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Umgang mit Unsicherheiten

Im letzten Newsletter mit dem Betreff „Es geht voran“ haben wir aufgezeigt, dass man aus einem negativen Ereignis auch etwas lernen kann, um zukünftig besser mit Unerwartetem umgehen zu können. Entscheidend ist die Lernbereitschaft, die erst wirklich dann zur Resilienz führt, wenn diese Bereitschaft in ein intensives Lernen mündet. Das erhöht die Chance, dass dann mit unerwarteten Ereignisse besser umgegangen werden kann.Aber es gibt keine hundertprozentige Sicherheit! Nirgends. Daher müssen wir uns auch trotz aller Fortschritte weiterhin mit den Schattenseiten der modernen Entwicklungen auseinandersetzen, welche gerade in den letzten Tagen und Wochen nicht weniger geworden sind. Ganz im Gegenteil. Nur dadurch kann die Achtsamkeit gesteigert werden. 

Blackout-Gefahr wird realer

Das Österreichische Bundesheer hat vergangene Woche mit der klaren Aussage, dass binnen der nächsten fünf Jahre mit einem Blackout zu rechnen ist, weiteres Aufsehen erregt. In dieser Deutlichkeit wurde das bisher noch von keiner staatlichen Stelle ausgesprochen. Jetzt bleibt nur zu hoffen, dass auch die weiteren erforderlichen Schritte gesetzt werden. Und das nicht nur im Österreichischen Bundesheer. Wir alle sind gefordert, die gesamte Gesellschaft, nicht nur einzelne Akteure. Die Netzbetreiber machen einen hervorragenden Job. Aber es wird immer schwieriger und aufwendiger. So werden mittlerweile auch klare Warnungen ausgesprochen, wie gerade aktuell in Tirol. Nur einzelne Politiker glauben allen Ernstes, die persönliche Vorsorge wider besseres Wissens in Abrede stellen zu müssen.

Zudem ist der Blick nur auf einzelne Länder völlig unzureichend. Gut ist aber, dass nun dies mit aller Deutlichkeit wenigstens in einem Land der Bevölkerung vermittelt wird. Das Verschweigen oder das Abwiegeln vernichtet jede gegebenenfalls doch vorhandene Achtsamkeit und damit auch die notwendigen Maßnahmen zur Vorbereitung auf bisher undenkbare bzw. verdrängte Gefahren. Wider der häufig geäußerten Befürchtung einer Panikmache, gibt es nach jedem Vortrag viele dankbare Menschen, die den ehrlichen Umgang mit den bestehenden Risiken honorieren und auch mit der Eigenvorsorge beginnen. 

Massiver Anstieg von Cyber-Angriffen

Nachdenklich stimmen auch die aktuellen Entwicklungen im Cyber-Raum. Es vergeht mittlerweile kaum ein Tag, wo nicht von umfangreichen und schwerwiegenden Infrastrukturausfällen in Behörden, Kommunen oder Unternehmen berichtet wird. Unter anderem gibt es seit Anfang Jänner 2020 einen erkannten Cyber-Angriff auf das österreichische Außenministerium. Viel ist dazu noch nicht bekannt geworden, außer dass mittlerweile nicht nur alle österreichischen Cyber-Sicherheitskräfte, sondern auch mehrere Spezialisten des deutschen Bundesamtes für die Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zur Hilfe geholt wurden. Dabei handelt es sich „nur“ um einen Angriff auf die Office-IT. Was ist, wenn das weiter eskaliert und auch wichtige Infrastruktureinrichtungen lahmgelegt werden? Wie viele Kräfte zur Gegenwehr bzw. Wiederherstellung haben wir noch verfügbar? Vielleicht ebbt auch wieder alles ab. Wir werden es wohl bald wissen.

Droht eine Pandemie?

HändewaschenAuch die Entwicklungen in China mit dem Coronavirus sind wenig beruhigend, selbst wenn derzeit noch davon ausgegangen wird, dass dieser Virus nicht gefährlicher ist, als eine saisonale Grippe durch Influenzaviren. Daher ist hier sicher noch Zurückhaltung geboten, auch wenn von der Wissenschaft eine steigende ladende Bedrohung prognostiziert wird. 

Noch während wir diese Zeilen verfasst haben, ging die erste Bestätigung von Fällen in Europa ein. Dass, was in China möglich ist, ganze Städte zur Eindämmung der Ausbreitung zu isolierten, ist in Europa wohl eher undenkbar. Zugleich ist das aber die einzige Möglichkeit, um die Ausbreitung eines wirklich gefährlichen Erregers einzudämmen. Das wissen wir nicht zuletzt auch von der historischen Aufarbeitung der Pestepidemien. Damals hat man nicht rechtzeitig reagiert und isoliert. Erst dadurch konnte der Erreger seine verheerende Wirkung entfalten.

