Das Gespräch zwischen Paul Ronzheimer und Aladin El-Mafaalani, einem Soziologen, konzentrierte sich auf die aktuelle gesellschaftliche Situation in Deutschland und das Phänomen des Vertrauensverlusts in Institutionen.
El-Mafaalani beschreibt die gegenwärtige Zeit als von Widersprüchen geprägt.
Der Soziologe erklärt, dass das Vertrauen in die Demokratie brüchig geworden ist, wobei fast die Hälfte der Bevölkerung nicht mehr der Meinung ist, dass die Demokratie gut funktioniert. Er unterscheidet zwischen Push-Faktoren, die Menschen von der Gesellschaft entfernen, und Pull-Faktoren, die das entstehende Misstrauen kanalisieren.
Bezüglich der Migration betont El-Mafaalani, dass Deutschland das einzige westliche Land unter den Top-Aufnahmeländern für Geflüchtete ist. Er argumentiert, dass ohne die Kriegsflüchtlinge aus Syrien und der Ukraine die Migrationszahlen für Deutschlands Bedürfnisse zu niedrig wären.
Der Soziologe erläutert die Mechanismen von Vertrauen und Misstrauen. Er vergleicht Vertrauen mit Muskeln und Misstrauen mit einem Immunsystem der Gesellschaft, wobei er warnt, dass übermäßiges Misstrauen zu „gesellschaftlichen Autoimmunerkrankungen“ führen kann.
Ein zentraler Punkt seiner Analyse ist die Notwendigkeit eines handlungsfähigen Staates. Er kritisiert die übermäßige Verrechtlichung des Sozialen bei gleichzeitiger Dysfunktionalität in wichtigen Bereichen der staatlichen Infrastruktur.
👉 Politik muss glaubhaft zeigen, dass sich Dinge in der staatlichen Infrastruktur verbessern.
👉 Staat muss in Kernbereichen handlungsfähiger werden und unnötige Bürokratie abbauen.
👉 Vertrauensbildende Maßnahmen zwischen Staat und Bürgern müssen verstärkt werden.
