In diesem Newsletter geht es vorwiegend um den großen Stromausfall in Berlin vom 3. bis 7. Januar 2026 und darum, erste Lehren daraus abzuleiten. Grundlage sind vorläufige Analysen auf Basis öffentlich zugänglicher Quellen und Medienberichte.
Ziel ist es,
- zentrale Erkenntnisse der Krisenbewältigung zusammenzuführen
- strukturelle Schwachstellen und Informationslücken zu benennen und
- erste Lehren für eine zukunftsfähige Krisen- und Blackout-Vorsorge abzuleiten.
Sicherheitsillusion
Der Berliner Stromausfall widerlegt einmal mehr die weitverbreitete Annahme einer unverwundbaren Stromversorgung, auch wenn dies in weiten Regionen und für die meisten Menschen weiterhin zutrifft. Das Problem ist weniger der Ausfall selbst, sondern vielmehr die Unvorbereitetheit und Überraschtheit, welche eine rasche und geordnete Bewältigung erschweren.
Auch wenn generell sehr viel Aufwand betrieben wird, um die sehr hohe Versorgungssicherheit zu gewährleisten, gibt es keine hundertprozentige Sicherheit. Nirgends. Das gilt umso mehr in Zeiten steigender Turbulenzen. Zum anderen hat die holprige Krisenbewältigung einmal mehr verdeutlicht, wie wichtig eine fundierte Vorsorge ist, auch bei solchen regionalen Lagen. Eine generelle Blackout-Vorsorge hätte hier mit Sicherheit zu einer deutlich besseren Krisenbewältigung beigetragen.
Resilienz entsteht eben nicht durch blumige Worthülsen und ständiges Wiederholen, sondern durch die Vorwegnahme möglicher Entwicklungen sowie durch rechtzeitige Anpassung und Vorsorge.
Aktuelle Lage und Ausblick
Bevor wir tiefer in das Berliner Ereignis eintauchen, müssen wir aufgrund der aktuellen Entwicklungen leider auch noch kurz auf die kommenden Wochen eingehen. Denn diese könnten uns schneller und umfassender beschäftigen, als es uns lieb ist.
Differenzierte Wahrnehmung – großflächiger Stromausfall in Frankreich
Unmittelbar nach dem Stromausfall in Berlin kam es zu einem weiteren großflächigen Stromausfall, welcher bei uns nur in einer Randnotiz erwähnt wurde. Der Wintersturm „Goretti“ hat am 9. Januar in Frankreich für Stromausfälle bei rund 380.000 Menschen gesorgt. Zwei Tage später waren immer noch rund 90.000 Menschen ohne Strom.
Angespannte Versorgungslage
Bei diesem Ereignis wurde auch ein Umspannwerk beschädigt, sodass das wichtige Kernkraftwerk Flamanville voraussichtlich bis Anfang Februar vom Netz sein wird. Das verschärft die ohnehin bereits sehr angespannte Lage im europäischen Stromverbund. Durch die tiefen Temperaturen wurden bereits in mehreren Ländern neue Spitzenverbräuche erreicht, während gleichzeitig kaum noch Reservekapazitäten verfügbar sind.
Die aktuellen Wettermodelle prognostizieren für die kommenden Wochen zunehmend eine weitere Kältewelle und Dunkelflaute. Damit kommt nicht nur die Strom- sondern auch Gasversorgung immer mehr unter Druck.
Deutsche Gasspeichersituation
Sollten die Prognosen in dieser Form eintreten, würde sich eine drastische Zuspitzung bei der Gasversorgung abzeichnen, da die deutschen Gasspeicher aktuell nur zu etwas mehr als 40 % gefüllt sind. Im vergangenen Jahr wurde dieser Füllstand erst über einen Monat später bei deutlich milderen Temperaturen erreicht. Was es bedeuten würde, wenn die Gasspeicher den kritischen Füllstand von unter 20 % erreichen, ist derzeit völlig unklar.
Von offizieller Seite wird das Thema weiterhin beschwichtigt. Der Markt hat diese Woche jedoch scharf reagiert: Der Gaspreis ist binnen weniger Stunden um 17 % angestiegen. Die bisherige Tiefenentspanntheit mit sehr niedrigen Preisen scheint vorbei zu sein. Hinzu kommt die sich zuspitzende geopolitische Lage, mit weiteren unabsehbaren Folgen für die Energieversorgung und Preise.
