Letzte Aktualisierung am 14. April 2021.

In diesem Beitrag werden weitreichende Lieferkettenprobleme und -ausfälle erfasst.

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12.04.21: „Suez war nur ein weiteres Problem“

Quelle: www.faz.net

Die Suezkanal-Blockade ist behoben. Die Probleme im Frachtverkehr bleiben aber. Vor allem an Container mangelt es seit Beginn der Corona-Krise. Die Frachtpreise explodieren.

Der Suezkanal ist wieder frei, die Probleme im globalen Frachtverkehr aber werden noch viele Monate bleiben. Deren Hauptgrund liegt aber nicht in der spektakulären Blockade der Wasserstraße durch den Containerfrachter Ever Given. Viel schwerer wiegt der durch die Corona-Folgen entstandene Mangel an Containern. Er wird verschärft durch die Welle von Schiffen, die nun in den europäischen Häfen Hamburg, Rotterdam und Le Havre erwartet werden.

„Wir haben unsere Kunden in Europa gewarnt, dass es zu rund 20 Tagen Verzögerung bei der Auslieferung von Waren kommen kann“, sagt Otto Schacht, der die Seefracht für den Logistiker Kühne & Nagel aus Hamburg führt. 

Insgesamt waren rund 60.000 Standardcontainer (TEU) von Kühne & Nagel durch den Unfall an der Durchfahrt gehindert worden. Ägypten hatte sich bemüht, die am Ende fast 400 wartenden Schiffe nach dem Freischleppen der Ever Given so schnell wie möglich durch den Kanal zu bringen.

„Suez war nur ein weiteres Problem in einem schon komplizierten Gesamtbild“, sagt Schacht. Damit spielt er auf den Engpass bei Containern rund um die Erde an. Es gibt viel zu wenige der Stahlboxen, und viel zu viele von ihnen liegen in den Häfen des Westens fest, so dass eine Unwucht entstanden ist. Seit dem Jahr 2000 ist die Zahl der jährlich bewegten Container um 260 Prozent auf gut 700 Millionen gestiegen. Und doch reicht ihre Zahl nicht, um in Ausnahmesituationen die Handelsströme zu ermöglichen.

Beispiel Amerika: Zum derzeitigen „Superstau“ vor den Häfen an der Westküste Amerikas führen zwei gegenläufige Entwicklungen: Auf der einen Seite hatte Corona das Löschen der Schiffe in den Häfen über Monate verlangsamt, auch weil viele Arbeiter erkrankt waren. Dann aber führte ein riesiger Nachholbedarf zu einer Konsumwelle, die Bestellungen in Ländern wie China oder Vietnam auslöste. Dort arbeiten und liefern die Fabriken zudem unter Volllast, weil Corona relativ schnell besiegt war. Die Zahl der Container, die in Los Angeles und Long Beach entladen werden müssen, steigt seit acht Monaten und liegt nun 45 Prozent über dem Vorjahreswert. Allein diese beiden Häfen stehen für rund 40 Prozent der Seefracht Amerikas.

Da nur zwei chinesische Firmen Container herstellen, lässt sich der Engpass nicht rasch beheben. Derzeit gibt es etwa 44 Millionen Container, ein Zehntel bauen die Chinesen jährlich neu, aber 2,2 Millionen werden zugleich verschrottet. Mindestens 10 Prozent mehr Container wären wohl nötig, um die Nachfrage am Markt derzeit abzudecken.

Kommentar

Siehe auch Die Grenzen des Denkens

Eine Verzögerung in einer Rückkopplung kann ein System zum Schwingen bringen. S. 72

19.03.21: Infineon fährt Fertigung in Austin, Texas weiter hoch – ursprüngliche Fertigungskapazität im Juni 2021 erwartet

Quelle: www.infineon.com

Die Fertigungsanlagen der Infineon Technologies AG in Austin, Texas sind in Betrieb und die Produktion wird derzeit wieder hochgefahren. Nach der am 15. Februar 2021 behördlich angeordneten Abschaltung konnte die Infrastruktur innerhalb einer Woche wiederhergestellt werden und die Anlagen sind intakt. Die Produktion wird derzeit schrittweise auf das ursprüngliche Niveau hochgefahren. Die Abschaltung war nach einem schweren Wintersturm erforderlich geworden und den daraus resultierenden langanhaltenden Stromausfällen in der Region.

