Quelle: Oberösterreichischer Zivilschutzverband

Oberösterreicher sind überzeugt, das Land OÖ ist gut auf Katastrophenfälle vorbereitet – persönliche Vorbereitung hinkt hinterher

„Die aktuelle Umfrage, durchgeführt von IMAS international, zeigt, dass 29 % der Befragten der Meinung sind, Oberösterreich ist sehr gut auf Katastrophen und Unfälle wie Hochwasser, Stromausfälle, Sturmkatastrophen oder Atomunfälle vorbereitet. Rund drei Fünftel der oberösterreichischen Bevölkerung (61%) empfinden eine einigermaßen gute Vorbereitung ihres Bundeslandes auf solche Katastrophen“, erklärt OÖ ZivilschutzPräsident NR Mag. Michael Hammer.

Im Vergleich dazu, fühlt sich nur ein Zehntel der Oberösterreicher selbst sehr gut (11%) auf Katastrophen und Unfälle vorbereitet. 48% geben an, einigermaßen gut dafür gewappnet zu sein. Mindestens jeder vierte Oberösterreicher (29%) schätzt seine persönlichen Präventionsmaßnahmen nicht besonders gut ein, 11 Prozent sind laut eigenen Angaben gar nicht gut vorbereitet. Auch hier ist ein Altersgefälle sichtbar, ältere Menschen (60+ J.) fühlen sich besser gerüstet als jüngere (16-34 J.)

IMAS-Wie gut ist man persoenlich auf Katastrophen vorbereitet

Informationsbedarf ist groß – Kenntnisstand widerspricht dieser Aussage

Insgesamt wird den Informationen für die Bewältigung von Katastrophen eine große Bedeutung zugeschrieben: Drei Viertel der Oberösterreicher (74%) empfinden Informationen für die Katastrophenbewältigung als sehr wichtig. Ein weiteres Fünftel (21%) nimmt Informationen als einigermaßen wichtig wahr. Kaum jemand sieht diese als irrelevant an.

Eine Diskrepanz zwischen der Wichtigkeit und dem Kenntnisstand der Informationen ist spürbar: Generell fühlen sich Oberösterreicher gut über unterschiedliche Gefahren und über eine spezielle Vorsorge informiert: Ein Viertel (24%) schätzt ihren Informationsstand als sehr gut ein, die Hälfte als einigermaßen gut. Ein Viertel hingegen meint, entweder nicht besonders (19%) oder gar nicht informiert (7%) zu sein.

„Diese Zahlen spiegeln einen typischen Verdrängungsmechanismus wider, der auch in anderen Lebensbereichen vorkommt: Wenn das Land gut vorbereitet ist, brauche ich selbst nichts zu machen.“, sagt DDr. Paul Eiselsberg von IMAS international, „Auch die Diskrepanz zwischen dem Bewusstsein und dem tatsächlichen Setzen von Aktivitäten ist spürbar.“

"Und für wie wichtig halten Sie eigentlich Informationen für die Bewältigung einer solchen Katastrophe?"

Notwendige Dinge für die Eigenvorsorge

Im Durchschnitt nennt der Oberösterreicher 3,2 Dinge, die er in Vorbereitung auf solche Katastrophenfälle benötigen würde. Darunter ist der Bedarf an Wasser bzw. Getränken (76%) sowie haltbaren Lebensmittel bzw. Grundnahrungsmittel (67%) deutlich am größten.

Hier spiegelt sich der niedrige Kenntnisstand über die Vorsorge wider, das Bewusstsein für technische Notfallgeräte ist gering. „Das Notfallradio als wichtige Informationsquelle im Katastrophenfall wird unterschätzt und kommt im Ranking erst an elfter Stelle vor“, erklärt OÖ Zivilschutz-Präsident NR Mag. Michael Hammer, „dabei sind bei solchen Krisenszenarien Informationen der Behörden, die übers Radio verbreitet werden können, besonders wertvoll.“

Bei den alternativen Lichtquellen werden vor allem Kerzen genannt – hier sollte allerdings an die damit verbundene Brandgefahr gedacht werden.

