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Am 14. Oktober 2019 kam es zu einem mehrstündigen flächendeckenden Ausfall im österreichischen Festnetz (rund 4 1/2 Stunden). Scheinbar war ein Hardwarefehler Auslöser für diese massive Störung. Besonders schwerwiegend war, dass auch die Notrufnummern nicht erreichbar waren. 

Hier einige Ausschnitte aus der Berichterstattung:

Denise Dellekarth ist der Frage nachgegangen welche Lehren die Verantwortlichen aus diesem Netz aus vollziehen. Diese Frage ist leider nicht eindeutig zu beantworten. Aber der Reihe nach. 1. Die Notrufnummern laufen in Österreich über diesen Anbieter. Der Grund für die stundenlange Störung war laut A1 ein Hardware Problem. Wieso jetzt aber ein Hardware Problem überhaupt dazu führen kann dass die Notfallnummer ausfallen. Das wird jetzt geprüft weil die Nummern ja in Österreich eigentlich über ein spezielles System abgesichert sein sollten nicht funktioniert hat offenbar nicht nur die Hardware. Auch die Kommunikation dürfte zu wünschen übrig gelassen haben. Scharfe Kritik ist da zum Beispiel von einer Sprecherin der Stadt Wien gekommen sei trotz des Ausfalls der oft lebenswichtigen Notrufnummern auf Tauchstation gegangen und bis zwei Stunden nach Bekanntwerden der massiven Störung nicht erreichbar gewesen. Zweiter Akteur das Innenministerium das ist in Österreich ja bekanntlich für die Koordination des staatlichen Krisenmanagements und die Polizei zuständig. Jetzt muss man sagen erst im Frühjahr hat das Innenministerium den Ernstfall eines Black out also eines kompletten Strom und Energieausweis im Zuge der Krisenübung Helios geprobt. Gestern ist dann ein wichtiges System ausgefallen nämlich die Notrufnummern und eben auch die Polizei Notrufnummern die über Stunden nicht erreichbar waren. Auf Nachfrage ob man im Innenministerium Handlungsbedarf sehe zieht man sich auf den Standpunkt zurück. Das Innenministerium wäre zu jederzeit erreichbar gewesen und verweist auf die Zuständigkeit von A1. Abgesehen von der A1 die offenbar an der Problembehebung arbeiten ist jetzt aber weitgehend unklar geblieben wer sich für so einen Fall und den österreichweiten Notfallplan dafür eigentlich verantwortlich sieht. In der konkreten Situation waren nämlich Lösungen nur auf lokaler und regionaler Ebene zu finden. Landesweit stellen einzelne Organisationen und Gemeinden haben zum Beispiel mobile Notrufnummern eingerichtet. Einig sind sich jedenfalls alle, eine derartige Störung hat es noch nie gegeben. Eine koordinierte Vorgehensweise aber offensichtlich auch nicht. Quelle: Ö1 Morgenjournal am 15.10.19

Wenn man sich seit vielen Jahren mit diesen Themen beschäftigt, war es nicht besonders überraschend. Es gibt kein 100% sicheres System. Auch wenn es Redundanzen gibt, denn: „Es dauert, bis das Netz von null wieder auf 100 hochfährt“. Und je mehr miteinander vernetzt wird, desto eher kommt es zu weitreichenden Problemen und Fehlern (kleine Ursache, große Wirkung). Das Problem ist unsere eigene Erwartungshaltung! Alles muss immer voll verfügbar sein und darf nichts kosten. Das geht sich leider auf Dauer nicht aus.

Die Aussage aus dem Innenministerium ist Sarkasmus pur, spiegelt aber nur die Realität wider. Auch, was die Zuständigkeiten anbelangt. Gestern hat mir ein Polizist berichtet, dass er nun nachgefragt habe, welche Vorbereitungen oder Anweisungen es für den Fall eines Blackouts gibt: Keine; zuständig sei im Katastrophenfall die Gemeinde. Der Schlusssatz des Ö1 Morgenjournals bringt es daher sehr gut auf den Punkt. In unserer vernetzten Welt brauchen wir auch vernetztes Denken, um mit den Nebenwirkungen erfolgreich umgehen zu können. 

