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Quelle: www.deutschlandfunknova.de

Weil bei Bauarbeiten eine Stromleitung beschädigt wurde, fiel am Mittwoch (21.02.) in mehr als 30.000 Haushalten in Berlin-Köpenick der Strom aus. Der Stromausfall dauerte mehr als 31 Stunden. Wir haben uns gefragt: Was wäre, wenn so ein Blackout in ganz Deutschland oder sogar Europa passieren würde?

Mehr als 30.000 Haushalte und 2.000 Gewerbebetriebe waren in Köpenick vom Stromnetz abgeschnitten. Schulen und Kitas blieben geschlossen, mehrere Tramlinien waren unterbrochen.

Der Mensch ist heute von der Stromversorgung absolut abhängig, sagt Herbert Saurugg, Experte für die Vorbereitung auf den Ausfall lebenswichtiger Infrastrukturen. Ohne Strom würden die normalen Abläufe nicht mehr funktionieren. Weil die gesamte Versorgungslogistik ausfalle, wäre es äußerst schwierig, einen längeren Zeitraum zu überleben.

„Unser gewohntes Leben würde binnen weniger Tage völlig zusammenbrechen.“ Herbert Saurugg, Experte für die Vorbereitung auf den Ausfall lebenswichtiger Infrastrukturen, Wien

Eines der größten Probleme entstehe, wenn die Wasserversorgung von einem plötzlichen Stromausfall betroffen sei. Das könne binnen weniger Stunden zum Ausnahmezustand führen, so Saurugg. Die Abwasserentsorgung sei ein zweiter Bereich, der unmittelbare Auswirkungen auf unseren Alltag habe. Wenn die Telekommunikation ausfalle, funktionierten plötzlich weder Mobil- noch Festnetztelefone. Ganz zu schweigen vom mittlerweile fast alles mit allem verbindenden Internet. In Folge dessen würden sich unter anderem die Regale in den Supermärkten schnell leeren, so der Experte.

Nicht vorbereitet auf den totalen Blackout

Auf einen flächendeckenden Stromausfall großen Ausmaßes seien wir nicht vorbereitet, sagt der Experte. Krankenhäuser zum Beispiel besäßen zwar Notstromaggregate. Bei einem deutschland- oder europaweiten Stromausfall werde aber zum Beispiel eine Evakuierung der Krankenhäuser nicht möglich sein. Hilfe von außen könne nicht mehr geholt werden, ein Ausweichen in ein nicht vom Stromausfall betroffenes Gebiet sei nicht mehr möglich.

In Deutschland, der Schweiz und Österreich werde versucht, sich professionell auf solche Szenarien vorzubereiten. Trotzdem: Wenn die Bevölkerung unvorbereitet der Situation ausgesetzt sei, einen langen Zeitraum ohne Wasser, Lebensmittel und Medikamente auskommen zu müssen, könne keinerlei organisierte Hilfe greifen.

„Stromversorgung ist nicht naturgegeben“

Weil wir in Mitteleuropa eine sehr hohe Versorgungssicherheit haben, gingen immer mehr Menschen davon aus, diese sei naturgegeben. Das stimme aber nicht.

„In Mitteleuropa glauben viele Menschen, die Stromversorgung sei naturgegeben. Genau das ist der Fehler und das Gefährliche dabei.“

Eine Untersuchung des Deutschen Bundestags etwa komme zu dem Schluss: Ein Stromausfall im gesamten Land würde nach einer Woche zu einer „Katastrophe unfassbaren Ausmaßes“ führen, so Saurugg. Eine ernsthafte Diskussion sei dringend notwendig. Er sei verwundert, dass ein großflächiger Stromausfall bisher noch nicht passiert ist. So wie die Planungen auf europäischer Ebene laufen, gehe er „fix davon aus, dass wir das erleben werden.“

„Es ist nicht die Frage, ob es zu einem großflächigen Stromausfall kommen wird, sondern wann.“