Am 7. März 2019 viel  gegen 17 Uhr in weiten Teilen Venezuelas (32 Millionen Einwohner) der Strom aus. Es kam zu einem Blackout. Nach wie vor (Mittwoch 13. März, 8 Uhr) sind weite Teile des Landes noch immer stromlos. Es gibt zwar einige Meldungen, auch von zahlreichen Toten und massiven Problemen in der medizinischen Versorgung, es ist aber davon auszugehen, dass die Lage noch viel schlimmer ist, als bisher bekannt wurde. Denn aus Regionen, die noch stromlos sind, gibt es kaum Informationen, wie die Lage tatsächlich ist („Die Kommunikation zu allen 23 Territorialgebieten konnte noch nicht hergestellt werden.). 

Zudem sei vorausgeschickt, dass Stromausfälle im Krisenstaat Venezuela keine Seltenheit sind. Der Großteil der Bevölkerung ist auf solche Vorfälle vorbereitet gewesen. Jedoch kommt jede Gesellschaft irgendwann an ihre Grenzen. Eine vorbereitete wesentlich später, als eine nicht vorbereitete. 

Bisher gemeldete Erfahrungen:

  • Bereits im Februar hatten Mitarbeiter des Wasserkraftwerkes, dessen Ausfall für den Blackout hauptverantwortlich ist, auf die katastrophalen Zustände in der Firma hingewiesen. Vandalismus, fehlende Investitionen und Wartung hätten dafür gesorgt, dass die Stromversorgung gefährdet sei.
  • An den Tankstellen standen Menschen Schlange, um Treibstoff für Stromgeneratoren zu bekommen. Einige zweigten Benzin aus ihren Autos ab.
  • Im Universitätsklinikum in Caracas starb eine Frau, nachdem ihr Beatmungsgerät aufhörte zu arbeiten.
  • Vor dem größten Leichenschauhaus in Caracas hing fauliger Verwesungsgeruch in der Luft, weil die Kühlanlagen versagten.
  • Auf dem internationalen Flughafen von Caracas warteten hunderte Menschen, darunter viele mit kleinen Kindern, auf eine Wiederaufnahme des Flugbetriebs. „Wir sind seit gestern hier, ohne Essen und ohne Toiletten, weil die geschlossen sind“.
  • In Caracas kam es zu einem Verkehrschaos.
  • In den Wohnhäusern fiel die Trinkwasserversorgung aus, weil das Wasser mit Hilfe elektrischer Pumpen verteilt wird.
  • Handel und Geldgeschäfte waren vielfach nicht mehr möglich, da die meisten Transaktionen elektronisch per Kartenzahlung erfolgen.
  • Mindestens 15 Dialyse-Patienten gestorben
  • Mindestens 17 Patienten starben in den Krankenhäusern des Landes
  • Bereits 80 Neugeborene im Universitäts-Krankenhaus in Maracaibo gestorben.
  • Zu den besonders Betroffenen gehörten beispielsweise Diabetiker, die angesichts des Mangels in Venezuela ohnehin schon um ihr Insulin kämpfen müssen und nun erleben mussten, wie dieses ohne Kühlung unbrauchbar gemacht wurde.
  • Das Problem sei von einem Brand der Vegetation um das Wasserkraftwerk herum ausgelöst worden. Demnach ging deswegen ein Teil der Turbinen vom Netz, teils wegen Überhitzung, teils wegen nachfolgender Überlastung. Danach sei es nicht gelungen, die Stromversorgung rasch wieder hochzufahren, denn es mangle an Personal mit den nötigen technischen Fachkenntnissen.
  • Ärzte mussten sich in den Nächten mit Mobiltelefonen Lichtquellen verschaffen.
  • Ich kann den Hunger ertragen. Als Erwachsene brauchen wir nur ein Glas Wasser. Aber was soll ein Kind tun?
  • Der Stromausfall wirkt sich massiv auf die Versorgungslage der ohnehin schon lange unter Lebensmittelknappheit leidenden Bevölkerung aus.
  • In Caracas gingen verzweifelte Menschen zum Kanal des verschmutzten Flusses Guaire, um Wasser zu holen.
  • In öffentlichen Kliniken gibt es kein Wasser und keine Nahrung. 
  • Durch die lange unterbrochene Stromversorgung nehmen Blutbanken große Schäden und Medikamente, wie jene für Diabetiker beispielsweise, verlieren ihre Wirkung.
  • Die fehlende Klimatisation begünstigt bei der momentan anhaltenden Hitze – in Teilen Venezuelas liegt die Temperatur tagsüber bei mehr als 30 Grad Celsius – zudem die Ausbreitung von Infektionskrankheiten.
  • The grid recovered almost as far a few days ago, then collapsed again
  • Venezuela has faced years of power instability since about 2009, including two major blackouts in 2013 and a power and water crisis in 2016. At times the blackouts were caused in part by weather conditions like El Niño, but overall they have established a pattern of poor planning, mismanagement, and lack of investment on the part of the government.
  • Every inductive load (induction motors) takes 6 times the normal running current to start each and every one. In terms of real and imaginary (complex) power components, the Load appears to be almost purely inductive with a Real component vector of nearly zero. Essentially, Generation must provide 6 times the power it was providing when the grid failed and that reserve simply doesn’t exist. So energizing a substation is an explosive event.
  • When the generator is connected to the load, it “sees” a reflected wave coming back to the generator that trips the overload safeties and causes the turbine/alternator to disconnect if the apparent power exceeds safe limits. If those safeties aren’t functional, the risk is an exploding substation, alternator, sheared turbine shaft, etc.
  • Weiterführende Erfahrungen sind auch auf Wikipedia zu finden

Hervorzuhebende Presseberichte: Die Presse, 13.03.; NZZ, 11.03; NZZ, 12.03