Krisenkommunikation/Warnung

Ich habe gestern auch via KatWarn und die Team Österreich App eine Information erhalten. Der Inhalt bzw. der Vergleich ist selbst sprechend. Womit sich auch einmal mehr bestätigt: Die technische Seite ist eine, ob ich überhaupt jemanden erreiche. Das, was ich kommuniziere ist aber eine andere. Entscheidend ist, was beim Empfänger ankommt!

„Eine Störung dieses Ausmaßes hatten wir noch nie“, sagt etwa Ewald Litschauer von der niederösterreichischen Landeswarnzentrale. In Österreichs größtem Bundesland wird die Feuerwehr Jahr für Jahr zu etwa 70.000 Notfällen gerufen.

Zwar sahen die Retter am Montag, als der Blackout passierte, die anrufenden Nummern auf den Displays aufscheinen – eine Verbindung kam oftmals aber nicht zustande. Die Mitarbeiter der Zentrale mussten zurückrufen. Eine ernste Angelegenheit, denn in machen Situationen zählt jede Sekunde.

Kritik gab es seitens einiger Blaulichtorganisationen jedoch an der späten Kommunikation durch den Netzbetreiber. „Wir sind selbst darauf gekommen, dass da etwas nicht stimmen kann“, schildert etwa der Sprecher der Wiener FeuerwehrChristian Feiler. Dann hätten sie ausprobiert, welche Nummern noch funktionierten, um diese ersatzweise zu verwenden. Selbst die Stadt Wien und das Innenministerium seien verspätet zugezogen worden. Quelle: kurier.at

In so gut wie jeder Krise wird die richtige Krise erst durch eine suboptimale Krisenkommunikation ausgelöst (höre dazu die Episode „Kommunikation im Krisenfall“). In diesem Fall kommt noch der Föderalismus hinzu (siehe auch Der Standard), was die bestehende „Silomentalität“ wiederspiegelt. Jeder fühlt sich nur für einen Teilbereich zuständig und es sieht kaum jemand das Gesamtsystem! Das hat viele Jahrzehnte sehr erfolgreich funktioniert. In einer zunehmende vernetzteren und wechselseitig abhängigen Welt ist das aber immer häufiger kontraproduktiv. Eine Anpassung an die neuen Gegebenheiten wäre dringen notwendig. Aber das wurde bereits 2012 in meiner Masterarbeit behandelt.

Verwunderlich ist der Vorfall auch insofern, da es hier schon seit vielen Jahren eine Meldepflicht bei Großstörungen (IT-Sicherheitsvorfällen) gibt! Aber damit bestätigt sich einmal mehr, dass es mehr um die statistische Erfassung und nicht um die generelle Handlungsfähigkeit geht. Anders ist das nicht zu erklären. Und ja, die häufigsten Störungen werden nicht durch Cyber-Angriffe, sondern durch andere Ereignisse, wie etwa Stromausfälle ausgelöst „15% of the incidents involved a power cut, but incidents caused by power cuts account for 496 million user hours lost, i.e. more than half of the total impact.“, ENISA, 2019!

Erst letzte Woche hat mir wieder jemand erzählt, dass erst kürzlich ein wichtiges Rechenzentrum durch einen Stromausfall ausgefallen ist, weil eine USV-Batterie explodiert ist. Gestern war ich in einer Gemeinde, wo wir einen Blackout-Vorsorge Workshop mit wichtigen Stakeholdern durchgeführt haben. Es gab dann gerade einen Stromausfall für zwei Stunden. Wie sich heute herausgestellt hat, wurden dadurch auch die Telefonanlage und die IT in Mitleidenschaft gezogen: Ein Switch hat durch den Stromausfall die Konfiguration verloren. Gerade die absehbaren IT-Probleme nach einem Blackout – bis zu 30% Hardwareschäden(!!) etc. – wurden mir in den letzten Wochen sehr oft bestätigt.

