Die Menschen im Land informieren sich indessen über einen existierenden Notfallplan. Darin ist vor Jahren mal festgelegt worden, in welcher Gemeinde wann und für wie lange im Notfall der Strom abgeschaltet wird. Man will ja schließlich wissen, wann man gegebenenfalls im Dunkeln sitzt.

„Da gibt es sichere Hinweise auf Machtspiele, die da im Gang sind. Die drehen sich um die Vorkehrungen und Verpflichtungen des Nuklearausstiegs.“

Womit wir zum Anfang des Beitrags zurückkehren. Electrabel ist nämlich ein Tochterunternehmen des französischen Engie-Konzerns. Und der, so heißt es, habe wenig Lust, sich an den Kosten des Atomausstiegs in Belgien zu beteiligen. Die Verhandlungen zwischen dem französischen Unternehmen und der belgischen Regierung laufen derzeit auf Hochtouren. Mit dem gleichzeitigen Abschalten von sechs AKW-Blöcken, vermutet Guido Cramps, wolle Engie längere Laufzeiten für seine abgeschriebenen und deshalb besonders lukrativen belgischen Atomkraftwerke durchsetzen. Gleichzeitig befürchten Experten, dass auch im Januar und Februar nächsten Jahres Belgien im Dunkeln sitzen könnte.

Update 24.10.18: Türkische Firma soll Belgien vor „Blackout“ retten

Belgien, das seinen Strombedarf zum größten Teil von Atomreaktoren deckt, fürchtet nun in weiten Teilen des Landes Stromausfall, da im November viele Atommeiler abgeschaltet sein werden. Nun soll eine türkische Firma mit ihren schwimmenden Kraftwerken anrücken. Die Verhandlungen mit der belgischen Regierung sind indes im Gange. Die schwimmenden Kraftwerke können die belgischen Häfen innerhalb von 20 Tagen erreichen, was eine große Rolle bei der Wahl der Firma spielte.  Die schwimmenden Reaktoren können an Erdgasleitungen und an Hochspannungsnetze verbunden werden und können somit den Stromengpass in Belgien verhindern. Quelle: www.trt.net.tr

Kommentar

Die belgische Stromversorgung ist ja bereits als Dauerproblem bekannt. Jedoch scheint es erneut zu einer Zuspitzung zu kommen. Der Artikel zeigt einige Fassetten auf, wo erst in der Zusammenschau die Tragweite und Gefährlichkeit klar wird. Es ist durchaus möglich, dass es hier um Machtspiele geht. Nichtsdestotrotz ist eine Warnung des (Übertragungs)netzbetreibers eine sehr ernste Sache und hat kaum mehr etwas mit den Machtspielen zu tun, da dieser per Gesetz („unbundling„) von den Energiekonzernen  getrennt wurde. Das Netz unterliegt dem regulierten Markt und der staatlichen Aufsicht, wodurch diese nur die Systemsicherheit im Auge haben sollten. Umso gewichtiger ist daher diese Warnung zu sehen! Frankreich importiert seit Jahren selbst im Winter Strom aus Deutschland. Zuletzt hat auch Deutschland angekündigt, in Zukunft auch importieren zu wollen. Es hat nur noch niemand gesagt, wer dann der Exporteur sein wird. Ganz abgesehen davon, dass man auch in der angesprochenen Solidargemeinschaft nicht wie beim Geld einfach ein paar virtuelle Zahlen transferieren kann. Der Strom muss auch über die bestehende Infrastruktur transportiert werden können, was bereits im Alltag zu einer zunehmenden  Herausforderung wird (siehe etwa  Engpassmanagement). 

Belgien importiert schon jetzt fast so viel Strom wie es die Netze zulassen: 5500 Megawatt Leistung können importiert werden und bereits jetzt gibt es aufgrund der maroden belgischen Kraftwerke Tage, an denen 5000 Megawatt importiert werden müssen. Das entspricht etwa der Hälfte des gesamten Stromverbrauchs des Königreichs mit seinen elf Millionen Einwohnern. Das Land steht an manchen Tagen kurz vor dem Blackout – und im November, wenn nur noch ein Atomkraftwerk am Netz sein wird, wird es ganz kritisch.

