Letzte Aktualisierung: 19.01.19 17:30 Uhr

Im Jänner 2019 gab es einige kritische Ereignisse und Erkenntnisse, die hier gesammelt werden.

Netzfrequenz auf 49,8 Hertz: An der Grenze zur Störung!

Am 10. Jänner 2019 sackte die Netzfrequenz im europäischen Verbundsystem um 21:02:06 Uhr auf 49,8 Hertz ab (Unterfrequenz). Ein weiteres Absacken konnte durch die europäischen Netzbetreiber rechtzeitig verhindert werden. Das letzte Mal wurde diese Schwelle am 04. November 2006 erreicht bzw. unterschritten, was zum bisher größten Stromausfall in Europa mit rund 10 Millionen Haushalten ohne Strom führte. Es handelte sich damals um kein Blackout, sondern „nur“ um eine Großstörung.

„Unsere Systemführung wacht darüber, dass die Frequenz 49,8 Hertz nicht unter- und 50,2 Hertz nicht überschreitet – sonst droht ein Zusammenbruch des Netzes.“, amprion

Die Beobachtung wurde durch Markus Jaschinsky von www.netzfrequenz.info gemacht. Er hat mittlerweile ein Kommentar online gestellt. Thomas Gobmaier von www.netzfrequenzmessung.de hat nun ebenfalls ein Kommentar online gestellt: „Dies ist bemerkenswert, da bei diesem Wert der Regelbereich der Primärregelleistung zu 100 % ausgereizt ist und erste automatische Abschaltmaßnahmen zur Vermeidung eines weiteren Frequenzeinbruchs aktiv werden (siehe Abschaltkriterien).“

 

Zum aktuellen Vorfall gibt es bisher keine offiziellen Berichte oder Informationen. Interne Infos bestätigen, was auf dieser Seite immer als Auslöser für ein Blackout kommuniziert wird: „Es war gestern genau das wovon wir alle immer schon warnen – Überlagerung von mehreren ungünstigen Faktoren, wo auch immer diese herkommen mögen.“ 

Eine nicht offizielle Ursachenforschung

Krafwerksausfälle

Aus öffentlichen Quellen sind folgende Kraftwerksausfälle (Forced outage) im betreffenden Zeitraum bekannt:

  • Frankreich 10.01.2019 20:26 – 10.01.2019 22:30 (CET) 1330MW (Installed) – Einbruch um 21 Uhr um 500 MW; Zudem gab es in Frankreich am 10.01. eine Aufforderung zum Stromsparen zwischen 18 und 20 Uhr.

180110 - Ausfall PENLY 2 

  • Spanien 10.01.2019 20:00 – 10.01.2019 21:00 (CET) 558 MW (Installed) [Wahrscheinlich doch nicht Teil des Problems, da zeitlich bereits früher: CET +1]

Strommarkt – Stundenhandel

Der Strom wird am Strommarkt in Stunden und Viertelstunden-„Paketen“ gehandelt. Das bedeutet, dass für diese Zeiträume Kraftwerksleistungen angeboten werden. Anscheinend kommt es in den Morgen und Abendstunden zum „Schichtwechsel“ von Kraftwerken. Die einen, die rausgehen, versuchen das möglichst schnell zu tun, um Kosten zu sparen: die Frequenz sinkt. Die, die Einspeisung übernehmen, gehen auch nicht zu früh rein, bzw. dauert es etwas, bis sie die volle Leistung liefern können. Oder anders ausgedrückt, die Stromversorgung ist ein träges System, wo eine sekundengenaue Steuerung und Leistungsübergabe gar nicht möglich ist. Damit wären diese Frequenzeinbrüche erklärbar.

Diese Frequenzeinbrüche auf 49,9 Hertz sind laufend zu beobachten. Manchmal auch außerhalb dieser Zeit, wie am 26.04.2016.

Frequenzeinbruch am 11. Jänner 2019 um 23:02 Uhr.

