Quelle: via.ritzau.dk
Während in Mitteleuropa die Diskussion um Krisenvorsorge und resiliente Infrastrukturen zunimmt, geht Dänemark einen konkreten Schritt weiter: Die Salling Group, der größte Einzelhändler Nordeuropas, hat im Juni 2026 die ersten drei ihrer sogenannten „Beredskabsbutikker“ (Notfall-Versorgungsläden) mit leistungsfähigen Notstromanlagen ausgestattet. Diese Standorte sollen auch bei einem flächendeckenden Stromausfall geöffnet bleiben und somit die Grundversorgung mit Lebensmitteln und wichtigen Gütern sicherstellen.
- Bornholm war Anfang 2026 von einem umfassenden Stromausfall betroffen, der die gesamte Insel herausforderte. Die Netto-Filiale in Rønne könnte bei einem ähnlichen Ereignis weiterhin geöffnet bleiben.
- Technische Ausstattung: Die Notstromgeneratoren sichern Kühlsysteme, Beleuchtung, Computersysteme und alle anderen stromabhängigen Infrastrukturen in den Geschäften.
- Gesamtplan: Die Salling Group hat im Vorjahr 51 Geschäfte und Warenhäuser landesweit als „Beredskabsbutikker“ benannt, die in Krisensituationen mindestens 48 Stunden autark (ohne Strom oder Internet) operieren sollen.
- Zeitplan: Ursprüngliche Deadline war 2028, nun wird angestrebt, dass alle 51 Notfallläden bis Ende 2027 einsatzbereit sind.
- Abdeckung: Die Beredskabsbutikker sind so über das Land verteilt, dass gut 80% der Bevölkerung sie innerhalb von maximal 50 Kilometern erreichen können.
- Offline-Zahlungen: Ein wichtiges Element ist die Möglichkeit, offline mit Karten zu bezahlen. Dies ist bereits in allen dänischen Geschäften der Salling Group durch eine erweiterte Zusammenarbeit mit Nets möglich.
In Dänemark wird die Bevölkerung explizit dazu angehalten, im Krisenfall mindestens drei Tage lang selbstständig versorgt sein zu können – etwa bei Stromausfall, Extremwetter oder anderen Störungen. Einzelhändler spielen dabei eine Schlüsselrolle, weil sie im Alltag die Grundversorgung abbilden. Wenn zentrale Infrastrukturen wie das Stromnetz ausfallen, können lokal betriebsfähige Supermärkte mit Notstrom die Versorgungslücke verkleinern – insbesondere für Haushalte, die nicht ausreichend Vorräte haben.
Einordnung für Österreich und Deutschland
Auch im DACH-Raum gewinnt das Thema kritische Infrastrukturen und lokale Resilienz an Bedeutung – getrieben durch:
- Zunehmende Extremwetterereignisse
- Geopolitische Risiken und Lieferketten-Störungen
- Mögliche Stresssituationen im Stromnetz durch hohe Lasten und volatile Einspeisung
Die dänische Initiative zeigt, wie der Lebensmitteleinzelhandel technische Maßnahmen (Notstrom) mit organisatorischer Planung (ausgewählte Notfall-Standorte) verbinden kann. Drei Pilot-Standorte sind ein typischer erster Schritt; bei Erfolg können weitere Filialen nachgerüstet werden.
Was Kommunen und Unternehmen lernen können
- Priorisierung: Nicht jede Filiale kann sofort mit Notstrom ausgestattet werden. Eine Auswahl strategisch wichtiger Standorte (z. B. in ländlichen Regionen oder mit hoher Kundenfrequenz) ist sinnvoll.
- Kombination aus Technik und Organisation: Notstrom allein reicht nicht. Es braucht auch klare Prozesse für Krisenfälle (Personal, Logistik, Kommunikation).
- Einbindung in regionale Krisenpläne: Supermärkte mit Notstrom könnten in kommunale oder regionale Notfallpläne integriert werden – etwa als lokale Verteilstellen für kritische Güter.
Fazit
Die Salling Group zeigt mit ihren „Beredskabsbutikker“, wie der Einzelhandel aktiv zur gesellschaftlichen Resilienz beitragen kann. Für Österreich und Deutschland ist das ein praktisches Beispiel, das sich auf andere kritische Infrastrukturen übertragen lässt: von der technischen Nachrüstung über die organisatorische Vorbereitung bis hin zur Einbindung in übergeordnete Krisenstrukturen.
Zuletzt aktualisiert am 18. August 2026 um 17:55