1.000 MW sollten im europäischen Verbundsystem beherrschbar sein. Jedoch steigt damit die Verwundbarkeit des Gesamtsystems und die Wahrscheinlichkeit für einen europaweiten Strom- und Infrastrukturausfall („Blackout“) weiter. Ein Blackout wird nicht durch ein Einzelereignis, sondern durch die Kumulation von an und für sich beherrschbaren Einzelereignissen ausgelöst.

[/et_pb_text][/et_pb_column][/et_pb_row][/et_pb_section]

„Ich habe an die europäische Solidarität appelliert. Und ich habe meine Amtskollegen in Holland, Deutschland und Frankreich angerufen, die mir alle drei ihre Solidarität zugesichert haben.“

Die Menschen im Land informieren sich indessen über einen existierenden Notfallplan. Darin ist vor Jahren mal festgelegt worden, in welcher Gemeinde wann und für wie lange im Notfall der Strom abgeschaltet wird. Man will ja schließlich wissen, wann man gegebenenfalls im Dunkeln sitzt.

„Da gibt es sichere Hinweise auf Machtspiele, die da im Gang sind. Die drehen sich um die Vorkehrungen und Verpflichtungen des Nuklearausstiegs.“

Womit wir zum Anfang des Beitrags zurückkehren. Electrabel ist nämlich ein Tochterunternehmen des französischen Engie-Konzerns. Und der, so heißt es, habe wenig Lust, sich an den Kosten des Atomausstiegs in Belgien zu beteiligen. Die Verhandlungen zwischen dem französischen Unternehmen und der belgischen Regierung laufen derzeit auf Hochtouren. Mit dem gleichzeitigen Abschalten von sechs AKW-Blöcken, vermutet Guido Cramps, wolle Engie längere Laufzeiten für seine abgeschriebenen und deshalb besonders lukrativen belgischen Atomkraftwerke durchsetzen. Gleichzeitig befürchten Experten, dass auch im Januar und Februar nächsten Jahres Belgien im Dunkeln sitzen könnte.

Update 24.10.18: Türkische Firma soll Belgien vor „Blackout“ retten

Belgien, das seinen Strombedarf zum größten Teil von Atomreaktoren deckt, fürchtet nun in weiten Teilen des Landes Stromausfall, da im November viele Atommeiler abgeschaltet sein werden. Nun soll eine türkische Firma mit ihren schwimmenden Kraftwerken anrücken. Die Verhandlungen mit der belgischen Regierung sind indes im Gange. Die schwimmenden Kraftwerke können die belgischen Häfen innerhalb von 20 Tagen erreichen, was eine große Rolle bei der Wahl der Firma spielte.  Die schwimmenden Reaktoren können an Erdgasleitungen und an Hochspannungsnetze verbunden werden und können somit den Stromengpass in Belgien verhindern. Quelle: www.trt.net.tr

Kommentar

Die belgische Stromversorgung ist ja bereits als Dauerproblem bekannt. Jedoch scheint es erneut zu einer Zuspitzung zu kommen. Der Artikel zeigt einige Fassetten auf, wo erst in der Zusammenschau die Tragweite und Gefährlichkeit klar wird. Es ist durchaus möglich, dass es hier um Machtspiele geht. Nichtsdestotrotz ist eine Warnung des (Übertragungs)netzbetreibers eine sehr ernste Sache und hat kaum mehr etwas mit den Machtspielen zu tun, da dieser per Gesetz („unbundling„) von den Energiekonzernen  getrennt wurde. Das Netz unterliegt dem regulierten Markt und der staatlichen Aufsicht, wodurch diese nur die Systemsicherheit im Auge haben sollten. Umso gewichtiger ist daher diese Warnung zu sehen! Frankreich importiert seit Jahren selbst im Winter Strom aus Deutschland. Zuletzt hat auch Deutschland angekündigt, in Zukunft auch importieren zu wollen. Es hat nur noch niemand gesagt, wer dann der Exporteur sein wird. Ganz abgesehen davon, dass man auch in der angesprochenen Solidargemeinschaft nicht wie beim Geld einfach ein paar virtuelle Zahlen transferieren kann. Der Strom muss auch über die bestehende Infrastruktur transportiert werden können, was bereits im Alltag zu einer zunehmenden  Herausforderung wird (siehe etwa  Engpassmanagement). 

