Übungsseite: Blackout 2018

Es ist ein kalter Februar mit starken Schneefällen und plötzlich fällt der Strom aus – europaweit und längerfristig. Ein sogenannter „Blackout“ ist das Szenario, das gerade in der dreitägigen Katastrophenschutzübung „Combined Success 2018“ von insgesamt fast 120 Teilnehmenden bewältigt werden muss. Erstmals läuft solch eine Übung in drei Bezirken und einem Magistrat gleichzeitig: St. Veit, Wolfsberg, Klagenfurt-Land und die Landeshauptstadt Klagenfurt haben Bezirkskrisenstäbe hochgefahren. Der von mehreren Experten unterstützte Landeskrisenstab fungiert gleichzeitig als Übungsleitung. Absolviert wird die Übung von den behördlichen Stäben als Planspiel quasi auf dem Reißbrett, Einsatzkräfte zum Beispiel werden also nicht real, sondern nur annahmeweise ausgeschickt. Für die Bevölkerung gibt es durch die Übung selbstverständlich keine Einschränkungen.

„Combined Success 2018“ läuft seit heute, Dienstag, und dauert noch bis Donnerstag zu Mittag an. Neben den Bediensteten aus dem Amt der Kärntner Landesregierung, der Bezirkshauptmannschaften und des Magistrates Klagenfurt sind Experten von Kelag/Kärnten Netz GmbH, Stadtwerke Klagenfurt, Energielenkungsbeirat, Kabeg, ÖBB Infrastruktur AG, Sozialhilfeverband Klagenfurt-Land, Apothekerkammer Kärnten, Zivilschutzverband Kärnten, Bundesheer, Polizei, Rotem Kreuz, Feuerwehr und aus dem Lebensmittelhandel beteiligt. Quelle: www.ktn.gv.at

Im Rahmen der Katastrophenschutzübung „Combined Success 2018“ erfolgte heute, Mittwoch, beim Regierungsgebäude am Arnulfplatz 1 eine reale Stromabschaltung mit Zuschaltung eines rund zwei Tonnen schweren, 100 PS (72 kW) starken Notstromaggregates – zum Vergleich: Aggregate für den „Hausgebrauch“ haben rund 5 PS. Im Zuge einer Brandschutzübung wurden zudem alle Bediensteten aus dem Haus evakuiert. „Es hat fast alles sehr gut funktioniert. Wir haben wichtige Erkenntnisse für einen nicht ausgeschlossenen Ernstfall gewonnen“, resümiert Landesamtsdirektor Dieter Platzer und verweist auf die Wichtigkeit solcher Sicherheitsübungen. Unter anderem ist es in der Übung geplant, für die fiktive Information der Bevölkerung Zeitungs-Notausgaben in Kooperation von Landespressedienst mit Kleine Zeitung und Kronenzeitung zu produzieren. Quelle: www.ktn.gv.at

„In der Abarbeitung von kritischen Sachverhalten kamen jedoch viele Herausforderungen zu Tage (Versorgung, Medikamente, Nahrungsmittel, Trinkwasser, Transporte, etc.), für die eine Lösung erst erarbeitet werden muss. Wichtig wird sein, das Bewusstsein bei der Bevölkerung für einen Blackout zu schärfen und darauf hinzuweisen, dass in jedem Haushalt entsprechende Vorbereitungen getroffen werden sollen“, so die Bezirkshauptfrau.

Der Bezirkshauptmann von Wolfsberg, Georg Fejan, betont, dass der Bezirk bei „Blackout-Szenarien“ auf sich gestellt sei, den Großteil der Probleme müsse man vor Ort mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen lösen. „Dass sich die handelnden Personen im Bezirkskrisenstab persönlich kennen, erleichtert das rasche und unkomplizierte Arbeiten im Stab. In Wolfsberg hat sich die zusätzliche Einbindung von Bergrettung, Wasserrettung und Amateurfunk sehr bewährt. Chaos und Tumult können bei einem Blackout am wirksamsten vermieden werden, wenn auch der Zivilschutz, die Gemeinden und die Bevölkerung entsprechend vorgesorgt haben“, so Fejan. Quelle: www.ktn.gv.at

„Das Bedrohungsszenario eines länger dauernden flächendeckenden Stromausfalls ist längst nicht mehr nur Inhalt von diversen Kino-Filmen, sondern durchaus realund wird von Katastrophenschützern weltweit sehr ernst genommen. Deswegen ist es wichtig, dass jede und jeder Einzelne von uns und insbesondere die für die öffentliche Sicherheit und Ordnung zuständigen Institutionen und Behörden für den Ernstfall bestens aufeinander abgestimmt und vorbereitet sind. Es ist alles zu tun, um im Fall der Fälle die öffentliche Ordnung zu erhalten und die Menschen in Kärnten vor Schaden zu bewahren“, betont Kaiser die Notwendigkeit, derartige Pläne vorzubereiten.

