Letzte Aktualisierung am 24. April 2026.
In diesem Beitrag werden die aktuellen Entwicklungen im Zuge des Irankriegs seit dem 28. Februar 2026 aufgezeigt. Hier zeichnet sich leider ein globaler Systembruch mit kaum vorstellbaren Folgen ab. Zwar wissen wir noch nicht, was genau auf uns zukommt, doch eines ist sicher: Es wird deutlich herausfordernder als die Krisen der letzten Jahre seit 2020, denn diesmal geht es nicht um einen Nachfrageschock, sondern um einen Angebotsschock und einen globalen Systembruch mit nicht absehbaren Auswirkungen auf die globalen Lieferketten.
Daher auch die Metapher eines Tsunamis: Seit Ende März hat sich das Meer für viele nur einmal zurückgezogen, ohne dass sie die Zusammenhänge kennen. Der trockene Boden symbolisiert die aktuellen Spritpreiserhöhungen und das Nichthandeln und die Diskussion über politische Eingriffe in den Markt. Am Horizont zeichnen sich jedoch bereits die ersten Wellen ab: erste Lieferkettenausfälle oder Flugeeinschränkungen. Dahinter kündigen sich weitere Wellen an, die aber noch kaum wahrgenommen werden und um ein Vielfaches größer und schlimmer sind.
Was genau auf uns zukommt, wissen wir zwar weiterhin nicht, aber es wird mit Sicherheit deutlich herausfordernder als die Krisen der letzten Jahre seit 2020, denn diesmal geht es nicht nur um einen Nachfrageschock, sondern um einen Angebotsschock und einen globalen Systembruch mit nicht absehbaren Auswirkungen auf die globalen Lieferketten.
Trotz allem werden wir versuchen, gewisse orientierungsgebende Handlungsanleitungen zu formulieren. Wie immer gilt auch für diesen Fall: Die Basisvorsorge für zumindest 14 Tage hilft auf jeden Fall, jedes Schockereignis besser zu überstehen. Zum anderen geht es darum, die Erwartungen an die neue Realität anzupassen und Schlimmeres zu erwarten, um nicht völlig überrascht zu werden. Wenn Sie für den Sommer einen Flugurlaub gebucht haben, sollten Sie zumindest gedanklich verschiedene Szenarien durchspielen: Fliegen ist nicht möglich, Preissteigerungen oder eine besonders schwere Krisenlage in der Urlaubsdestination.
Systemische Betrachtungen und Publikationen
- 12.04.26: Erste gemeinsame systemische Betrachtung von Velina Tchakarova, Marco Felsberger und Herbert Saurugg: GLOBALER SYSTEMBRUCH: Die vierte systemische Krise und ihre Architektur
- 23.04.26: Update Velina – strategische Betrachtung „Hormuz and the Global Economy: The Cascade Is No Longer a Forecast„
Aktuelle Meldungen
Der globale Systembruch und ein mögliches starkes El-Niño-Jahr 2026/27
Ausgangsmeldung: „echtes Potenzial für das stärkste El-Niño-Ereignis seit 140 Jahren“ https://www.perplexity.ai/page/noaa-ends-la-nina-advisory-iss-vxXrm4v_SuGkDCd1tNBYYA
El Niño: Was derzeit tatsächlich plausibel ist
Für den Zeitraum Juni bis August 2026 zeigen aktuelle Prognosen eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für El-Niño-Bedingungen. Die NOAA nennt dafür eine Wahrscheinlichkeit von 62 Prozent; zugleich ist damit zunächst nur die Rückkehr eines El-Niño-Ereignisses gemeint, nicht automatisch ein außergewöhnlich starkes oder gar historisch extremes Ereignis.
Ein starkes El-Niño-Ereignis kann das globale Wettermuster deutlich verändern. Typische Folgen sind erhöhtes Risiko für Starkniederschläge in Teilen der USA, insbesondere in Kalifornien und im Süden, sowie eine Dämpfung der atlantischen Hurrikansaison durch verstärkte Windscherung.
Einordnung des Begriffs „Super-El-Niño“
Der Begriff „Super-El-Niño“ ist kein einheitlich standardisierter Fachbegriff. In der wissenschaftlichen Einordnung wird meist zwischen schwachen, mäßigen, starken und sehr starken El-Niño-Ereignissen unterschieden; Aussagen über ein mögliches „Super“-Ereignis sind daher eher journalistische Zuspitzungen als belastbare Fachkategorien.
Aus heutiger Sicht ist deshalb eher von einem möglichen El-Niño-Ereignis mit potenziell starker Ausprägung zu sprechen, nicht von einer gesicherten Super-Episode im Jahr 2026/27.
Mögliche Auswirkungen auf Landwirtschaft
Ein starkes El Niño kann in Süd- und Südostasien, Australien sowie Teilen Afrikas und Südamerikas Dürren, Hitzestress und Ernteausfälle verstärken. Besonders kritisch wird das, wenn solche Klimaeffekte auf bereits angespannte Versorgungs- und Produktionsbedingungen treffen.
Für die Landwirtschaft ist daher nicht das El-Niño-Ereignis allein entscheidend, sondern die Kombination aus Wetteranomalien, Verfügbarkeit von Dünger, Energie, Diesel, Wasser und funktionierenden Transportketten. Gerade diese Kopplung kann regionale Versorgungslagen erheblich verschärfen.
Mögliche Auswirkungen auf das Energiesystem
El-Niño-Jahre können in vielen Regionen den Kühlbedarf erhöhen und gleichzeitig die Wasserverfügbarkeit für Wasserkraft, Kühlwasser und industrielle Prozesse belasten. In Dürrephasen sinken häufig Stauseefüllstände und Flusspegel, was die Stromerzeugung aus Wasserkraft sowie die Kühlung thermischer Kraftwerke beeinträchtigen kann.
Wenn solche Wettereffekte auf geopolitische Energieengpässe treffen, wächst das Risiko für Preis- und Versorgungsschocks.
Logistik und Lieferketten
Globale Lieferketten bleiben verwundbar, wenn wichtige Seewege, Häfen oder Transitkorridore gleichzeitig unter Druck geraten. Zusätzliche Störungen durch Extremwetter können diese Verwundbarkeit vergrößern, vor allem wenn bereits geopolitische Ausweichbewegungen die Kapazitäten belasten.
Für die Bewertung ist jedoch wichtig: Nicht jede Wetteranomalie führt automatisch zu einem Systemversagen. Plausibler ist die Aussage, dass ein starkes El Niño bestehende Engpässe verstärken und Puffer reduzieren kann.
Belastbare Gesamtbewertung
Die Grundthese ist also nicht, dass ein „Super-El-Niño“ 2026/27 sicher bevorsteht, sondern dass eine El-Niño-Entwicklung im Jahr 2026 die Verwundbarkeit eines ohnehin angespannten globalen Systems erhöhen könnte. Das zentrale Risiko liegt in der Überlagerung mehrerer Stressoren: Wetteranomalien, Energieunsicherheit, geopolitische Spannungen, fragile Lieferketten und strukturelle Resilienzdefizite.
Zuletzt aktualisiert am 24. April 2026 um 21:16