Belgien importiert schon jetzt fast so viel Strom wie es die Netze zulassen: 5500 Megawatt Leistung können importiert werden und bereits jetzt gibt es aufgrund der maroden belgischen Kraftwerke Tage, an denen 5000 Megawatt importiert werden müssen. Das entspricht etwa der Hälfte des gesamten Stromverbrauchs des Königreichs mit seinen elf Millionen Einwohnern. Das Land steht an manchen Tagen kurz vor dem Blackout – und im November, wenn nur noch ein Atomkraftwerk am Netz sein wird, wird es ganz kritisch.

1.000 MW sollten im europäischen Verbundsystem beherrschbar sein. Jedoch steigt damit die Verwundbarkeit des Gesamtsystems und die Wahrscheinlichkeit für einen europaweiten Strom- und Infrastrukturausfall („Blackout“) weiter. Ein Blackout wird nicht durch ein Einzelereignis, sondern durch die Kumulation von an und für sich beherrschbaren Einzelereignissen ausgelöst.

[/et_pb_text][/et_pb_column][/et_pb_row][/et_pb_section]

Die Restlücke von 1.000 Megawatt, so Ministerin Marghem, wolle sie bei den Nachbarn besorgen:

„Ich habe an die europäische Solidarität appelliert. Und ich habe meine Amtskollegen in Holland, Deutschland und Frankreich angerufen, die mir alle drei ihre Solidarität zugesichert haben.“

Die Menschen im Land informieren sich indessen über einen existierenden Notfallplan. Darin ist vor Jahren mal festgelegt worden, in welcher Gemeinde wann und für wie lange im Notfall der Strom abgeschaltet wird. Man will ja schließlich wissen, wann man gegebenenfalls im Dunkeln sitzt.

„Da gibt es sichere Hinweise auf Machtspiele, die da im Gang sind. Die drehen sich um die Vorkehrungen und Verpflichtungen des Nuklearausstiegs.“

Womit wir zum Anfang des Beitrags zurückkehren. Electrabel ist nämlich ein Tochterunternehmen des französischen Engie-Konzerns. Und der, so heißt es, habe wenig Lust, sich an den Kosten des Atomausstiegs in Belgien zu beteiligen. Die Verhandlungen zwischen dem französischen Unternehmen und der belgischen Regierung laufen derzeit auf Hochtouren. Mit dem gleichzeitigen Abschalten von sechs AKW-Blöcken, vermutet Guido Cramps, wolle Engie längere Laufzeiten für seine abgeschriebenen und deshalb besonders lukrativen belgischen Atomkraftwerke durchsetzen. Gleichzeitig befürchten Experten, dass auch im Januar und Februar nächsten Jahres Belgien im Dunkeln sitzen könnte.

Update 24.10.18: Türkische Firma soll Belgien vor „Blackout“ retten

Belgien, das seinen Strombedarf zum größten Teil von Atomreaktoren deckt, fürchtet nun in weiten Teilen des Landes Stromausfall, da im November viele Atommeiler abgeschaltet sein werden. Nun soll eine türkische Firma mit ihren schwimmenden Kraftwerken anrücken. Die Verhandlungen mit der belgischen Regierung sind indes im Gange. Die schwimmenden Kraftwerke können die belgischen Häfen innerhalb von 20 Tagen erreichen, was eine große Rolle bei der Wahl der Firma spielte.  Die schwimmenden Reaktoren können an Erdgasleitungen und an Hochspannungsnetze verbunden werden und können somit den Stromengpass in Belgien verhindern. Quelle: www.trt.net.tr

