Letzte Aktualisierung am 01. September 2021.

Bereits vor 5 Jahren entging Mitteleuropa knapp einer größeren Gaskrise (siehe Wie sicher ist unsere Erdgasversorgung wirklich?). Nun zeichnet sich neuerlich eine solche ab. Diesmal aber nicht erst im Winter, sondern bereits im Sommer davor. Besonders die Gasspeicher in Österreich sind unterdurchschnittlich gefüllt.

Zwar wurde der absolute Wert 2013 nochmals deutlich unterschritten, jedoch wurde in der Zwischenzeit das theoretische Speichervolumen von 53,7 TWh auf 95,5 TWh deutlich ausgebaut. Sollte bis November keine deutliche erhöhte Einspeicherung erfolgen, dann muss wohl im kommenden Winter/Frühjahr – insbesondere bei niedrigeren Temperaturen – mit Problemen gerechnet werden.

Damit ist absehbar, dass auch die Strompreise weiter hoch bleiben oder sogar steigen werden.

Siehe auch LÜKEX 18: Gasmangellage in Süddeutschland – eine kritische Betrachtung.

Quelle Daten/Grafiken: agsi.gie.eu

Gasspeicherstand AUT 29.07

Speicherstand Österreich

Gasspeicherstand 2020-2021 AUT

Speicherstand (Kapazität: 95.4801)

  • 26.07.21: 32.5277 
  • 30.08.21: 44.1716

Speicherstand Europa

Gasspeicherstand 2020-2021

Speicherstand (Kapazität: 112.7025)

  • 26.07.21: 598.1044
  • 30.08.21: 747.5378

Mögliche Hintergründe

Gazprom schraubt Gaspreise für Europa in die Höhe

Quelle: www.derstandard.at

Moskau verknappt bewusst den Ukraine-Transit, um Nord Stream 2 zu forcieren. Es gibt aber auch noch weiter Gründe für die hohen Preise.

Die Vorräte in Europas Gasbehältern schrumpfen. Österreichs Erdgasspeicher etwa sind so leer wie noch nie, laut der österreichischen Energieagentur sind sie derzeit gerade noch zu 30 Prozent gefüllt, während sie sonst im Durchschnitt zu zwei Dritteln voll sind. Auch in Deutschland sind die Gasvorräte deutlich unter Normalniveau. Die Situation ist auch in anderen Ländern ähnlich. So sind europaweit die unterirdischen Speicher nur zu 53 Prozent gefüllt. Im Vorjahr waren es zum gleichen Zeitpunkt 80 Prozent, durchschnittlich sind es rund 70 Prozent.

Das wirkt sich auf die Preise aus: Mit 484 Dollar pro 1000 Kubikmeter Gas erreichten die Spotpreise für den Rohstoff am virtuellen Handelspunkt TTF (Title Transfer Facility) in den Niederlanden ein neues Allzeithoch. Die Futures für August lagen mit 491 Dollar für 1000 Kubikmeter Gas sogar noch etwas höher.

Für den rasanten Anstieg der Gaspreise gibt es mehrere Gründe: So sind die Lieferungen von LNG-Gas in den letzten Wochen deutlich gesunken. Im Vergleich zum Juni wurden im Juli zwölf Prozent weniger LNG-Gas (rund eine Milliarde Kubikmeter) in die europäischen Terminals eingespeist. Im Jahresvergleich beläuft sich das Minus gar auf 22 Prozent, da alle verfügbaren Ressourcen nach Asien gehen.

Hintergrund ist eine Hitzewelle in Asien, aufgrund deren der Strombedarf durch den massenhaften Einsatz von Klimaanlagen deutlich gestiegen ist. In Asien ist Gas damit noch einmal um 70 Dollar pro 1000 Kubikmeter teurer als auf dem Alten Kontinent.

Doch das Gaspreishoch ist auch auf fehlendes Pipelinegas zurückzuführen. Hier spielt der Streit um Nord Stream 2 eine Rolle. Die Pipeline ist Betreiberangaben zufolge zu 99 Prozent fertig. Im Oktober könnten über den ersten Strang der insgesamt 55 Milliarden Kubikmeter fassenden Leitung erste Lieferungen über die Ostsee kommen.

Noch vor Inbetriebnahme trocknet Gazprom aber den Transit durch die Ukraine, einst Hauptversorgungsstrang für Gas aus dem Osten, aus. Die Transgas-Trasse hat eine Kapazität von 120 Milliarden Kubikmetern pro Jahr. 2019 flossen immerhin noch 89,6 Milliarden Kubikmeter durch. Heuer sollen es nur noch 40 Milliarden Kubikmeter sein.

Mit dem künstlich geschaffenen Engpass sichert Gazprom seinem neuen Pipelineprojekt eine gute Ausgangsposition. Denn die Nachfrage bleibt so auch in den nächsten Monaten noch sehr hoch. Ein optimaler Start für Nord Stream 2.

Eine Entspannung erst mit dem Ende der Heizperiode im nächsten Frühjahr oder der Inbetriebnahme neuer Lieferkapazitäten voraus.

01.09.21: Gas-Großhandelspreise fünf Mal so hoch wie vor einem Jahr

Quelle: Österreichische Energieagentur

Gas-Großhandelspreise steigen im Vergleich zum Vormonat August um 21 % – Der Österreichische Gaspreisindex (ÖGPI) steigt im September 2021 im Vergleich zum Vormonat August um 21,1 %. Gegenüber September 2020 liegt er um 408,6 % höher. Der von der Österreichischen Energieagentur berechnete Index steigt im September 2021 auf 165,77 Punkte. In den vergangen zwölf Monaten lag der ÖGPI im Schnitt bei 88,00 Punkten.

Gaspreisindex