„Nach derzeitigen Erkenntnissen gehen wir davon aus, dass wir aufgrund des Ereignisses den Bedarf unserer Kunden nicht vollumfänglich bedienen können. Für die meisten Produktkategorien, die wir in Austin fertigen, gehen wir ab Juni 2021 von der ursprünglichen Fertigungskapazität aus. Aufgrund des angespannten Marktumfelds und der daraus resultierenden vollen Auslastung wird es nicht möglich sein, die ausgefallene Produktionsmenge wieder auszugleichen.“

In Austin fertigt und testet Infineon Produkte, die in zahlreichen Anwendungen eingesetzt werden. Die Auswirkungen des Ereignisses auf seinen Umsatz erwartet Infineon im Wesentlichen im dritten Quartal des Geschäftsjahres, und zwar in Höhe eines hohen zweistelligen Millionen-Euro-Betrags. 

Kommentar

4 Monate Wiederanlaufzeit … Bei einem Blackout in Europa, wo nicht nur 4 Millionen, sondern möglicherweise 400 Millionen Menschen betroffen sein werden, werde die Folgen wesentlich dramatischer ausfallen und damit auch die Wiederanlaufzeiten in allen möglichen Bereichen.

Ich habe auch erst kürzlich mit einem Tierarzt telefoniert. Milchkühe, die nicht regelmäßig gemolken werden können, bekommen rasch eine Entzündung und haben dann enorme Schmerzen. Wenn das über mehrere Tage geht, sterben die Milchdrüsen ab und die Kuh gibt erst wieder eine Milch, wenn sie wieder gekalbt hat!!! Das heißt, es wird über viele Monate kaum mehr Milch geben (9 Monate Tragezeit!) … Das werden wir überleben, aber die Auswirkungen kann man sich kaum ausmalen. Man denke nur an die ganzen Produkte/Produktbestandteile, wo Milch enthalten ist!.

07.03.21: Samsung-Chipproduktion in den USA: Auf Stromausfall folgt Wassermangel

Quelle: heise online, golem.de

Hunderttausende Texaner und Unternehmen haben kein sauberes, fließendes Wasser, weil durch die Kälte Rohre, Pumpen und Wasserwerke beschädigt wurden. Ein Druckabfall sorgte zudem für Verunreinigungen in den Rohren. Das betrifft unter anderem Samsungs Chip-Produktionsstätte in Texas, die schon seit zwei Wochen stillsteht.

Mitte Februar 2021 mussten Samsung und weitere Halbleiterfertiger auf Anweisung der texanischen Regierung die Chipproduktion herunterfahren, um das überlastete Stromnetz zu entspannen. Inzwischen ist der Strom wieder da, mindestens Samsungs Austin-Produktionsstätte steht aber weiterhin still, weil kein sauberes Wasser vorhanden ist.

Der Nachrichtendienst Business Korea berichtet über Prognosen, dass Samsung Austin Semiconductor (SAS) womöglich erst Mitte April 2021 wieder den Betrieb aufnehmen wird.

Samsung fertigt in Texas Halbleiterelemente mit Strukturbreiten von 14 Nanometern und gröber – mit Blick auf den weltweiten Chipmangel wird die Fertigungskapazität dringend benötigt.

Auf die Automobilindustrie werden die Ausfälle wohl erst fünf Monate später eine Auswirkung zeigen. So lange dauere es, um Prozessoren und Chips von Anfang bis Ende komplett zu bauen. Große Kunden der Werke in Texas sind Autobauer wie Tesla, die von den Ausfällen nachhaltig betroffen werden können.