Freuqenzeinbruch am 14. Jänner 2019 um 20:02 Uhr

190114 - Netzfrequenz 49,8x 2002 Uhr

Frequenzanstieg am 14. Jänner 2019 um 08:01 Uhr

Die Ausschläge sind jedoch auch nach oben hin möglich, wie das Beispiel vom 14. Jänner 2019, 8 Uhr zeigt und damit im normalen Bereich. Das System „atmet“ und zeigt damit, dass es sich um ein dynamisches Gleichgewicht handelt. Bedenklich wird es nur, wenn es an den Randbereich des sicheren Netzbetriebes (49,8 bis 50,2 Hertz) geht. Die gesamte Grenze geht zwar noch deutlich weiter (48 – 52 Hertz), jedoch befindet sich das System dann bereits in einem gestörten Betrieb.

Frequenzsprung am 16. Jänner 2019, 10 Uhr

Am 16. Jänner kam es erneut zu einem zu dieser Zeit unüblichen aber signifikanten Frequenzsprung (innerhalb einer Minute 0,1 Hz), auch wenn nur bis 49,9 Hz.

Im Detail: Sehr steiler Gradient (Rampe); Aber die Sicherheitsmechanismen haben gegriffen.

Im Vergleich: Der übliche Einbruch am Abend um 21 Uhr am 15. Jänner 2019

Offizielle Aussagen aus den Medien (siehe auch den nächsten Punkt)

  • Austrian Power Grid: Am 10. Jänner 2019, um 21.02 Uhr, kam es zu einem europäischen Frequenzabfall auf 49,8 Hz. Die Unterfrequenz wurde innerhalb weniger Sekunden wieder in den Griff bekommen.Die Ursache war voraussichtlich eine Verkettung von mehreren Umständen:Zum einen die üblichen Schwankungen beim Übergang der Lastdeckung von einem Kraftwerk zum anderen (typischerweise zum Stundenwechsel, marktinduzierte Frequenzabweichungen) und zum anderen durch einen Datenfehler bei einem ausländischen Übertragungsnetzbetreiber – konkret ein Wert an einer Übergabestelle an der deutsch-österreichischen Grenze im Netzregler der TenneT.Ob es weitere Ursachen gegeben hat, ist Gegenstand einer europäischen Untersuchung im Rahmen der ENTSO-E (European Network of Transmission System Operators).

    Das europäische, automatische Lastenmanagement – das Schutzkonzept in solchen Fällen – hat erfolgreich funktioniert und dafür gesorgt, dass die Frequenz nicht weiter absackte und innerhalb von Sekunden stabilisiert werden konnte.

    In Österreich kam es zu keinen Verbrauchsausfällen – auch waren keine Eingriffe im österreichischen Netz notwendig.

    Dieser Vorfall ist nicht mit jenem von 2006 zu vergleichen: damals war eine Leitungsüberlastung die Ursache, welche zu einer Teilung Europas in drei Frequenzbereiche führte. Dieses Mal blieb das gesamteuropäische Netz miteinander verbunden.

