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Quelle: Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM); Direkt zur Datenbank; 09.10.19

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) bietet eine Übersicht zu aktuellen Lieferengpässen für Humanarzneimittel (ohne Impfstoffe) in Deutschland an. Die Meldungen erfolgen durch die Pharmazeutischen Unternehmer und basieren auf der im Pharmadialog erklärten Selbstverpflichtung zur Meldung von Lieferengpässen für versorgungsrelevante Arzneimittel. Die Liste der als versorgungsrelevant angesehenen Wirkstoffe wird im Jour Fixe zu Liefer- und Versorgungsengpässen regelmäßig aktualisiert. Eine Meldung wird insbesondere dann für erforderlich angesehen, wenn die Anzahl an Zulassungsinhabern, der endfreigebenden Hersteller oder der Wirkstoffhersteller für einen bestimmten Wirkstoff eine kritische Grenze unterschreitet. Darüber hinaus gilt die Selbstverpflichtung zur Meldung von Lieferengpässen für alle Wirkstoffe, für die bereits in der Vergangenheit ein Versorgungsmangel eingetreten war.

Ein Lieferengpass ist eine über voraussichtlich 2 Wochen hinausgehende Unterbrechung einer Auslieferung im üblichen Umfang oder eine deutlich vermehrte Nachfrage, der nicht angemessen nachgekommen werden kann.

Update 23.10.19: „Geschätzt gibt es zurzeit 300 bis 500 Medikamente nicht“

Quelle: www.rbb24.de

Deutsche Apotheken haben immer öfter Probleme, Kranke mit den den nötigen Medikamenten zu versorgen. Grund sei, dass es für einige Wirkstoffe weltweit nur noch wenige Hersteller gebe, sagt Kerstin Kemmritz von der Apothekerkammer Berlin im Interview.

rbb: Frau Kemmritz, Sie haben eine eigene Apotheke in Weißensee. Welche Medikamente können Sie derzeit nicht verkaufen?

Kerstin Kemmritz: Es gibt leider eine ganze Menge – und es werden von Tag zu Tag mehr. Es sind streckenweise so einfache Sachen wie Schmerzmittel und Augentropfen, die man ohne Rezept bekommt, aber leider auch ganz viele Medikamente gegen Bluthochdruck, Antibiotika, weitere Augentropfen, Medikamente gegen Depressionen und Angsterkrankungen. Die Liste der Medikamente, die derzeit oder auch schon längere Zeit nicht lieferbar sind, lässt sich leider fast unendlich fortführen.

Es gibt Medikamente mit einem Wirkstoff von unterschiedlichen Pharmaunternehmern. Sie haben da also auch Ersatzpräparate, die Sie anbieten können – aber nicht immer. Warum nicht?

Bei einigen Leiden sind nicht so viele Patienten betroffen – entsprechend wird auch nicht so viel hergestellt. Wenn es da einen Lieferengpass in der Lieferkette gibt – teilweise gibt es auch nur einen oder ganz wenige Wirkstoffhersteller – dann gibt es einfach den Wirkstoff nicht mehr. Das wohl bekannteste Beispiel aus dem letzten Jahr, was aber zum Teil immer noch zutrifft, ist Valsartan, das aus Qualitätsmängeln zurückgerufen worden ist. Das ist ein sehr bekanntes Blutdruckmittel. Da konnte man auf ähnliche Wirkstoffe – Candesartan, Irbesartan oder Losartan – zurückgreifen. Aber auch die sind jetzt inzwischen vergriffen, weil niemand damit gerechnet hat, dass alle Valsartan-Patienten jetzt auf ein anderes Sartan umgestellt werden. Das ist so eine Kettenreaktion, die mit einem Lieferengpass anfängt und dann auch andere, ähnliche Produkte erreichen kann.

Wie kann das Problem auf Dauer gelöst werden? Weniger Regulierung?

An einigen Stellen müsste man weniger regulieren. An anderen Stellen muss man jetzt aber auch unterstützend eingreifen und Anreize dafür schaffen, dass wieder in Deutschland oder wenigstens Europa Wirkstoffe produziert werden, damit die Zugriffsmöglichkeiten dadurch leichter werden und die Hersteller auch schneller reagieren können. Diese Anreize zu erhöhen, wäre sicherlich sinnvoll, natürlich auch die Handlungsmöglichkeiten im Rahmen von Austauschmöglichkeiten für die Apotheken zu verbessern. Aber das Wichtigste wäre sicherlich zu sagen: Die Produktion muss deutlich verstärkt wieder in Europa stattfinden und sich auf mehrere Wirkstoffhersteller verteilen.

 

Update 28.10.19: Wichtiges Narkosemittel wird in Deutschland knapp

Quelle: Die Welt

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft sieht die Versorgung mit dem wichtigen Narkosemittel Propofol gefährdet. Erste Kliniken müssen bereits auf andere Mittel ausweichen. Propofol ist eines der Standardmittel bei Operationen.