Im Falle von Flash-Speicher könnte der Markt bereits in naher Zukunft reagieren, sodass SSDs und RAM-Module teurer werden. Flash-Speicher kommt allerdings auch in Smartphones, Tablets, Spielekonsolen und nahezu allen anderen Computersystemen zum Einsatz. Zusammen mit Engpässen bei Grafikkarten, x86-Prozessoren und anderen Komponenten wird sich das wohl auch auf Endkunden auswirken – größtenteils durch höhere Preise. 

Am anderen Ende der Erdkugel, in Taiwan, herrscht ebenfalls Wassermangel, allerdings aufgrund von ausbleibenden Regenfällen. TSMC setzt seit Februar 2021 auf Tank-LKW zur Unterstützung – sie bringen sauberes Wasser aus besser gefüllten Reservoirs, die vorwiegend im Norden stehen. Laut einem Bericht von EE News Analog bestellt inzwischen auch UMC, der weltweit drittgrößte Chipauftragsfertiger, solche Tanklaster mit Wasser.

20.02.21: Lieferengpässe: Das Stahlparadox trifft die deutsche Wirtschaft

Quelle: factorynet.at

Die steigende Stahlproduktion kann die unerwartet hohe Stahlnachfrage kaum bedienen. Lieferengpässe und stillstehende Fabriken werden befürchtet.

Kommentar

Hier treten nun „Schweinezyklen“ wie das auch vom Beer-Game bekannt ist, auf. Siehe auch Die Grenzen des Denkens.

23.01.21: Chip-Mangel stoppt die Bänder in den Autowerken

Quelle: www.nzz.ch

Der Engpass bei Halbleitern ist für die Autoindustrie akut, die Produktionslinien stehen still. Der Audi-Chef Markus Duesmann sagte Mitte Januar gegenüber der «Financial Times», dass rund 10 000 Mitarbeiter in Ingolstadt und Neckarsulm in Kurzarbeit geschickt werden müssten – aufgrund fehlender Chips. Auch bei Daimler kommt es zu Betriebsunterbrüchen. Im VW-Stammwerk Wolfsburg ruht der Betrieb seit Neujahr, auch Braunschweig und Emden sind betroffen.

Der Mangel an Chips beschränkt sich nicht auf Deutschland. Auch die französische PSA-Gruppe, nun Teil des Grosskonzerns Stellantis, soll betroffen sein, Honda und Nissan in Japan ebenfalls, selbst Zulieferer wie Hella und Continental leiden unter dem Fehlen von Halbleitern.

«Es lässt sich sehen, wie verletzlich heute Industrien sind, wenn nur ein Chip fehlt.»

Am Beispiel ST lässt sich zeigen, wie die Chip-Branche in kurzer Zeit zwei Mal überrumpelt wurde: Erst brachen die Bestellungen der Autobranche während der ersten Corona-Welle und der Lockdowns im Frühjahr 2020 ein. Dann erhöhte die Branche ihre Bestellungen ruckartig. 

Diese Probleme werden durch längerfristige Branchentrends verstärkt. Zum einen produzieren die Hersteller von Auto-Chips immer weniger selbst. Die meisten Vollhersteller hätten in den vergangenen Jahren keine einzige neue Fabrik gebaut, schreibt der Analyst Wang. Stattdessen vergaben sie die Produktion immer mehr an Auftragsfertiger wie den Weltmarktführer TSMC aus Taiwan, an Samsung, Intel oder Globalfoundries. Diese Fertiger sind aber bereits besonders ausgelastet, weil im Zuge der Lockdowns etwa Laptops und Spielkonsolen sowie Server-Chips sehr gefragt sind. Zudem steigert die Einführung von 5G die Nachfrage. Die Autobranche muss sich nun hintenanstellen.

Halbleiter sind nicht der einzige mögliche Engpass, auch Batteriezellen nutzen Fahrzeughersteller nicht alleine.

Kommentar

Immer mehr Optimierung und Effizienzsteigerung führen zu immer weniger Spielraum. Dieses Thema könnte auch den Ausbau von (Batterie-)Speichersystemen und oder EE-Anlagen betreffen.