  • Laut Andreas Eigenbauer von der E-Congtrol (ORF Kontext) war ein Regelfehler in Deutschland die Ursache, woraufhin in Frankreich Verbraucher in der Größenordnung von Wien (2.000 MW) vom Netz getrennt wurden. Die dargestellte österreichische Versorgungsautarkie ist jedoch eine Illusion, da wir mittlerweile Nettoimporteur sind bzw. Österreich unter allen Umständen versuchen wird, Resteuropa wieder hochzuziehen, da ansonsten ein gesellschaftlicher Totalkollaps drohen würde.
  • Klaus Kaschnitz von der APG auf futurezone.at: Wäre Österreich betroffen gewesen, würde das automatische Lademanagement aktiviert und als erstes würden Pumpen vom Stromnetz abgeworfen werden. Erst in weiterer Folge müsste man auch Verbraucher vom Netz nehmen. Die Ursache für die diesjährige Großstörung war laut Kaschnitz „eine Verkettungvon mehreren Störungen“. Untersuchungen dazu würden derzeit noch laufen, doch einiges ist bereits bekannt: „Zum einen hat es einen Datenfehler bei einem ausländischen Netzregler bei der Übernahme einer Grenzleitung gegeben. Zum anderen gab es Schwankungen bei der Ablöse von Kraftwerken. [Die aber täglich auftreten. Siehe weiter oben] Dann gab es noch eine dritte Ursache, die gerade noch untersucht wird.“ Doch wie kommt es zu „Schwankungen bei der Ablöse von Kraftwerken“? Ein Kraftwerk muss etwa vom Netz genommen werden, weil der Wind nicht mehr bläst oder diese Art von Energie gerade nicht mehr gebraucht wird. Dann muss ein anderes einspringen. Dabei kann es passieren, dass ein Kraftwerk schneller runterfährt, als das andere hochfährt und die volle Leistung liefern kann. Die Regulierung der Netze erfolgt im Störungsfall teils automatisch, teils wird von Menschen manuell eingegriffen. „Es gibt Regelmechanismen, die innerhalb von Sekunden wirken. Diese finden automatisch statt. Dann gibt es zusätzlich manuelle Steuerungen, doch da liegt die Reaktionszeit im Minutenbereich“, erklärt KaschnitzMittlerweile müssen allerdings enorme Aufwände betrieben werden, um die hohe Versorgungssicherheit aufrecht zu erhalten, weil die Komplexität der Systeme immer weiter steigt.
  • Auf heise-online: „Erstaunlich ist der Fast-Blackout in Frankreich besonders deshalb, da am vergangenen Donnerstag fast alle Atommeiler, die nicht geplant abgeschaltet waren, in Betrieb waren. Nur Blayais 2 wurde, allerdings erst am Freitag, ungeplant abgeschaltet. Es waren vor allem konventionelle Kraftwerke, die allerdings nur zu etwa 20% zur Produktion beitragen, die zum Teil aus verschiedenen Gründen ausfielen. Zuvor waren auch Kohlekraftwerke bestreikt worden. Allerdings wurden sie angesichts der erwarteten Netzinstabilität zwangsweise schon vor dem Donnerstag wieder hochgefahren. So zeigt sich, dass Frankreich strukturell massive Probleme hat. Die Stromproduktion kann, wenn es zu starkem Verbrauch zum Beispiel bei niedrigeren Temperaturen kommt, nicht garantiert werden. Und sogar das Streikrecht muss ausgehebelt werden, um einen Blackout zu verhindern. Und das passiert nun sogar, ohne dass eine starke Kältewelle über dem Land liegt.“
  • Auf der Seite der französischen Energie-Regulierungskommission (CRE) (Google Übersetzung): Am 10. Januar um 21 Uhr fiel die Frequenz des französischen und europäischen elektrischen Systems deutlich unter 50 Hz. Wenn jedoch die Frequenz zu stark von diesem Wert abweicht, könnte das elektrische System erhebliche Einschnitte erfahren, sogar einen Blackout. Diese Episode veranlasste den Übertragungsnetzbetreiber RTE , um unterbrechbare industrielle Verbraucher um 21:02 Uhr zu appellieren und forderte sie auf, ihren Stromverbrauch sofort um mehr als 1.500 MW zu senken, um die Frequenz zu erhöhen. CRE begrüßt die gute Reaktion unterbrechbarer Hersteller auf die Nachfrage von RTE: Dank ihrer Reaktionsfähigkeit haben sie dazu beigetragen, die Sicherheit der Stromversorgung in Frankreich und in ganz Europa zu gewährleisten. [So berichtet z.B. der französische Netzbetreiber RTE, dass mehr als 1,5 GW industrielle Lasten automatisch für 20 bis 45 Minuten abgeworfen wurden, was das erste Mal seit Aufbau dieses Instruments sei. Die Ursache geht nicht hervor]
  • Eine ENTSO-E Meldung vom 16.01.19: „The causes of this drop are still under investigation by the transmission system operators (TSOs) of ENTSO-E Regional Group Continental Europe. A mismeasurement on lines between Germany and Austria was identified and corrected by TenneT Germany. However, this mismeasurement cannot explain the frequency drop on 10 January. The investigation, which is still on-going, is reviewing the significant variation in European production around 21.00 which coincided with changes in trade between different countries.
  • Montel: A „coincidence“ of two unrelated events in Germany reduced EU electricity grid frequency below 50 hertz last Thursday, prompting a 1.5 GW cut to French industrial power consumption to avoid blackouts, TSO Tennet confirmed on Tuesday. At 21:00 CET on 10 January, there had been a “significant drop of the average frequency from 50Hz to 49.8Hz”, Tennet spokesman Mathias Fischer told Montel. The reason had been the coinciding events of “a short but significant peak of power consumption caused by the switching-on of pump storage plants”, including the 1.1 GW Goldisthal unit in eastern Germany, and “false measurement data” from an information feed in Germany. Consumption spikes – so-called hourly effects – were nothing unusual and “could be corrected immediately”, Fischer said. The data problem, too, has since been solved although it was this “minor cause” that pushed the frequency below the critical level of 50Hz, he added. Yet the German issue prompted French TSO RTE to request large industrials to lower demand by 1,500 MW at the time to avoid blackouts. The incident had also prompted an inquiry by European TSO group Entso-E, after European-wide measures prevented wider ramifications, said Elke Koch, a spokeswoman for Austrian grid operator APG.
     