Das ist ein weiterer Grund, sich mit dem Thema Vorsorge zu beschäftigen. Eine Gasmangellage hätte nämlich weitreichende Auswirkungen auf viele Versorgungsbereiche – und das nicht nur in Deutschland. Sollte es diesen Winter erneut gut gehen, werden die Aussichten für den nächsten Winter keinesfalls besser, da zu erwarten ist, dass er mit noch deutlich geringeren Speicherständen beginnen wird.
Cyberangriff auf die polnische Strominfrastruktur
Wie heute berichtet wird, gab es Ende 2025 einen Cyberangriff auf die polnische Strominfrastruktur, durch den potenziell ein Blackout hätte verursacht werden können. Es handelte sich um einen Versuch, die Kommunikation zwischen zahlreichen dezentralen erneuerbaren Erzeugungsanlagen und den Netzbetreibern in einem großen Gebiet Polens zu unterbrechen. Der Angriff konnte erfolgreich abgewehrt werden. Die polnische Regierung geht davon aus, dass es sich um einen staatlich gelenkten russischen Cyberangriff gehandelt hat. Seit Jahresbeginn wurden zudem massive, weitere Cyberangriffe beobachtet.
Es entsteht daher leider der Eindruck, dass sich immer mehr Entscheider auf ihr bisheriges Glück verlassen, weil bisher noch alles gut gegangen ist. Das ist ein gefährliches Spiel und führt auch zurück zum eigentlichen Thema Stromausfall in Berlin.
Berlin: Ereignis und unmittelbare Auswirkungen
Vom 3. bis 7. Januar 2026 kam es im Berliner Südwesten (Steglitz-Zehlendorf, Lichterfelde und Wannsee) zum schwersten und längsten Stromausfall in der Geschichte Berlins nach dem Zweiten Weltkrieg. Auslöser war ein gezielter Brandanschlag auf eine Kabelbrücke über den Teltowkanal, die einen zentralen Flaschenhals der Stromversorgung aus dem Kraftwerk Lichterfelde darstellt. Wie bereits beim ersten großen Stromausfall im Jahr 2019 wurden hierbei beide bzw. mehrere Systeme und daher die Redundanz zerstört. Damals wurde der Schaden durch Bauarbeiten verursacht.
Die Wiederherstellung der improvisierten Verbindungen, die unter den aktuellen Wetterbedingungen normalerweise Wochen dauern würde, gelang in der Rekordzeit von rund 100 Stunden. Die Wiederherstellungsdauer der regulären Verbindungen wird aktuell mit Monaten angegeben.
Auswirkungen
- Rund 100.000 Menschen (45.000 Haushalte) sowie 2.200 Betriebe waren betroffen.
- Ausfälle oder erhebliche Einschränkungen im ÖPNV und Straßenverkehr.
- Massive Einschränkungen bei der Telekommunikation sowie Ausfälle bei Hausnotruf- und Klingelsystemen.
- Störungen in der Wasserversorgung (Druckerhöhungsanlagen).
- Heizungsausfall über mehrere Tage bei Temperaturen um die null Grad.
- Störungen bei Supermärkten, Bäckereien und anderen Versorgungseinrichtungen (Kühlketten, Kassensysteme), teils mit Schließungen oder einem stark eingeschränkten Betrieb über mehrere Tage.
- Notbetrieb in mehreren Krankenhäusern.
- Rund 70 Pflegeeinrichtungen mussten mit externem Notstrom versorgt werden; zwei Pflegeheime mussten evakuiert werden.
- Wiederanlaufschwierigkeiten durch gestörte oder beschädigte Anlagen (Heizungen, Elektrogeräte).
- Aktuellen Schätzungen zufolge belaufen sich die wirtschaftlichen Schäden für Unternehmen, Handel, Handwerk und Dienstleister im betroffenen Gebiet auf mehrere Millionen Euro.
In der frühen Phase gab es spürbare Koordinationsprobleme zwischen Senat, Bezirk, Netzbetreiber und Hilfsorganisationen, etwa hinsichtlich der Informationslage, der Priorisierung kritischer Einrichtungen und der Versorgung besonders Schutzbedürftiger.
Besonders in großen Wohnanlagen mit fragmentierten Sozialstrukturen und wenigen Nachbarschaftskontakten verschärfte sich die Lage dramatisch. Ältere Menschen, die mangels Mobilität ihre Wohnungen nicht verlassen konnten, waren oft isoliert, und ihre Nachbarn wussten nichts von ihrer Situation. Dies ist ein spezielles Strukturproblem urbaner Räume, das durch generische Vorsorge-Maßnahmen allein nicht gelöst werden kann.