Bereits an fünfter Stelle der Umfrage steht das Notstromaggregat: „Die Bürger vergessen oft, dass zur Anschaffung es Notstromaggregats auch bauliche Maßnahmen gehören – wir empfehlen anstelle von Notstromaggregaten die Anschaffung von einfachen Notfallgeräten, die auch ohne Strom funktionieren – ein kurbelbetriebenes Notfallradio oder eine Notkochstelle mit Brennpasten“, informiert OÖ Zivilschutz-Vizepräsident LAbg. Hermann Krenn.Welche Dinge würden Sie in einer solchen Situation benötigen?

Bei jeweils 5 von 8 Gefahrenquellen hat im Vergleich zu 2012 bzw. 2015 die Wichtigkeit der Informationen in der Kategorie „sehr wichtig“ zugenommen. Insbesondere das Thema Blackout legt deutlich an Informations-Bedeutung zu. „Dies zeigt, dass wir mit unserem Schwerpunkt auf dem Thema Blackout richtig liegen und gute Arbeit in der Bewusstseinsbildung dazu leisten“, freut sich OÖ Zivilschutz-Präsident NR Mag. Michael Hammer.

Gefahrenquellen

Eigenvorsorge für Katastrophenfälle notwendig

Der OÖ Zivilschutz appelliert an die Bürger, an ihre Eigenverantwortung zu denken und die Abstand zwischen dem Bewusstsein für mögliche Katastrophenfälle und dem aktiven Handeln durch Selbstschutzmaßnahmen zu schließen: „Wer vorsorgt, ist im Krisenfall klar im Vorteil und kann die Zeit bis zum Eintreffen der Einsatzorganisationen – die bei einer Katastrophe nicht überall sofort helfen können – gut überbrücken. Unser Ziel ist es, dass jeder Bürger mindestens eine Woche autark leben kann, das heißt, das Haus in dieser Zeit nicht verlassen muss und keine fremde Hilfe benötigt“, sagt OÖ Zivilschutz-Präsident NR Mag. Michael Hammer.

„Zivilschutz und somit der Selbstschutz ist der schnellste und deshalb effizienteste Schutz. Gerade in den ersten Minuten kann rasches Handeln Leben retten. Deshalb ist es wichtig, jederzeit auf Notfallsituationen vorbereitet zu sein“, ergänzt OÖ VizepräsidentZivilschutz-Vizepräsident LAbg. Alexander Nerat.

Vorsorgen für den Katastrophenfall, egal ob Blackout oder Naturkatastrophe, ist notwendig, aber auch sehr einfach – man muss nur drei Bereiche abdecken: ein ausreichender Lebensmittelvorrat, technische Hilfsgeräte und Medikamente/Hygieneartikel.

Kommentar

Diese Ergebnisse decken sich mit vielen anderen Erkenntnissen und zeigen eine deutliche Ambivalenz zwischen den Erwartungen und der erwartbaren Realität wider. Besonders gefährlich ist, dass hier auch ein massiver Vertrauensverlust im Fall eines weitreichenden Ereignisses gegenüber den staatlichen Strukturen zu erwarten ist, da die Erwartungen in keinster Weise erfüllt werden können. Hier ist noch sehr viel Aufklärungsarbeit erforderlich, die aber nur zögerlich wahrgenommen wird, da ja damit auch eine über viele Jahre aufgebaute Scheinsicherheit zerstört werden muss. Dabei geht es gar nicht darum, wer daran Schuld ist, denn das lässt sich nicht wirklich klären. Beide Seiten haben hier ihre Anteil. Entscheidend ist daher auch wie bereits im Beitrag LÜKEX 18: Gasmangellage in Süddeutschland – eine kritische Betrachtung angesprochen, damit aufzuhören, öffentliche Maßnahmen so zu kommunizieren, als könnte damit die persönliche Vorsorge ersetzt werden. Das wird ja wie auch in OÖ gezeigt wird, immer wieder gemacht, aber dieser Beisatz kommt offensichtlich zu wenig an. Daher wären hier zusätzliche Marketingprofis gefragt, die bei der Aufklärung unterstützen und Vorsorge zum „Lifestile-Thema“ machen. Zum anderen sollte davon abgerückt werden, sehr seltene Ereignisse als „sehr unwahrscheinlich“ zu bezeichnen, da man damit auch suggeriert, dass es eh keinen Handlungsbedarf gibt. Die Wahrscheinlichkeit lässt sich hier eben nicht seriös bewerten. Die katastrophalen Folgen eines solch möglichen oder ähnlichen Ereignisses aber sehr wohl. Daher geht es vor allem um unsere Verwundbarkeit!