Conclusio

Am 10. Jänner sind scheinbar mehrere wesentliche Faktoren zusammengetroffen:

  1. Der Stundenhandel, der regelmäßig zu Frequenzeinbrüchen um 0,1 Hz führt und damit 50% der Reserve aufbraucht
  2. Ein möglicher Kraftwerksausfall
  3. Ein Datenfehler
  4. Eine Pumpspeicherkraftwerkeszuschaltung in Deutschland, die schlagartig den Bedarf erhöht hat

Einschätzung von Thomas (www.netzfrequenzmessung.de)

  1. Der Fehler in der Leistungsbilanz des Netzes war größer als die zu dem Zeitpunkt aktivierte Primärregelleistung (über 2,6 GW).
  2. Die Dienstleistung zur Erbringung von Primärregelleistung wurde in diesem Zeitraum von vielen Kraftwerken nicht eingehalten.

Auch wenn die Abweichung marginal erscheinen mag und alles gut gegangen ist, stellt sie im sichersten Stromversorgungssystem der Welt eine psychologische Grenze dar, auch wenn die offiziellen Meldungen einen anderen Eindruck vermitteln. Zum anderen sei hier auf das Verhalten von komplexen Systemen verwiesen, wo Phasenübergänge (exponentielle Veränderungen) abrupt erfolgen und lineares Denken in die Irre führt. Ganz abgesehen davon, dass ers keine einfachen Ursache-Wirkungs-Beziehungen gibt. Daher kann man zwar einige Aspekte namhaft machen, aber es werden immer Unsicherheiten bleiben, was ja auch die unterschiedlichen „Ursachen“ Zuordnungen wiederspiegeln. Auch warum der Kraftwerksausfall in Frankreich nirgends außer auf der ENTSO-E Seite erwähnt wird.

Es ist zum Glück nichts passiert. Wir sollten aber die Warnung („schwache Signale„) ernst nehmen. Zu unserer eigenen Sicherheit! Hier auch nochmals die mahnenden Worte der europäischen Übertragungsnetzbetreiber: „Although the electric supply should never be interrupted, there is, unfortunately, no collapse-free power system!

Wir sollten uns nicht zu sehr mit dem Warum, als viel mehr mit den potentiellen Folgen beschäftigen. Darum besteht diese Seite und die Hartnäckigkeit, das Thema „Versorgungssicherheit und Verwundbarkeit“ in die Breite zu bringen!

Ergänzung Franz Hein

SPEKLATIONSPREISE sind leider auch eine Wirklichkeit, allerdings eine Wirklichkeit, welche an der Börse durch Spekulationen mit physikalisch basierten Vorgängen entsteht. Bei dem Fast-Blackout am 10. Januar 2019 um 21:02 Uhr war eine der vielen Teil-Ursachen der Energiehandel, denn dieser hat bewirkt, dass sich die Erzeugungs-„Landschaft“ um 21 Uhr geändert hat. Dieser durch Fahrpläne bedingte Wechsel bei der Einspeisung der Kraftwerke geht leider nicht nahtlos vor sich. Kraftwerke werden abgeregelt bzw. auch abgeschaltet. Andere werden hochgefahren. Normalerweise müsste das alles bilanztechnisch auf der Basis von Stundenwerten für den Energieumsatz ausgeglichen sein. Nur das ist oft auch eine Fiktion, denn der aktuelle Börsenpreis führt leider bei (bestimmten?) Marktteilnehmern dazu, dass die Bilanz eben bewusst nicht ausgeglichen ist, weil es „billiger“ ist, das Ausregeln des Fehlers über die Regelenergiebeistellung zu provozieren.

Mein Eindruck ist: Sobald Geld im Spiel ist, ist der Anreiz, seine Marktpartner zu betrügen, einfach um Einiges größer als wenn das wie in UCPTE-Zeiten durch einen Naturalausgleich im Nachgang von einer Mehr- oder Mindereinspeisung infolge Prognosefehler oder eben auch begrenzter Güte des Ausregeln „geregelt“ wurde.