Alles in allem ist ja anscheinend nun doch nicht viel passiert und zum Glück niemand zu Schaden gekommen. Gut ist’s gegangen, nix is geschehen und wir gehen wieder in den Alltag über. Oder wir könnten aus diesem Vorfall jede Menge für die Zukunft und auch für die Blackout-Vorsorge lernen. Wir werden ja sehen, wie es beim nächsten Vorfall läuft und ob wir wieder überrascht werden und feststellen: So etwas gab es noch nie, also konnte man sich auch nicht darauf vorbereiten. Oder vielleicht ist nun doch einigen Bewusst geworden, mit wie viel Scheinsicherheit wir uns umgeben.

Die erste positive Meldung gibt es aber schon. Vielleicht gehen wir doch den Weg des Lernens!

Nach A1-Störung: Runder Tisch mit Blaulichtorganisationen geplant

Nach einer Störung im Festnetz von A1, die am Montag dazu geführt hat, dass auch Notfallnummern zeitweise nicht erreichbar waren, soll es einen Runden Tisch mit Blaulichtorganisationen geben, kündigte Unternehmenssprecherin Livia Dandrea-Böhm am Dienstag gegenüber der APA an. „Wir werden das natürlich intensiv nachbesprechen“, sagte sie.

Der Störung hatte ein Hardwarefehler verursacht. Nachdem die Netzüberwachung darauf aufmerksam geworden war, sei das betroffene Steuerungselement rasch ausgetauscht worden. „Aber es dauert, bis das Netz von null wieder auf 100 hochfährt“, betonte Dandrea-Böhm. Zu medialen Äußerungen seitens einzelner Einsatzorganisationen, dass man nicht aktiv informiert worden sei, sagte die Sprecherin: „Wir standen im Austausch mit Blaulichtorganisationen. Aber auch da werden wir uns anschauen, was man verbessern kann.“

Es sei kein stundenlanger Komplettausfall des Festnetzes gewesen, betonte Dandrea-Böhm. „Aber es kam zu Beeinträchtigungen in ganz Österreich.“

Vielleicht ist es ja glimpflicher ausgegangen

Vielleicht ist es ja glimpflicher ausgegangen kann man heute noch nicht abschließend sagen aber die Kritik bleibt natürlich auch in der Krisenkommunikation von A1. Die Fehlersuche ist heute weitergegangen. Der Fehler wurde offenbar gefunden. Der Grund für den Ausfall der Notrufnummern liegt offenbar an einem Problem bei der Nummernumleitung: Ein zentrales Steuerungselement für die Festnetztelefonie fällt plötzlich aus und muss getauscht werden. Das dauert nur eine Viertelstunde. Aber damit dieses Element gewechselt werden kann, muss das gesamte System herunter und wieder hochgefahren werden.Das Netz muss sukzessive wieder zugeschalten werden. Das hat dann einfach eine Zeit lang gedauert. Quelle: Ö1 Mittagsjournal

Der Telefon-Ausfall zeigt, wie abhängig wir sind

Ein Schock für das an Sicherheit gewöhnte Österreich. So ein Blackout hatte es noch nie in der Geschichte der modernen Telefonie gegeben.

Pro Tag gibt es rund 10.000 Notrufe in Österreich. Das bedeutet, dass in den vier Stunden Stille rund 1700 Telefonate ins Leere gegangen sind. Wenn man weiß, dass mindestens 20 Prozent der Notrufe tatsächlich ernste Fälle betreffen, so waren rund 300 Menschen wirklich in Gefahr und ohne rasche Hilfe.