Die kommunale Krisenplanung sollte daher die Sozialstrukturen berücksichtigen, etwa die Altersverteilung, Mobilitätseinschränkungen und Nachbarschaftsdichte. Hier bietet sich das von der GfKV unterstützte Notfallregister (www.notfallregister.eu) an, das seit dem Ereignis vor allem vonseiten der Behörden einen hohen Zulauf verzeichnet.
Abgrenzung zu einem wirklichen Blackout
Trotz seines Umfangs und seiner Dauer stellte der Vorfall in Berlin kein Blackout dar, auch wenn dieser Begriff in der Berichterstattung sehr häufig verwendet wurde. Denn es kam weder zu einem Ausfall des Übertragungsnetzes noch zu einer überregionalen Ausdehnung. Zudem war eine externe Hilfe (THW, Bundeswehr, andere Bundesländer) jederzeit verfügbar, auch wenn sie aufgrund organisatorischer Mängel in Teilen zu spät eingesetzt wurde. Gleichzeitig traten typische Kaskadeneffekte auf, wie sie bei einem Blackout zu erwarten sind – wenn auch in abgeschwächter Form.
Täterschaft und Reaktionen
Hier gibt es weiterhin nur Spekulationen, aber keine gesicherten Erkenntnisse. Fakt ist: Egal, aus welcher Richtung der Extremismus kommt oder ob sogar staatliche Akteure dahinterstecken, unsere Infrastruktur ist angreifbar. Für die GfKV zählen daher die Folgen und deren Bewältigung.
Die jetzigen Forderungen nach mehr Sicherheit, Technik oder höheren Strafen etc. lenken nur von dem eigentlichen Problem ab: der fehlenden Vorsorge und somit der Verantwortlichkeit der Politik. Diese politische Diskussion führt auch weiterhin dazu, dass Bürger ihre Vorsorge vernachlässigen, weil es ja „nur ein Problem der da oben“ zu sein scheint. Wenn „die oben“ ihre Arbeit richtig machen, so glauben viele, dann sei alles geregelt und gesichert.
Politiker fordern mehr Geheimhaltung für Kabelwege und Infrastrukturdaten. Doch diese Informationen sind seit langem öffentlich einsehbar und verfügbar, egal ob über Google Maps, Open Infrastructure Map, Netzausbaupläne, Satellitenbilder oder digitale Zwillinge. Außerdem werden sie zur Vorbereitung von Baumaßnahmen benötigt. Das führt hauptsächlich zu einer „Security by Obscurity“, also einer Scheinsicherheit, die wenig bringt, aber andere Nebenwirkungen mit sich bringt.
Jeder mit offenen Augen und etwas Kenntnissen erkennt Schwachstellen auch ohne Internet. Benötigt werden physische Härtung kritischer Punkte und geografische Redundanz. Beides kostet Geld, das bisher niemand zahlen wollte.
Wie immer soll es hier auch nicht um ein Entweder-oder, sondern um ein Sowohl-als-auch gehen. Dabei sollen die unterschiedlichen Interessen sowie Neben- und Wechselwirkungen und die zu erwartenden Wirkungen abgewogen werden.
Redundante Leitungen sollen räumlich und infrastrukturell getrennt geführt werden (unterschiedliche Trassen, Bauwerke, ggf. Betreiber), damit ein Ereignis nicht beide Verbindungen gleichzeitig lahmlegt. Werden Haupt- und Backupweg gemeinsam über dasselbe Bauwerk (hier die Brücke) geführt, ist die Redundanz faktisch aufgehoben; der Knoten ist dann sicherheitstechnisch „kritischer, als er sein dürfte“. Jedoch, auch wenn ein solcher kritischer Punkt eigentlich gar nicht existieren dürfte, müsste er angesichts der aktuellen Lage deutlich besser abgesichert sein – zumal es bereits mehrere Anschläge auf Infrastrukturen gegeben und sich auch bei früheren Schäden eine Eskalation der Auswirkungen gezeigt hat.
Allerdings bedeutet dies einen erheblichen personellen, technischen und finanziellen Mehraufwand und schützt nicht absolut vor allen Bedrohungen. Außerdem werden die Maßnahmen sicherlich bei beginnender „Katastrophen-Demenz“ wieder zurückgefahren. Man kann die Realität verdrängen, doch nicht die Folgen einer verdrängten Realität. Diese Erkenntnis hat sich erneut bestätigt – und es wird nicht das letzte Ereignis dieser Art gewesen sein.