Kommentar

Die belgische Stromversorgung ist ja bereits als Dauerproblem bekannt. Jedoch scheint es erneut zu einer Zuspitzung zu kommen. Der Artikel zeigt einige Fassetten auf, wo erst in der Zusammenschau die Tragweite und Gefährlichkeit klar wird. Es ist durchaus möglich, dass es hier um Machtspiele geht. Nichtsdestotrotz ist eine Warnung des (Übertragungs)netzbetreibers eine sehr ernste Sache und hat kaum mehr etwas mit den Machtspielen zu tun, da dieser per Gesetz („unbundling„) von den Energiekonzernen  getrennt wurde. Das Netz unterliegt dem regulierten Markt und der staatlichen Aufsicht, wodurch diese nur die Systemsicherheit im Auge haben sollten. Umso gewichtiger ist daher diese Warnung zu sehen! Frankreich importiert seit Jahren selbst im Winter Strom aus Deutschland. Zuletzt hat auch Deutschland angekündigt, in Zukunft auch importieren zu wollen. Es hat nur noch niemand gesagt, wer dann der Exporteur sein wird. Ganz abgesehen davon, dass man auch in der angesprochenen Solidargemeinschaft nicht wie beim Geld einfach ein paar virtuelle Zahlen transferieren kann. Der Strom muss auch über die bestehende Infrastruktur transportiert werden können, was bereits im Alltag zu einer zunehmenden  Herausforderung wird (siehe etwa  Engpassmanagement). 

Belgien importiert schon jetzt fast so viel Strom wie es die Netze zulassen: 5500 Megawatt Leistung können importiert werden und bereits jetzt gibt es aufgrund der maroden belgischen Kraftwerke Tage, an denen 5000 Megawatt importiert werden müssen. Das entspricht etwa der Hälfte des gesamten Stromverbrauchs des Königreichs mit seinen elf Millionen Einwohnern. Das Land steht an manchen Tagen kurz vor dem Blackout – und im November, wenn nur noch ein Atomkraftwerk am Netz sein wird, wird es ganz kritisch.

1.000 MW sollten im europäischen Verbundsystem beherrschbar sein. Jedoch steigt damit die Verwundbarkeit des Gesamtsystems und die Wahrscheinlichkeit für einen europaweiten Strom- und Infrastrukturausfall („Blackout“) weiter. Ein Blackout wird nicht durch ein Einzelereignis, sondern durch die Kumulation von an und für sich beherrschbaren Einzelereignissen ausgelöst.

[/et_pb_text][/et_pb_column][/et_pb_row][/et_pb_section]

Seit die Meldung über den drohenden Blackout die Runde macht, kratzt die Ministerin Strom zusammen. Am Mittwoch war sie zu einer Anhörung im Parlament vorgeladen. Dort überraschte sie mit der Nachricht, dass die für November prognostizierte Stromlücke nicht wie ursprünglich berichtet 1,700 Megawatt, sondern nur 1.000 Megawatt betrage. Das ist immer noch die Leistung eines extrem großen AKWs. 

Die Restlücke von 1.000 Megawatt, so Ministerin Marghem, wolle sie bei den Nachbarn besorgen:

„Ich habe an die europäische Solidarität appelliert. Und ich habe meine Amtskollegen in Holland, Deutschland und Frankreich angerufen, die mir alle drei ihre Solidarität zugesichert haben.“

Die Menschen im Land informieren sich indessen über einen existierenden Notfallplan. Darin ist vor Jahren mal festgelegt worden, in welcher Gemeinde wann und für wie lange im Notfall der Strom abgeschaltet wird. Man will ja schließlich wissen, wann man gegebenenfalls im Dunkeln sitzt.

„Da gibt es sichere Hinweise auf Machtspiele, die da im Gang sind. Die drehen sich um die Vorkehrungen und Verpflichtungen des Nuklearausstiegs.“

Womit wir zum Anfang des Beitrags zurückkehren. Electrabel ist nämlich ein Tochterunternehmen des französischen Engie-Konzerns. Und der, so heißt es, habe wenig Lust, sich an den Kosten des Atomausstiegs in Belgien zu beteiligen. Die Verhandlungen zwischen dem französischen Unternehmen und der belgischen Regierung laufen derzeit auf Hochtouren. Mit dem gleichzeitigen Abschalten von sechs AKW-Blöcken, vermutet Guido Cramps, wolle Engie längere Laufzeiten für seine abgeschriebenen und deshalb besonders lukrativen belgischen Atomkraftwerke durchsetzen. Gleichzeitig befürchten Experten, dass auch im Januar und Februar nächsten Jahres Belgien im Dunkeln sitzen könnte.

