Quelle: kommunal.de

Es ist die Horrorvision einer jeden Kommune: Mitten in der Nacht brechen in der Region alle Stromnetze zusammen. Der totale Blackout. Was tun? Szenarien wie dieses bilden den Hintergrund für das Projekt „Interkommunale Konzepte zur Stärkung der Resilienz von Ballungsgebieten (INTERKOM), finanziert vom Bundesforschungsministerium. Von 2014 bis 2017 untersuchte die Universität Paderborn in Zusammenarbeit mit dem Innen- und Gesundheitsministerium NRW, dem Robert-Koch-Institut, weiteren universitären Partnern wie Kommunen sich am besten für den Ernstfall rüsten können. Dabei ging es vorrangig um das Handling eines flächendeckenden Stromausfalls, aber auch um den Ausbruch von Pandemien oder einen Angriff mit Biowaffen. Für das Projekt rief die Uni deutsche Städte zur Unterstützung auf. An INTERKOM beteiligten sich unter anderem Dortmund, Gelsenkirchen, Bochum, Essen, Büdingen, Solingen und der Landkreis Osnabrück.

Armand Schulz, bis zum Abschluss des Projektes Projektleiter an der Uni Paderborn: „Unsere Kommunen fangen – bis auf wenige Ausnahmen – erst jetzt an, sich mit solchen, durchaus realistischen, Szenarien auseinanderzusetzen. Einige wenige – etwa Dortmund – haben immerhin bereits Planungen für den Pandemiefall. In Hannover gibt es bereits sehr gute Notfallpläne für einen flächendeckenden Stromausfall. Ausgangspunkt unserer Überlegungen war folglich, dass alle deutschen Städte entsprechende Notfallpläne entwickeln sollten. Und dafür haben wir an der Uni Paderborn Grundlagen erarbeitet.“

Armand Schulz hat sich besonders mit Prozessmanagement in Krisensituationen sowie mit Kommunikations- prozessen und einer bestmöglichen Zusammenarbeit im Krisenmanagement beschäftigt: „Grundsätzlich gilt: Kommunen müssen vor Eintritt des Ernstfalls Aufgaben priorisiert und Zuständigkeiten festgelegt haben. Ganz oben auf der Liste: Die Versorgung der Bevölkerung mit allem Lebensnotwendigem und das Funktionieren des Rettungsdienstes. Abläufe sollten bestmöglich koordiniert werden und ein Krisenstab gut etabliert sein. Und ganz wichtig: Sicherstellen, dass unter erschwerten Bedingungen Kommunikationswege offen gehalten werden“, erklärt der Projektleiter. „Anhand dieser Kriterien haben wir in den teilnehmenden Städten in mehr als 100 Workshops die IST-Situation studiert und Lösungselemente für Notfallkonzepte herausgefiltert.“ Ganz oben auf der Liste kommunaler Maßnahmen steht für Armand Schulz in jedem Fachbereich die Kernaufgaben in einer Krisensituation zu identifizieren, Maßnahmen zu deren Aufrechterhaltung zu entwickeln und das Handling einer Krisensituation im kommunalen Krisenstab zu üben. „Erfahrungen aus anderen Projekten haben uns gezeigt, dass in einem ungeübten Team die Beteiligten schon nach kurzer Zeit Stresssymptome zeigen, die dann die notwendige, schnelle und zieloriente Handlungsfähigkeit stark einschränken können.“ Keine guten Voraussetzungen, wenn man als kommunaler Mitarbeiter gerade helfen muss, eine Stadt im Ausnahmezustand zu managen und Sicherheit und Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen.

Aktuell im Aufbau befinden sich Notfallpläne, Prozessdatenbänke und Maßnahmenkataloge, die für alle deutschen Kommunen nutzbar gemacht werden sollen. Eins zu eins auf jede Kommune übertragen lassen sich die Ergebnisse der Forschungsgruppen des Projektes INTERKOM allerdings nicht: Armand Schulz: „Jede Stadt hat ihre eigenen Besonderheiten und Strukturen, die beachtet werden müssen. Beispielsweise kann es in einer Kommune wichtig sein, das Methadon-Programm für Suchtkranke im Katastrophenfall aufrechtzuerhalten, während dies in einer anderen Kommune kaum relevant ist. „Ehemalige Bergbauregionen wie das Ruhrgebiet wären im Fall eines Stromausfalls besonders gefährdet. Denn was sich in diesem Ausmaß wahrscheinlich kaum jemand vorstellen kann: Wenn in einer Stadt wie Gelsenkirchen die Grundwasserpumpen nicht mehr arbeiten, dann wird Gelsenkirchen ganz schnell zu einer Seenplatte.“

Kommentar

Einzelne Berichte sind über die Universitätsbibliothek Leibniz abrufbar. Weitere Ausarbeitungen und Zusammenfassungen werden folgen. Hier sei auch auf den Leitfaden „Meine Gemeinde auf ein Blackout vorbereiten“ verwiesen.