes Leben kommt abrupt zum Stillstand. Nichts funktioniert mehr wie gewohnt und es wird länger dauern, bis wieder eine Normalität hergestellt werden kann.

Hintergrundinformationen

Kritische Infrastrukturen

Unser Wohlstand und Leben hängt ganz massiv vom Funktionieren der lebenswichtigen Infrastrukturen ab. Das ist uns selten bewusst, weil eh fast immer alles reibungslos funktioniert. Das wichtigste Bindeglied zwischen allen Infrastruktursektoren und damit für die Versorgung mit lebenswichtigen Gütern ist die Stromversorgung. Ohne Strom funktioniert heute fast nichts. Diese Zusammenhänge sind uns häufig nicht bewusst. Wir gehen einfach davon aus, dass das was bisher so erfolgreich funktioniert hat auch in Zukunft so sein muss. Dafür gibt es jedoch keine Garantie!

Die hier dargestellte Grafik versucht die wechselseitigen Abhängigkeiten und Zusammenhänge in einer vereinfachten Form darzustellen.

Das europäische Strom-versorgungssystem

Das europäische Stromversorgungssystem ist ein großes Verbundsystem, das für einfach steuer- und berechenbare Großkraftwerke errichtet  wurde. Der mittlerweile über Jahrzehnte sehr erfolgreiche und sichere Betrieb täuscht jedoch über die umfangreichen und systemgefährdenden Veränderungen des letzten Jahrzehnts hinweg. Es wird mittlerweile ein enormer Aufwand betrieben, um die laufende Systemstabilität aufrecht erhalten zu können. Es gibt jedoch nirgends ein hundertprozentig sicheres System. Schon gar nicht bei der zunehmenden Komplexität, die nicht zuletzt durch die „Digitalisierung“ hervorgerufen wird. Daher warnen die Netzbetreiber auch vor einem unbegründeten Optimismus: „Although the electric supply should never be interrupted, there is, unfortunately, no collapse-free power system!“, 

Risiken für ein Blackout

Die Netzbetreiber machen tagtäglich einen hervorragenden Job, um die Systemsicherheit aufrecht zu erhalten und ein Blackout zu verhindern. Ein Blackout wird auch nicht durch ein Einzelereignis ausgelöst. Sondern durch die Kumulation von an und für sich beherrschbaren Einzelereignissen. So wie 2006, wo binnen 19 Sekunden 10 Millionen Haushalte in Westeuropa plötzlich finster waren. Zum Glück rechtzeitig, um ein wirkliches Blackout zu verhindern. Neben den umfassenden Herausforderungen durch die Energiewende spielen vor allem der Strom-Markt und betriebswirtschaftlich eingeengte kurzfristige Überlegungen eine zentrale Rolle, warum das Risiko eines Blackouts steigt. Fehlendes System- und Physikverständnis tuen ihr übriges. So wie derzeit der Planungsstand ist, dürften wir binnen der nächsten fünf Jahre an nicht mehr beherrschbare physikalische Grenzen stoßen. Ein Blackoout ist daher ein sehr realistisches Szeanrio!

Auswirkungen eines Blackouts

Die Auswirkungen eines Blackouts sind für viele Menschen kaum vorstellbar. Meistens denkt man dabei an einen gewöhnlichen Stromausfall, der halt etwas größer ausfällt. Ein fataler Irrtum. Den bei einem Blackout bricht binnen Minuten auch die Telekommunikationsversorgung, also Handy, Festnetz und Internet, zusammen. Damit funktioniert binnen kürzester Zeit so gut wie nichts mehr. Keine Kassensysteme, keine Tankstelle, kein Supermarkt, keine Aufzüge, keine Ampeln, kein öffentlicher Verkehr. Und je nach Region kommt es auch ziemlich bald zu Problemen in der Abwasserent- bzw. zum Teil auch in der Wasserversorgung. Damit funktionieren plötzlich auch Toiletten nicht mehr. Krankenhäuser haben zwar eine Notstromversorgung, aber das ist nicht das einzige Problem, dass dort ziemlich bald auftreten wird. Denn auch diese sind ganz massiv von einer funktionierenden Ver- und Entsorgung in allen Bereichen abhängig. Die gesamte Gesundheitsversorgung kommt zum Stillstand. Und wenn der Strom nach 1, 2, oder mehr Tagen wieder aus der Steckdose fließt, dann funktioniert hoffentlich die Wasserver- und Abwasserentsorgung. Aber das meiste andere noch lange nicht. Das Wissen um diese Auswirkungen schafft jedoch Handlungsspielräume, weil man dann nicht mehr völlig überrascht ist. Und man bekommt dadurch die Chance, entsprechende Vorsorgen zu treffen.

Blackout-Vorsorge

Die wichtigste Vorsorge, und das nicht nur für das Szenario Blackout, ist die persönliche Vorsorge möglichst vieler Menschen, um mit länger andauernden Versorgungsunterbrech-ungen oder -engpässen umgehen zu können. Das beginnt mit einem Lebensmittel- und Wasservorrat für zumindest zwei Wochen. Beim Wasser kann man etwas Abstriche machen, da diese Versorgung mit dem Strom wieder funktionieren sollte. Je nach persönlicher Situation, ob etwa Kleinkinder, Kranke oder pflege- oder hilfsbedürftige Personen im gemeinsamen Haushalt leben, können zusätzliche Bedürfnisse entstehen (Medika-mente!). Eine solche Versorgungsunterbrechung droht etwa auch bei einer Pandemie, also wenn sehr viele Menschen zeitgleich und länger erkranken. Erst wenn diese Basis geschaffen wurde, macht es wirklich Sinn, über weitere Maßnahmen umfangreicher nachzudenken. Das beginnt mit der Nachbarschaftshilfe und setzt mit konkreten Überlegungen in der Gemeinde fort, wo die Masse der Krisenbe-wältigung erfolgen muss. Eine Hilfe von außen ist so gut wie nicht zu erwarten. Auch die Einsatzorganisationen sind nur mehr eingeschränkt handlungsfähig. Einerseits ist das Personal und deren Familie selbst betroffen und zum anderen ist der Umfang der Betroffenheit einfach zu groß. Und häufig scheitert es dann auch noch an der (Not-)Treibstoffversorgung.

Weiterführende Informationen

Hier finden Sie weiterführende Informationen bzw. Links zu anderen Organisationen oder Quellen rund um das Thema Blackout und Vorsorge.

Fallstudie Pinzgau

Gottfried Pausch
Stand: 11/2017
117 Seiten

Unbegründeter Optimismus

Auszug aus der ORF/3sat-TV-Dokumentation „Strom aus“, 2017

Blackout: Wenn der Gesellschaft der Strom ausgeht

Vortrag an der Fachhochschule Münster am 20. Dezember 2017

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