Befremdlich ist der Streit über Zuständigkeit und Verantwortung. Die beteiligten Firmen, Behörden und Ministerien schieben den Schwarzen Peter dem jeweils anderen zu. Wenn im Land wie neulich zum Test die Sirenen heulen, dann lässt sich das Innenministerium für die erfolgreiche Übung feiern. Wenn alle Notdiensttelefone stundenlang stillstehen und die betroffenen Organisationen viel zu spät davon erfahren, ist plötzlich niemand mehr zuständig.

Der Telefon-Ausfall zeigt uns, wie verletzlich unsere heile Telekommunikationswelt geworden ist, auf welch tönernen Beinen unsere Infrastruktur-Gesellschaft steht. Bei kleineren Ausfällen wie zuletzt beim Telefon steigt der Pegel der Nervosität enorm. Was passiert erst bei einem totalen Blackout?

Vom digitalen Vollbetrieb, in dem unser Leben 24 Stunden an sieben Tagen pulst, zum plötzlichen Stillstand ist es nur ein schmaler Grat. Die vollständige Abhängigkeit von der Technik macht unseren modernen Lebensstil extrem verwundbar. Wir sollten mehr tun, um ihn zu schützen. Quelle: Salzburger Nachrichten

Es gibt keine hunderprozentige Sicherheit, auch wenn man noch so viel investiert und absichert. Daher sind einfache Rückfallebenen unverzichtbar. Diese müssen natürlich auch bereits vor der Krise allen bekannt sein. In der Krise ist es bereits meistens zu spät.

Update 08.11.19: Nach A1-Störung: Notfallübungen vereinbart

Quelle: orf.at

Nach einer Störung im Festnetz von A1, die Mitte Oktober dazu geführt hat, dass auch die Notfallnummern zeitweise nicht erreichbar waren, übt A1 jetzt mit Einsatzorganisationen Störungsfälle. 

„Die Krisenkommunikation wird gemeinsam mit den Notrufträgern, Landeswarnzentralen und mit dem Krisenmanagement und Ministerien durchbesprochen. Mehrere Round-Table-Gespräche haben bereits stattgefunden. Arbeitsgruppen rund um Kommunikation und Prozesse werden gerade implementiert“, hieß es dazu von A1 auf Anfrage von Radio Wien.

„Die konkretesten Ergebnisse sind, dass die Notrufleitstellen und die entsprechenden Einsatzorganisationen und Länder aktiv im Störungsfall von A1 informiert werden, um selbst abzuschätzen, welche Auswirkungen das hat“, sagte Gerry Foitik, Bundesrettungskommandant des Roten Kreuzes. Konkret heißt das, dass A1 im Störungsfall auch automatisiert Daten an die Einsatzorganisationen übermittelt.

Außerdem sind Übungen geplant. Laut A1 hat es am Freitag eine solche schon gegeben. „Bei den Übungen geht es darum, dass einmal jeder für sich übt. Und dass dann einmal bilateral geübt wird, das heißt zum Beispiel zwischen einer Einsatzorganisation und A1“, sagte Foitik. Wenn es erforderlich ist, werde es auch eine große Übung geben, an der A1, die Einsatzorganisationen und auch die Behörden beteiligt sind. Außerdem soll es am Ende laut Foitik einen niedergeschriebenen Ablaufplan für den Störungsfall geben.

Mittlerweile sind auch weitere Details zur Ursache für die Störung bekannt. Nach einem Hardwareausfall wurde beim Tausch der defekten Hardware durch einen menschlichen Fehler das Sicherheitssystem ausgehebelt, wodurch eine starke Überlast bei der Signalisierung verursacht wurde, hieß es von A1.

Womit sich einmal mehr bestätigt, dass wir auch für den Blackout-Fall ein nationales Frühwarnsystem benötigen, wie das bereits von mir seit 2016 vorgeschlagen wird.