Verantwortlichkeiten, Krisenmanagement und politische Dimension
Viel entscheidender ist die Reaktionsfähigkeit. Hier wurde in Berlin einmal mehr die fehlende Verantwortlichkeit sichtbar, die vor allem durch Verantwortungsdiffusion und eine mangelnde Fehlerkultur verschärft wurde.
Ein Bürgermeister, der in der Krise Tennis spielt, und eine Bezirksbürgermeisterin, die der Meinung ist, sie sei gar nicht verantwortlich gewesen, sind nur zwei weitere Beispiele für die leider weiterhin zu wenig sanktionierte politische Verantwortungslosigkeit. Der Senat verzögerte die Ausrufung einer Großschadenslage. Die Krisenkommunikation war chaotisch und wenig abgestimmt. Es fehlte „ein Gesicht der Krise“.
Nun wird sich zeigen, ob eine ernsthafte Aufarbeitung erfolgt oder ob weiterhin nur verschleiert und abgelenkt wird. Um in Krisenlagen rasch und effektiv handeln zu können, sind radikale Schritte notwendig, wie sie seit Langem von unterschiedlichen Experten eingefordert werden.
So offenbarte der Stromausfall gravierende Defizite im Krisenmanagement:
- Überforderte Bezirksverwaltung, verspätete Landeskoordination
- Fehlende einheitliche Führungsstruktur
- Zu späte Einstufung als Großschadenslage (rund 36 Stunden nach Ereignisbeginn)
- Ressourcen- und Logistikengpässe durch fehlende Vorbereitung und zu später Reaktion
- Bei der eigentlichen Entwarnung, dass der Strom wieder da ist bzw. in Kürze wiederkommt, wurde irrtümlicherweise berlinweit eine „Extreme Warnung“ per Cell-Broadcast ausgelöst. Ein schwerer handwerklicher Fehler.
Kritische Punkte, die besondere Aufmerksamkeit verdienen
Die verspätete Einstufung als Großschadenslage hatte mehrere Konsequenzen, da erst danach
- zwingend erforderliche Freistellungen für ehrenamtliche Hilfskräfte verordnet werden konnten.
- Kostenzusagen für Einsatzorganisationen gesichert werden konnten.
- die Bundeswehr formell angefordert werden konnte.
Die Kriterien für Großschadensfälle sollten daher klarer und eindeutiger definiert werden und im Anlassfall keine große Diskussion erfordern. Ein regionaler Stromausfall bei Winterwetter, von dem 100.000 Menschen betroffen sind, sollte automatisch und unmittelbar als Großschadenslage eingestuft werden, wenn die Wiederherstellung der Stromversorgung nicht innerhalb eines Tages absehbar ist.
Kat-Leuchtturm-Konzept
Das bereits über zehn Jahre alte Kat-Leuchtturm-Konzept, das sogar in Berlin entwickelt wurde, war zwar theoretisch vorhanden, wurde aber offensichtlich nicht ernsthaft operativ vorbereitet und umgesetzt. Die Krisenbewältigung basierte stattdessen ad hoc auf dem Einsatz von Polizei und Feuerwehr als Anlaufstellen, was diese zusätzlich gebunden hat, was in einer solchen Krisenlage tunlichst vermieden werden sollte.
Wie in der Schweiz sollten bei jedem Stromausfall, der nicht nach wenigen Minuten behoben ist, solche Anlaufstellen aktiviert werden. So können die Abläufe geübt und die Bevölkerung damit vertraut gemacht werden. Denn bei einem größeren Ereignis wird man vermutlich nicht erst im Internet nachsehen können, wo sich die nächste Anlaufstelle befindet.
Die Berliner Großschadenslage bestätigt auch bekannte Muster aus der Ahrtal-Katastrophe im Jahr 2021: Der Föderalismus und die Verwaltung funktionieren im Alltag, sind in Krisensituationen jedoch schnell überfordert. Das liegt auch daran, dass langjährige Mahner in Berlin ignoriert oder kaltgestellt wurden und die notwendige fachliche Qualifikation nicht sichergestellt wurde. Die Prioritäten wurden lieber woanders gesetzt, obwohl es seit 2019 bereits mehrere ähnlich gelagerte schwere Vorfälle gab.
Hotels in der Nähe des Ausfallgebiets spielten eine wichtige Pufferrolle: Einige Betriebe stellten Zimmer zu Sonderpreisen zur Verfügung, andere sogar kostenlos. Nach Ausrufung der Großschadenslage übernahm die Stadt die Kosten. Die Lehre daraus ist, dass die kommunale Krisenplanung vorab mit Hotel- und Logistikbetrieben Vorverträge für Notfallkapazitäten aushandeln sollte, um im Ernstfall schneller reagieren zu können.