Nach der derzeitigen Informationslage scheint das aber noch nicht zwingend geboten zu sein. Aber genau hier besteht die Gefährlichkeit einer Pandemie. Wenn es dann doch zu einer Mutation in eine aggressivere Version kommt, könnte es bereits zu spät sein, um erfolgreich eindämmen zu können. Besonders häufig wird dabei die exponentielle Entwicklung unterschätzt. Bisher hatten wir immer Glück und die Warnungen stellten sich zum Glück als falsche Alarme heraus. Anstatt darüber froh zu sein, neigen nun mehr und mehr Menschen dazu, die Warnungen in den Wind zu schlagen. Daher wird es wohl einmal zu einer bitteren Überraschung kommen, wenn sich kein Fehlalarm einstellt.    

Wir wollen den Teufel nicht an die Wand malen, aber trotzdem in Erinnerung rufen, dass, nur wenn man vorausplant und vorbereitet ist, rasch und umsichtig reagieren kann. Dabei hilft auch eine Blackout-Vorsorge! Denn man muss sich nicht unnötige exponieren bzw. kann sich bei wirklich schweren Verläufen, wo ebenfalls mit weitreichenden Versorgungsunterbrechungen und -ausfällen zu rechnen ist, ausreichend selbst versorgen. Bis hin zur Krisenorganisation, die damit besser umgehen könnte.

In der heutigen hoch vernetzten Just-in-Time Logistik können durch solche Maßnahmen wie derzeit in China auch wichtige Prozess- und Lieferketten unterbrochen werden. In der Logistikbranche rechnet man etwa damit, dass es ab ca. 10 Prozent Personalausfall kritisch wird. Bei einer Pandemie rechnet man aber mit deutlich höheren Ausfallzahlen. Die Versorgungsengpässe bei Medikamenten nehmen bereits seit Monaten deutlich zu und könnten durch eine Eskalation in China oder darüber hinaus nochmals verschärft werden. Wir sind vielschichtig voneinander abhängig.

Bis auf Weiteres gelten folgende wichtige generelle Vorbeugemaßnahmen:

  • Mehrmals täglich die Hände mit Wasser und Seife waschen (20 bis 30 Sekunden!)
  • Mund und Nase beim Niesen oder Husten mit einem Papiertaschentuch bedecken (nicht mit den Händen). Am besten in die Armbeuge husten.
  • Kontakt zu kranken Menschen vermeiden. Oder auch umgekehrt, bei Krankheitsverdacht zu Hause bleiben

Wie wir selbst unsere Handlungsspielräume einengen!

In den vergangenen Monaten beschäftigt uns immer wieder eine Erfahrung, die uns sehr nachdenklich stimmt: In Gesprächen mit Leuten stellt sich oft heraus, dass Menschen die Vorsorgemaßnahmen treffen, um Ihre Sicherheit fürchten. Das Argument: Die anderen machen ja nichts oder machen sich darüber auch noch lustig. Daher kommt dann relativ häufig auch das Thema Waffen. Es existiert eine häufig anzutreffende Erwartung, dass im Falle eines Blackouts ziemlich rasch Chaos und Anarchie eintreten werden, obwohl das eher den Katastrophenmythen zuzuordnen ist.

Ein Blackout kann sich zu einer unvorstellbaren Katastrophe entwickeln, wenn die Bedrohung und Vorsorge nicht ernst genug genommen werden! Also genau so, wie wir das derzeit machen, auch wenn es mittlerweile zahlreiche Aktivitäten gibt (siehe etwa auch den holistischen Ansatz in Südtirol). In der Gesamtschau wird das aber kaum ausreichen, wenn wie zu erwarten, die Versorgungsunterbrechungen zumindest 1-2 Wochen dauern werden, und dann nur mehr rund 1/3 der Bevölkerung in der Lage ist, sich selbst versorgen zu können (siehe Ernährungsvorsorge in Österreich oder aktuell Kritische Infrastrukturen-Resilienz als Mindestversorgungskonzept“ (KIRMin)). Es wird zwar immer häufiger von Resilienz gesprochen, aber in der Realität sind wir weit davon entfernt.

Kippschalter im Kopf - Plan BDie Grundbefürchtungen sind daher real und nachvollziehbar. Jedoch sind die oft gezogenen Schlussfolgerungen falsch! Uns macht genau diese egoistische Grundhaltung Sorge! Dadurch fehlen die Überlegungen, wie wir gemeinsam Lösungen finden könnten. Zu oft bunkern wir uns von vornherein mental ein und schaffen dadurch erst recht die Basis für das, was wir eigentlich verhindern wollen! Entscheidend ist, dass wir uns jetzt mit möglichen Lösungswegen beschäftigen, um gemeinsam eine derart absehbare Krise bestmöglich bewältigen zu können! Der erste Schritt beginnt im eigenen Kopf, indem wir nicht das durchaus greifbare Negative in den Vordergrund stellen, sondern wie wir dieses reduziert können. Wir alle haben es in der Hand, in welche Richtung sich das Ganze entwickelt. Wir sind immer Teil der Lösung oder auch des Problems. Jede(r) Einzelne von uns entscheidet mit, in welche Zukunft wir gehen! 