The investigation, which is still on-going, is reviewing the significant variation in European production around 21.00 which coincided with changes in trade between different countries.

Und zusätzlich ist mir inzwischen bekannt, dass das Pumpen beim Pumpspeicherwerk Goldisthal höchstwahrscheinlich nicht rechtzeitig abgestellt wurde. Wie das mit dem angeblichen Messfehler bei der Netzregelung zusammenhängt, das weiß ich leider noch nicht. Auf alle Fälle sind „Deutsche“ an dem Fast-Blackout auch beteiligt.

Ich fühle micht nicht als Marktexperte, eher schon als einer, der gegenüber dem heutigen Gebaren – besonders am Energiemarkt – mehr als nur skeptisch gegenüber steht. Das was als Energiemakrt bezeichnet wird, ist für mich eine Farce. Gehandelt wird mit Energiepaketen, als ob die Energie verpackt und versandt werden kann. Das allein ist schon idiotisch. Energie ist – „nur“ mathematisch betrachtet – das Integral über den zeitlichen Verlauf der Leistung innerhalb eines Zeitintervalls. Und das daraus angeblich entstehende „Paket“ wird dann über „das Netz“ transportiert, das dazu unendlich transportfähig und unendlich belastbar gedacht ist. Die Leistung spielt keine Rolle mehr. Das als Handelsplattform „missbrauchte“ Netz, das quasi überall hinführt, verlustlos und klaglos alles Gehandelte gegen einen Transportpreis transportiert. Und die eigentlichen Kosten dieses in sich schon irrsinnigen Transportes zahlen die Kunden, die davon weder etwas mitbekommen noch darauf Einfluss nehmen können. Zu allem Überfluss werden in die Netzentgelte in Deutschland zumindest alle möglichen sonstigen Belastungen, welche mit dem Netz nicht im Mindesten etwas zu tun haben, hinein verwurstet. Am Energiemarkt wird mit etwas spekuliert, das für die Menschen ein unverzichtbares „Lebensmittel“ ist. 

Ergänzende Informationen

Maßnahmen im Erzeugungsbereich bei Unterfrequenz ab 49,8 Hz

Maßnahmen im Erzeugungsbereich bei Unterfrequenz ab 49,8 Hz

Quelle: Technische und organisatorische Regeln für Betreiber und Benutzer von Netzen; Teil E: Technische Maßnahmen zur Vermeidung von Großstörungen und Begrenzung ihrer Auswirkungen

5-Stufen-Plan für den Lastabwurf (DEU)

 Quelle: Wikipedia

49,5-Hertz-Problematik

Unterschritt die Stromfrequenz 49,5 Hertz (Hz), schalteten sich viele dezentrale Stromerzeugungsanlagen (DEA) gleichzeitig ab. Verantwortlich dafür waren und sind technische Sicherheitsinstallationen in den Anlagen selbst. Wegen des kontinuierlich größer werdenden Anteils Erneuerbarer Energien führte dies zu systemrelevanten Herausforderungen: Die kollektiven Abschaltungen gefährdeten die konstante Stromversorgung in Deutschland. Zudem sind sie weder wirtschaftlich noch umweltfreundlich – eine flexiblere Lösung musste daher gefunden werden. Diese wurde 2015 mit der Erweiterung der Systemstabilitätsverordnung (SysStabV) geschaffen. Nun werden Biomasse-, Bioenergie-, KWK-, Windkraft- sowie Wasserkraftanlagen gezielt stufenweise abgeregelt, wenn die Netzfrequenz rapide sinkt. Quelle: www.next-kraftwerke.de

Das unterstreicht die Gefahr einer raschen (exponentiellen) Eskalation, da nicht davon auszugehen ist, dass wirklich alle Altanlagen nachgerüstet wurden. Siehe auch das 50,2 Hertz Problem.