Positiv hervorzuheben:
- Hervorragende Arbeit der Einsatz- und Hilfsorganisationen
- Einsatz der Bundeswehr, was auch Kritik hervorrief, da man auch auf andere Hilfskräfte zurückgreifen hätte können
- Einrichtung von Wärme- und Betreuungsräumen
- Funktionierende Nachbarschaftshilfe
- Hilfsbereitschaft von Privatpersonen und Unternehmen
- Improvisation bei den Lebensmittelmärkten in der betroffenen Region
- Selbstorganisation
- Entgegen häufigen Erwartungen kam es zu keinen schwerwiegenden Sicherheitsvorfällen.
- Es kam trotz Kerzen und improvisiertem Heizen zu keinen Bränden. Dennoch sollten nicht in Gläsern gesicherte Kerzen und sonstige offene Feuer in einer derartigen Lage immer kritisch betrachtet werden.
Handlungsempfehlungen
Aus unserer Sicht ergeben sich bislang keine wesentlichen neuen Erkenntnisse, die wir nicht bereits im Rahmen der (Blackout-)Vorsorge berücksichtigt und kommuniziert haben. Wer sich auf ein mögliches Blackout-Szenario vorbereitet hat, kann auch wesentlich besser mit solchen regionalen Lagen umgehen, die sogar wahrscheinlicher sind.
- Die individuelle Vorsorge ist die zentrale Basis für jegliche Krisenbewältigung. Sie ermöglicht Selbstversorgung und entlastet die öffentliche Hilfe, sodass diese zugunsten vulnerabler Gruppen wie älteren Menschen, Menschen mit Behinderung oder pflegebedürftigen Personen priorisiert werden kann.
- Gleichzeitig ist auch eine organisatorische Vorbereitung auf kommunaler und betrieblicher Ebene unverzichtbar. Sie muss mit individueller Vorsorge, Bund-Länder-Koordination und kontinuierlichen Übungen kombiniert werden, um Schäden effektiv zu verhindern und Ressourcen optimal einzusetzen.
- Bei lokalen/regionalen Ereignissen und Krisen empfiehlt sich stets eine rasche Eskalation bei der Bereitstellung von Hilfsangeboten, insbesondere, wenn sich eine Lage wie in Berlin über mehrere Tage bei tiefen Temperaturen abzeichnet: Sofortige Aktivierung von Krisenstäben, insbesondere auf den unteren Ebenen, Organisation von nachbarschaftlichen Notfallteams sowie dezentraler Verantwortlichkeiten und Strukturen, Einbeziehung von Hilfsorganisationen (THW, Feuerwehr, DRK) und Einrichtung von Notunterkünften, Besetzung von Hotlines sowie Priorisierung der Vulnerablen-Registrierung. Auf Kreis-/Länderebene ist innerhalb von Stunden die Großschadenslage bzw. der Katastrophenfall auszurufen, die notwendigen Stäbe sind einzuberufen und Amtshilfe (z. B. Notstrom der Bundeswehr) ist zu beantragen.
Dass es nicht zu mehr Schäden, Verletzten und Toten kam, ist äußerst überraschend und sollte nicht als selbstverständlich erwartet werden. Wie bereits bei der großen Nachbesprechung 2019 festgestellt wurde, war es vielleicht einfach nur Glück, dass wieder eine Region mit wenigen Hochhäusern und guten sozialen Strukturen betroffen war und kein Brennpunktbezirk.
Aber Glück allein ist keine Garantie für eine gute Zukunft. Dieser Stromausfall war kein Systemtest, sondern reiner Zufall. Echte Resilienz fehlt. Wie wir mit einer solchen Situation umgehen, liegt daher allemal in unserer Hand. Und dazu kann jede und jeder Einzelne von uns im eigenen Umfeld einen Beitrag leisten.
Jetzt ist es wieder eine gute Gelegenheit, das Thema Vorsorge in der eigenen Familie, Nachbarschaft oder Organisation anzusprechen. Nutzen Sie diese Chance und werden Sie einmal mehr unser Botschafter, unsere Botschafterin. Und hoffen wir weiterhin, dass wir das dann doch nicht oder nur selten und eingeschränkt benötigen.
Zuletzt aktualisiert am 15. Januar 2026 um 18:56