Eine Erfahrung ist aber auch, dass sich wesentlich mehr Menschen ernsthafte Gedanken machen, als man glaubt oder wahrnimmt! Nur die meisten dieser Menschen fühlen sich mit ihren Lösungsideen isoliert und alleine, kommunizieren diese nicht und kommen daher selbst auch nicht wirklich ins Handeln. Daher geht es auch um die Vernetzung und Sichtbarmachung, also um eine offene Sicherheitskommunikation, damit mehr Menschen aktiv werden und das Thema besser sichtbar wird. Zum anderen braucht es gerade in Krisensituationen Menschen, welche die Führung und Selbstorganisation auf lokaler Ebene übernehmen und so eine gemeinsame Richtung aufzeigen und ein Grundvertrauen wiederherstellen. Dies sollte natürlich in jeder Gemeinde koordiniert werden, was jedoch bereits jetzt – lange vor Eintritt von solchen Ausnahmesituationen – vorbereitet werden muss.  

Geben wir den Anstoß und bringen auch andere in Bewegung! Wie auch das Forschungsprojekt KIRMin wieder gezeigt hat, geht es darum, die vielen falschen Erwartungen zu reduzieren und die Selbstwirksamkeit zu stärken! Nur dann haben wir als Gemeinschaft eine Chance, weitreichende Infrastruktur- und Versorgungsausfälle mit möglichst geringen Schäden zu überstehen! Versuchen Sie diese Gedanken auch in Ihren Netzwerken zu verbreiten, damit wir eine kritische Masse erreichen. Wehren Sie sich gegen Versuche des Abwiegelns, des auf die lange Bank schiebens oder des Aussitzens.

Lesen Sie den ganzen und ausführlicheren Beitrag online.

Sichtbarkeit im Krisenfall: Warnwesten als Kennzeichen für hilfsbereite Menschen

Immer wieder stellt sich die Frage, wie im Blackout-Fall Strukturen aufrechterhalten werden können. Dabei geht es vor allem um die Sichtbarkeit, damit ein gewisses Sicherheitsgefühl in der Bevölkerung Platz greift und Ruhe und Besonnenheit das Vorgehen bestimmt. Das war etwa auch eine Erfahrung beim Stromausfall in Berlin-Köpenick im Februar 2019. Für die Menschen war wichtig, dass die Einsatzkräfte sichtbar und ansprechbar waren, auch wenn akut (noch) keine Hilfe benötigt wurde.

Im Fall eines Blackouts werden die Einsatzkräfte rasch an ihre eigenen Grenzen geraten. So wird speziell der Schutz von wichtigen Verkaufseinrichtungen aufgrund der Vielzahl an Objekten kaum durch die Polizei bewältigbar sein. Daher sind engagierte BürgerInnen gefragt, die in Abstimmung mit dem Gemeindekrisenstab eine gewisse Abhaltewirkung alleine durch ihre Präsenz vor Ort sicherstellen. Aber auch die Nachschau bei hilfs- und pflegebedürftigen Menschen wird notwendig sein. Viele Menschen könnten auch mit der vielen „Freizeit“ überfordert sein. Eine geleitete Tätigkeit und Beschäftigung würde daher sehr hilfreich sein.

Daher ist eine einfache Überlegung entstanden. Wenn all jene Menschen, die bereit sind, anderen zu helfen oder gewisse Aufgaben für die Gemeinschaft übernehmen können, sich eine Warnweste anlegen, dann kann ziemlich rasch und einfach signalisiert werden, dass hier noch Ordnung und Struktur besteht. Für alle hilfesuchenden Menschen ist dann auch sofort ersichtlich, an wen sie sich wenden können. Daher kann mit dieser einfachen Maßnahme die sehr wichtige und unverzichtbare Selbstorganisation unterstützt werden. Auch für die Einsatzorganisationen wären damit potenzielle Unterstützer rasch erkennbar. Die Ansprechpersonen in den Selbsthilfe-Basen sollten sich ebenfalls derart kennzeichnen. Gleichzeitig erhöht die Warnweste in der Nacht die eigene Sichtbarkeit und damit Sicherheit. 

Eine Warnweste hat fast jeder zu Hause bzw. im Auto. Daher geht es jetzt vor allem darum, diese Idee zu verbreiten bzw. im Anlassfall nochmals zu kommunizieren.