Das Medikament wird an jedem Tag in jedem deutschen Krankenhaus angewendet. Vor einer Blinddarmoperation oder einem großen Eingriff am Herzen. Vor dem Einsetzen eines neuen Kniegelenks oder der Entfernung eines Tumors. Die Weltgesundheitsorganisation führt es auf der Liste der unentbehrlichen Arzneimittel. „Es ist zurzeit wirklich sehr dramatisch. Gerade für Propofol gibt es keine gleichwertige Alternative. Wenn man andere Narkotika nimmt, ist das mit Nachteilen für den Patienten verbunden.“

Propofol gilt als eines der wichtigsten Narkosemittel, die der modernen Medizin zur Verfügung stehen. In Deutschland droht es derzeit knapp zu werden. In einer Einschätzung der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), die WELT vorliegt, heißt es: Die Versorgungslage sei insgesamt bereits kritisch. Ein längerer Lieferausfall von Propofol hätte „erhebliche Auswirkungen auf die Klinikversorgung“, heißt es weiter.

In Deutschland kommt es immer wieder zu Engpässen in der Arzneimittelversorgung. Wegen des globalen Kostendrucks haben viele Hersteller die Produktion ins Ausland verlegt – ein riskantes Unterfangen. Vor zehn Jahren sei das Problem der Lieferengpässe quasi unbekannt gewesen. Es gibt manchmal weltweit nur noch ein oder zwei Produktionsstätten für einen bestimmten Wirkstoff. Es kann beispielsweise sein, dass der Stoff in China produziert wird, in Indien konfektioniert und in Europa marktfertig verpackt. Wenn da irgendwo etwas schiefgeht, hat das dramatische Auswirkungen auf unsere Versorgung.“

„Im Jahr 2015 wurden an das BfArM 40 Lieferengpässe gemeldet. Im Jahr 2018 waren es schon 268 – das ist eine deutliche Kurve. Wenn sich das so fortsetzt, wird das zu einem versorgungsrelevanten Problem – was es in Einzelfällen schon heute ist.“

Kommentar

Auch in Supermärkten ist mitterweile zunehmend häufiger ein Hinweis anzutreffen, dass gewisse Produkte gerade nicht lieferbar sind. Das ist im Alltag kein Problem, das eh 10 gleichwertige daneben stehen. Aber es sollte uns vielleicht doch zu Denken geben.

Update 16.11.19: Grundmedikamenten-Versorgung in der Schweiz nicht mehr sicher

Quelle: www.tagesanzeiger.ch

Der Bund schlägt Alarm, weil Pharmafirmen immer mehr wichtige Medikamente nicht liefern können. Nun soll die Armeeapotheke Grosseinkäufe tätigen.

Immer mehr günstige Basismedika­mente wie Antibiotika oder Bluthochdruckmittel gehen aus. Die Pharmahersteller können nicht liefern.

Das ist weltweit ein zunehmendes Problem. Noch 2016 kam der Bundesrat zum Schluss, dass keine dringliche Intervention nötig sei. Nun hat die Landesregierung ihre Meinung geändert – und will einschreiten.

Aktuell fehlen laut der Website Drugshortage.ch über 630 Medikamente. Es sind Mittel gegen verschiedene, verbreitete Krankheiten. Allen gemeinsam ist, dass bei ihnen der Patentschutz abgelaufen ist und sie deshalb nicht nur von einer, sondern von mehreren Firmen hergestellt werden. Bei den sogenannten Generika spielt also der Markt, die Preise sind deshalb günstig.

Für die Hersteller fehlen die Anreize, weniger profitable Medikamente herzustellen.

Das BAG erwägt für die Schweiz derzeit unter anderem ein Exportverbot. Knappe Medikamente dürften dann nicht ausgeführt werden. 

Standard-Rohstoffe für die Medikamente werden jedoch schon lange nicht mehr nur von den Pharmafirmen selbst produziert – auch staatlich beauftragte Firmen würden dies kaum tun. Sie kommen aus Chemiebetrieben in Indien und vor allem in China, weil sie dort in riesigen Mengen billiger produziert werden können.

China habe jedoch in den vergangenen Jahren die Vor­schriften für Arbeitssicherheit und Umweltschutz stark angehoben und Tausende Fabriken geschlossen. Denn Abwässer und Abgase ­werden nun auch dort besser kontrolliert. In der Folge sind nicht nur die Preise anfälliger für starke Schwankungen und Erhöhungen geworden, was für die Pharmaindustrie höhere Kosten zur Folge hat, sondern auch Unterbrüche in den Lieferketten sind so entstanden.

Will man effektiv etwas gegen die zunehmenden Versorgungsengpässe tun, dann muss man anerkennen, dass die sichere Versorgung mit bewährten Medikamenten einen gewissen Preis hat.

Die Hersteller reagieren jedoch auch aus eigenem Antrieb. Novartis ist mit seiner Generika-Tochter Sandoz gerade dabei, für diejenigen Schlüssel-Rohstoffe, die momentan nur von einem einzigen Lieferanten bezogen werden, einen zweiten zu suchen. Beim Ausfall des einen Herstellers würde es dann Ersatz geben.