Medienberichte zum 49,8 Hertz Vorfall

Ob die widersprüchlichen Aussendungen der APA (tt.com) der Glaubwürdigkeit dienen, muss jeder selbst beurteilen. Wie nahe wir wirklich an der Katastrophe waren, ist natürlich immer Auslegungssache. Wenn ich mit 100 km/h auf eine Mauer zufahre und 1 cm davor noch zum Stillstand komme, ist auch nichts passiert. Aber niemand würde behaupten, dass da nichts war. Und so ähnlich würde ich das Ereignis einstufen. Ja, es war alles vorbereitet, damit die Bremsen rechtzeitig greifen. Und wenn man eine Verbrauchergruppe fast so groß wie die Stadt Wien (2.000 MW) abschaltet, damit es nicht noch schlimmer kommt, dann ist das nicht mehr ganz marginal.

Es ist zum Glück nichts passiert. Wir sollten aber die Warnung („schwache Signale„) ernst nehmen. Zu unserem eigenen Schutz!

Kurier-Talk

 

Wichtige Leitung zwischen Kaprun und Salzburg ausgefallen

Salzburg, 15. Jänner 2019. Die 220-kV-Leitung des Netzbetreibers Austrian Power Grid (APG) zwischen Kaprun und Salzburg ist im Bereich Maria Alm ausgefallen. Grund dafür ist die extreme Wetterlage in den vergangenen Tagen: Nach den massiven Schneefällen kam es zu einem Lawinenabgang, der einen Mast der Leitung beschädigt hat.

Aufgrund der extremen Wettersituation in den vergangenen Tagen hat sich die APG bereits netzbetrieblich auf witterungsbedingte Ausfälle vorbereitet. Derzeit gibt es keine Auswirkungen für die Endkunden. An der Behebung des Schadens wird mit Hochdruck gearbeitet. Quelle: APG

Geknickter Masten Salzburgleitung
Quelle: APG

Damit steht diese wichtige Verbindung wohl für längere Zeit nicht zur Verfügung. Damit bestätigt sich die Forderung nach mehr dezentralen schwarzstartfähigen Kraftwerken im Forschungsprojekt BlackÖ.2. Hinzu kommt, dass die zweitwichtigste Kraftwerksgruppe (Malta) auch bis Februar nur eine reduzierte Leistung bereitstellen kann:

Quelle: ENTSO-E

Verbot zur Leistungsreduktion

Für Sonntag, 13.01.19, wurd aus netzbetrieblichen Gründen ein Verbot der Leistungsreduktion über 719 MW in der Zeit von 10:00 bis 17:00 für den 13.01.2019 im österreichischen Markt ausgesprochen (Quelle: APG). Dies war der mehr als doppelt so hohe Wert, als der bisherige Höchstwert. Bisher waren maximal zwischen 100 und 300 MW angeordnet.

Bereits am Mittwoch, 17.01.19, wurde dieser Wert sowohl zeitlich als auch mengenmäßig erneut deutlich überboten: „Aus netzbetrieblichen Gründen wurde ein Verbot der Leistungsreduktion über 1009 MW in der Zeit von 00:00 bis 24:00 am 17.01.2019 im österreichischen Markt ausgesprochen.“ (Quelle: APG)

 

Extremwettersituation und Versorgungslage

Ab der zweiten Jännerwoche kam es im Alpenraum (Nordseite) zu massiven Schneefällen. Ganze Regionen und zeitweise zig-Tausende Menschen waren von der Außenwelt abgeschnitten. Besonders beachtenswert war wiederum, dass die Einsatzkräfte bereits nach wenigen Tagen Lebensmittel zur eingeschlossenen Bevölkerung bringen mussten:

  • In der Jachenau herrscht Ausnahmezustand. Seit Samstag ist der Ort am Walchensee von der Außenwelt abgeschnitten. Die Feuerwehr schafft Lebensmittel heran, aber die Straße nach Lenggries kann so schnell nicht freigeräumt werden.
  • Ines Kohse vom Landgasthof „Erzgebirgsstübel“ sagte MDR SACHSEN, bei ihr hätten Anwohner schon nach Lebensmitteln gefragt. „Ich frage dann immer: ‚Wie viele Leute seid ihr?‘ Denn zwei Kartoffeln pro Mann müssen reichen. Ich muss haushalten.“ Das Restaurant sei geschlossen, weil ihre Mitarbeiter nicht in den Ort kämen.
  • Nach starkem Schneefall sitzen bei Berchtesgaden rund 350 Menschen fest und müssen per Lastwagen mit Lebensmitteln versorgt werden.
  • In Annaberg wurde eine Familie in einem entlegenen Einfamilienhaus von der Feuerwehr mit Lebensmitteln versorgt. Die Zufahrt zu dem Objekt war durch die enormen Schneemassen bereits seit mehreren Tagen nicht mehr möglich. Um das Haus zu erreichen, mussten die Helfer ausgerüstet mit Essensrucksäcken zu einem 45-minütigen Fußmarsch durch hüfthohen Schnee aufbrechen.
  • Bundesheerlaster lieferte Lebensmittel nach Hohentauern. Die Essenslieferung für Hohentauern kam am Donnerstagnachmittag an – im Lkw war Diesel und Lebensmittel für drei Tage
  • Zwei Bundesheermaschinen des Typs Bell 212 konnten die Radmer am Freitag mit Lebensmitteln beliefern.

