Quelle: www.mz-web.de

Es ist ein Horrorszenario, das einigen Einwohnern des Landkreises durch den Orkan „Friederike“ jetzt deutlich vor Augen geführt wurde. Mehrere Stunden, teilweise sogar einige wenige Tage lang gab es beispielsweise in manchen Regionen des Landkreises keinen Strom.

Sicherlich waren die Ereignisse dieser Stunden weit von einem anhaltenden flächendeckenden Stromausfall entfernt. Doch rufen sie die Verletzlichkeit der Infrastruktur ins Bewusstsein. Bei aller Unwahrscheinlichkeit – ein Ausfall des kompletten Stromnetzes kann nie vollkommen ausgeschlossen werden.

Wie ist der Landkreis vorbereitet, wenn es einen großen, flächendeckenden Stromausfall gibt, einen sogenannten Blackout? Dieses Ereignis, also ein Stromausfall im gesamten Landkreis für einen Zeitraum von mindestens 48 Stunden, ist extrem unwahrscheinlich. Dennoch: Was passiert, wenn durch ein unvorhergesehenes Ereignis plötzlich die Energieversorgung im Landkreis gekappt wird? 

„Natürlich wird dann das Chaos ausbrechen“, sagt Jörg Gericke, Sachgebietsleiter für Brand- und Katastrophenschutz. Denn ganz klar: Die heutige Gesellschaft sei von der Stromversorgung abhängig. Es funktioniere dann nicht nur der Kühlschrank nicht, auch die Kaufhallen wären geschlossen, Einkaufen unmöglich. Tankstellen blieben geschlossen, die Toiletten funktionierten nicht, sogar das ganze Abwassersystem käme zum Erliegen.

„Wenn ein längerfristiger Stromausfall eintritt, ist das mit das Schlimmste, was passieren kann.“ Gerade die jüngere Generation habe ja das Gefühl, dass der Strom immer verfügbar ist. Wenn doch nicht, dann greift eine konkrete Reihenfolge an Maßnahmen.

Der Katastrophenfall tritt ein, wenn das gesellschaftliche Leben nicht mehr aufrecht erhalten werden kann. Wenn die Landrätin dann den Katastrophenfall ausruft, übernimmt Christine Hepner, Leiterin des Katastrophenschutzes, das Kommando. Ein spezieller Krisenstab sorgt für die Koordinierung der Aufgaben, die dann anfallen. Wie geht man mit dem verbleibenden Wasser um und wer bekommt das verfügbare? Solche Entscheidungen sind nun zwangsläufig. „Das erfolgt alles in Absprache mit den Gemeinden“, sagt Hepner. „Dort werden dann Betreuungspunkte eingerichtet, wo man den Überblick hat.“

In der Leitstelle wird die Arbeit dann in sechs Sachgebiete aufgeteilt, die sich beispielsweise um die Versorgung der Bevölkerung, Information und Kommunikation oder auch um das Thema Lage kümmern. „Der Lagekartenführer spielt in einer solchen Situation eine wichtige Rolle“, sagt Gericke.

Krankenhäuser oder andere als kritische Infrastruktur geltenden Einrichtungen sind ohnehin dazu angehalten, selbst für die Versorgung im Fall des Stromausfalls zu sorgen. Dies geschieht durch sogenannte Netzersatzanlagen, auch die Leitstelle hat eine. Sie werden mit Treibstoff angetrieben.

Bei einem Blackout läuft vieles parallel. Der Landkreis versucht über seine Leitstelle die Koordinierung, die Stromversorger arbeiten autark an einer Lösung – und die Bevölkerung hilft sich selbst. „Es würde so sein, dass die Nachbarschaftshilfe wieder in Gang kommen würde“, vermutet Christine Hepner. In der Not würde die Gesellschaft zusammenrücken.

„In modernen Gesellschaften ist eigentlich alles vorhanden, aber wehe dem, es passiert etwas Einschneidendes“

Kommentar

Es ist gut, dass das Thema angesprochen wird, vor allem, aufgrund der jüngsten regionalen Ausfälle. Es muss nicht immer gleich das ganz Große Ereignis sein. Es wurde auch richtiger weise angesprochen, dass die Bevölkerung für sich selbst sorgen wird müssen, auch wenn zuvor der Anschein erweckt wurde, dass der Krisenstab schon etwas abnehmen wird. Aber das wird nur sehr eingeschränkt und punktuell möglich sein. Zum Thema Treibstoffnotversorgung sei nur auf die Publikation Treibstoffversorgung bei Stromausfall: Empfehlung für Zivil- und Katastrophenschutzbehörden verwiesen. Wenig Grund für Optimismus. Daher wurden zwar wichtige Punkte angesprochen, aber der Hauptfaktor Personal & Bevölkerung müsste noch viel stärker hervorgehoben werden. Denn im Chaos und mit nur mehr sehr eingeschränkten Kommunikationsmitteln funktioniert nur mehr eine lokale Selbstorganisation, die hoffentlich durch die Verfügbarkeit von Selbsthilfe-Basen unterstützt wird. Alles was nicht auf lokaler Ebene gelöst werden kann, wird auch kaum weiter „oben“ gelöst werden können. Die geübte Praxis, Probleme nach „oben“ zu transferieren wird in einem solchen Krisenfall ziemlich rasch nicht mehr funktionieren bzw. auch diese Reststrukturen überlasten.