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Quelle: www.lto.de

In Deutschland sind Behörden und Unternehmen nur unzureichend darauf vorbereitet, Katastrophen zu vermeiden. Um das zu ändern, lohnt ein Blick auf das finnische Modell.

Katastrophenschutzbehörden und Unternehmen sind in ganz Deutschland unzureichend vorbereitet.  So fehlen beispielsweise auf Landes- wie Bundesebene Daten zu vorhandenen Ressourcen und Bedarfen im Bevölkerungsschutz

Dass Katastrophen Deutschland immer wieder „überraschen“, liegt auch an einem verbreiteten Fehlverständnis, welches ein Ereignis und eine Katastrophe gleichsetzt. Eine Katastrophe meint jedoch im Allgemeinen den (Dauer-)Zustand nach einem Systemzusammenbruch. Aus einem Ereignis – sei es ein Stromausfall, ein Hochwasser oder ein Waldbrand – wird nur dann eine Katastrophe, wenn die Auswirkungen des Ereignisses eine Bevölkerung überwältigen, weil Fähigkeiten und Strukturen nicht für die Bewältigung ausreichen. Durch sachgerechte Vorbereitung auf ein Ereignis kann eine Katastrophe folglich grundsätzlich verhindert werden. 

Wird jedoch durch Gleichsetzung von Ereignis und Katastrophe Ohnmacht vermittelt – wie etwa durch die Aussage der Bezirksbürgermeisterin von Steglitz-Zehlendorf am 8. Januar dieses Jahres: „Auf so eine Krise kann keiner vorbereitet sein.“ –, wird der notwendigen Vorbereitung und damit der Verbesserung des Bevölkerungsschutzes der Boden entzogen.

Ein Blick nach Finnland zeigt, wie die praktische Verbesserung aussehen könnte. Finnland hat seine Bevölkerungsschutzstrukturen nie abgebaut, sondern als sogenannte Comprehensive Security weiterentwickelt. Das steht für eine gesamtgesellschaftliche Sicherheitskultur. Sie ähnelt der von Island in Bezug auf Naturereignisse, bezieht jedoch aufgrund der Erfahrungen aus dem Winterkrieg gegen die Sowjetunion (1939/1940) konsequent den Schutz der Bevölkerung im Falle militärischer Gewalt ein.

Ein wichtiger Akteur ist die National Emergency Supply Agency (NESA), welche die Versorgungssicherheit in Extremlagen in Kooperation mit Behörden und der Wirtschaft gewährleistet. Ressourcen und Ressourcenwissen werden hier im vertraulichen, bereichsspezifischen Rahmen („Pools“) geteilt. So stellen Unternehmen Informationen über ihre Lagerbestände und Lieferketten zur Verfügung und erhalten im Gegenzug Lagebilder und Bedrohungsanalysen zur Verbesserung der individuellen Sicherheit.

Dieser Austausch über Ressourcen ist zentral für einen erfolgreichen Bevölkerungsschutz. Da die Zeit angesichts der aktuellen Sicherheitslage knapp ist, müssen Bund und Länder schnell prüfen, wie sie die rechtlichen Möglichkeiten besser ausschöpfen können und wo Nachbesserungen nötig sind, damit dieser Austausch ermöglicht wird.

Die Erfassung von Ressourcen (Personen und Sachleistungen) durch die Katastrophenschutzbehörde ist als Vorbereitungsmaßnahme zur Vermeidung einer Katastrophe zielführend. Sie erlaubt, die wertvollen Ressourcen bei Bedarf geordnet abzurufen und einzusetzen.

Spiegelbildlich müssen aber auch Wirtschaftsakteure ihre Ressourcen kennen, insbesondere Ressourcendaten erfassen und aktuell halten, um spätestens in den benannten Extremlagen handlungsfähig zu sein.

Grundsätzlich bestehen hier also bereits die notwendigen rechtlichen Strukturen – in der Praxis werden sie aber vor allem aus Unkenntnis zu wenig wahrgenommen.