Erneut ein ähnliches Bild, wie bereits bei den Herbststürmen im Oktober 2018 in Südösterreich: Langsam gehen Lebensmittel aus

Leider wird damit bestätigt, was die Studie „Ernährungsvorsorge in Österreich“ bereits 2015 festgestellt hat: Die persönliche Vorsorge vieler Menschen ist unzureichend!

Die extremen Schneemengen und spontane Lawinenabgänge bergen zudem die Gefahr, dass auch wichtige Infrastruktureinrichtungen beschädigt werden können.

Netzfrequenz - Die Uhren gehen wieder nach

Wie bereits vor einem Jahr gehen aktuell die Synchronuhren wieder nach. Am 11.01. waren es bereits 80 Sekunden. Das fing ~24h vor dem 49,8 Hz-Ereignis an. Kurz danach ging es dann langsam
wieder aufwärts. Die aktuelle Netzzeit kann auf www.swissgrid.ch eingesehen werden. Anscheinend speist wieder ein Partner weniger Strom in das europäische Verbundsystem ein, als zugesagt.

Update 14.01.19: Die Abweichung ist bereits wieder auf -20.709 s zurückgegangen. Hier dürfte wohl auch der Schock vom Donnerstag gewirkt haben.

Update 16.01.19: Die Abweichung ist wieder behoben und liegt im 10 Uhr bei ~ 4 Sekunden.

Kältewelle bis -20°C ab 21.01.19?
In der vierten Januar-Woche droht ein Einbruch extrem kalter Luft aus Osten, und dann reden wir von Tiefstwerten von -20 Grad oder sogar noch weniger. Es wird erwartet, dass der Winter extrem hart zuschlagen wird, nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa. Der Polarwirbel kann die kalte arktische Nordpolluft nicht mehr an Ort und Stelle halten und es ist nur eine Frage der Zeit, wann, nicht ob, diese kalte Luft den Weg zu uns findet.
Im Moment sieht es nach Ende Januar aus, es könnte aber auch bis Anfang Februar dauern, ehe der richtig kalte Griff des Winters uns erreicht. Quelle: www.chip.de / weather.com
Sendemasten laufen zum Teil mit Notstrom

In einigen Regionen Österreichs ist die Stromversorgung ausgefallen. So etwa auch für einige wichtige Sendeanlagen des ORF/ORS in Salzburg oder in Tirol. Die Sendeanlagen sind zumindest 72 Stunden notstromversorgt. Bleibt nur zu hoffen, dass das auch in den nächsten Tagen ausreicht, sollten weitere Schneefälle folgen und eine Versorgung der Stationen nicht möglich sein. Besonders beachtenswert: Außerdem mussten Netzteile ausgetauscht werden, die durch Stromausfälle defekt wurden. Damit wird leider einmal mehr die bisherige negative Erfahrung zu diesem Thema bestätigt.

 

Sturm und Windstromproduktion ab 13.01.19

Die Einspeisung aus Windkraft wird am kommenden Montag (KW3) in Deutschland bei rund 40 GW liegen, so die UBIMET-Prognose von Energieexperte @Alexander Lehmann. Im weiteren Wochenverlauf dürfte sie bis einschließlich Donnerstag zwischen 25 und 35 GW schwanken. Quelle: UBIMET

Am Sonntag 13. Jänner wird ein erster Höhepunkt zwischen 20 und 22 Uhr mit rund 39 GW Onshore und rund 4 GW Offshore bei einer gleichzeitigen Last von 55 GW erwartet. Das bedeutet eine enorme Belastung für die Stromnetze und gleichzeitig eine verringerte Systemsicherheit.