Die Combined Success Übung habe allen Beteiligten wieder wertvolle Erkenntnisse für den Ernstfall gebracht und auch die Sensibilität in der Bevölkerung für dieses Thema erhöht. „Ich appelliere an dieser Stelle noch einmal an alle Kärntnerinnen und Kärntner: Ein Notfallpaket mit batteriebetriebenem Radio, Kerzen, Lebensmitteln, Wasser & Co. sollte es in jedem Haushalt auf Vorrat geben“, so Fellner. Quelle: www.ktn.gv.at

Der Verkehr wird binnen weniger Stunden eingeschränkt, es kann kein Sprit gezapft werden: „Das Wichtigste ist, dass die Einsatzkräfte versorgt sind, die für die Bevölkerung da sind. Im städtischen Bereich sollen die Menschen mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Hause gebracht werden.“ Aus Erfahrung wisse man, dass die ÖBB noch ca. vier Stunden nach einem Stromausfall fahren können.

Die Gemeinden müssen sich darum kümmern, dass Notquartiere etwa in Schulen und Sporthallen eingerichtet werden. Dort müsse es auch ärztliche und medikamentöse Versorgung geben. Ob es zu Chaos oder Plünderungen komme, hänge von der Dauer des Blackouts ab. Auch bei der Übung sei man im Stress und versuche, so realistisch wie möglich zu arbeiten. Nach der Übung soll ein Alarmplan erstellt werden. Quelle: kaernten.orf.at

Wesentliche Erkenntnisse 

Aus einem Bericht:

  • Es wäre eine Notfallbevorratung in den Haushalten zweckmäßig (Wasser, Grundnahrungsmittel, Medikamente, Batterien, usw.)
  • Es gibt Unterschiede zwischen Stadt und Landbezirken hinsichtlich Zugriff auf die Polizeikräfte, Eigenbedarf an Betriebsmittel (z. B. 2.000 Liter Diesel am Tag  in einem Bezirk), Anzahl der zu schützenden Infrastrukturen
  • Auch Zentralllebensmittellager können „Just-in-time“ betrieben sein (morgens voll, abends leer)
  • Apotheken haben eine Lagerreichweite von 1,5 – 3 Tage
  • Betriebsmittelversorgung für max. 2,5 Tage
  • Infrastruktur für Notquartiere ist ausreichend vorhanden (Problembereich: Heizung)
  • Pflegeeinrichtungen verfügen über keinen Anschluss für ein Notstromaggregat (Antrag an die Politik, des in der Bauordnung für Pflegeeinrichtungen zu berücksichtigen)
  • In Kärnten gibt es (noch) keinen digitalen Behördenfunk; Funkamateure wurden eingebunden

Kommentar

Grundsätzlich ist jede Übung ein Gewinn für die Krisenvorsorge, besonders wenn sie so breit angelegt ist, wie diese. In der Krise Köpfe kennen (3K) ist ein wichtiger Grundsatz in der Krisenvorsorge. 

Ob eine Brandschutzübung dazu geeignet ist, um auf ein Blackout besser vorbereitet zu sein, darf bezweifelt werden. Stutzig sollte machen, dass der Landeskrisenstab offensichtlich über kein fixes Notstromaggregat verfügt und ein mobiles Notstromaggregat benötigt. Ob eine Zeitungs-Notausgabe im Fall eines Blackouts funktionieren würde, darf mehr als bezweifelt werden. Wie soll diese ohne Strom produziert werden? Und wie soll sie auch noch in der Phase 2 verteilt werden, wenn weder Telekommunikation noch Treibstoffversorgung funktionieren? Zumindest hat die Übungsausgabe hoffentlich viele Menschen erreicht und zum Nachdenken angestoßen.

Dass die ÖBB bei einem Blackout noch 4 Stunden den Betrieb aufrechterhalten kann, darf mehr als bezweifelt werden, da eine sehr hohe Abhängigkeit von der öffentlichen Stromversorgung besteht. Auch der öffentliche Verkehr in der Stadt wird kaum mehr funktionieren. Vielleicht noch in kleineren Städten, wo es nicht gleich zum Verkehrskollaps kommt. Die Einrichtung von Notquartieren wird durchaus notwendig werden, nämlich für Pendler und Touristen! Ob diese dann wirklich betrieben und versorgt werden können, hängt vor allem von den Vorbereitungen ab. Zum anderen geht es um die Einrichtung von Selbsthilfe-Basen, um die Selbstorganisation zu unterstützen.

Erfreulich ist die Erkenntnis, dass es vor allem um die Bevölkerung geht, die vorbereitet werden muss! Ansonsten sind alle anderen Bemühungen auf Sand gebaut!

Stabsrahmenübungen wie diese sind wichtig, um die Abläufe in Stäben zu üben. Die Ergebnisse sagen dennoch wenig darüber aus, wie das ganze dann in der Realität funktionieren wird, da dazu noch viel mehr Menschen zusammenwirken und die Kommunikationsinfrastruktur zur Verfügung stehen müssen. Und gerade hier gibt es bei einem Blackout erhebliche Unsicherheiten. Daher gilt einmal mehr: Wir dürfen uns durch solche Aktivitäten nicht in falsche Sicherheit wiegen lassen. So lange sich nicht die breite Öffentlichkeit mit diesem Szenario und dessen Bewältigung beschäftigt, sind wir weit weg von einer wirklichen Vorbereitung.

Zu den wesentlichen Erkenntnissen: Es ist schön, wenn nun die Praxis auch das bestätigt, was hier schon lange und deutlich aufgezeigt wird. Aber wo bleiben die Konsequenzen? Wie viel Zeit wollen wir noch verstreichen lassen, bis uns der Ernst der Lage wirklich bewusst wird?