Update 24.10.18: Türkische Firma soll Belgien vor „Blackout“ retten

Belgien, das seinen Strombedarf zum größten Teil von Atomreaktoren deckt, fürchtet nun in weiten Teilen des Landes Stromausfall, da im November viele Atommeiler abgeschaltet sein werden. Nun soll eine türkische Firma mit ihren schwimmenden Kraftwerken anrücken. Die Verhandlungen mit der belgischen Regierung sind indes im Gange. Die schwimmenden Kraftwerke können die belgischen Häfen innerhalb von 20 Tagen erreichen, was eine große Rolle bei der Wahl der Firma spielte.  Die schwimmenden Reaktoren können an Erdgasleitungen und an Hochspannungsnetze verbunden werden und können somit den Stromengpass in Belgien verhindern. Quelle: www.trt.net.tr

Kommentar

Die belgische Stromversorgung ist ja bereits als Dauerproblem bekannt. Jedoch scheint es erneut zu einer Zuspitzung zu kommen. Der Artikel zeigt einige Fassetten auf, wo erst in der Zusammenschau die Tragweite und Gefährlichkeit klar wird. Es ist durchaus möglich, dass es hier um Machtspiele geht. Nichtsdestotrotz ist eine Warnung des (Übertragungs)netzbetreibers eine sehr ernste Sache und hat kaum mehr etwas mit den Machtspielen zu tun, da dieser per Gesetz („unbundling„) von den Energiekonzernen  getrennt wurde. Das Netz unterliegt dem regulierten Markt und der staatlichen Aufsicht, wodurch diese nur die Systemsicherheit im Auge haben sollten. Umso gewichtiger ist daher diese Warnung zu sehen! Frankreich importiert seit Jahren selbst im Winter Strom aus Deutschland. Zuletzt hat auch Deutschland angekündigt, in Zukunft auch importieren zu wollen. Es hat nur noch niemand gesagt, wer dann der Exporteur sein wird. Ganz abgesehen davon, dass man auch in der angesprochenen Solidargemeinschaft nicht wie beim Geld einfach ein paar virtuelle Zahlen transferieren kann. Der Strom muss auch über die bestehende Infrastruktur transportiert werden können, was bereits im Alltag zu einer zunehmenden  Herausforderung wird (siehe etwa  Engpassmanagement). 

Belgien importiert schon jetzt fast so viel Strom wie es die Netze zulassen: 5500 Megawatt Leistung können importiert werden und bereits jetzt gibt es aufgrund der maroden belgischen Kraftwerke Tage, an denen 5000 Megawatt importiert werden müssen. Das entspricht etwa der Hälfte des gesamten Stromverbrauchs des Königreichs mit seinen elf Millionen Einwohnern. Das Land steht an manchen Tagen kurz vor dem Blackout – und im November, wenn nur noch ein Atomkraftwerk am Netz sein wird, wird es ganz kritisch.

1.000 MW sollten im europäischen Verbundsystem beherrschbar sein. Jedoch steigt damit die Verwundbarkeit des Gesamtsystems und die Wahrscheinlichkeit für einen europaweiten Strom- und Infrastrukturausfall („Blackout“) weiter. Ein Blackout wird nicht durch ein Einzelereignis, sondern durch die Kumulation von an und für sich beherrschbaren Einzelereignissen ausgelöst.

[/et_pb_text][/et_pb_column][/et_pb_row][/et_pb_section]

Da machte nämlich eine alarmierende Nachricht aus der Unternehmenszentrale von Elia die Runde. Elia, das das ist der belgische Netzbetreiber. Und der ließ wissen: Im November ist die Versorgungssicherheit nicht gewährleistet. Anders ausgedrückt: In Belgien könnten zu Winterbeginn die Lichter ausgehen. Der Grund: Von den sieben Atomkraftwerksblöcken, die in Belgien Strom produzieren, werden im November sechs gleichzeitig vom Netz genommen. Wegen dringender Reparaturen.

Seit die Meldung über den drohenden Blackout die Runde macht, kratzt die Ministerin Strom zusammen. Am Mittwoch war sie zu einer Anhörung im Parlament vorgeladen. Dort überraschte sie mit der Nachricht, dass die für November prognostizierte Stromlücke nicht wie ursprünglich berichtet 1,700 Megawatt, sondern nur 1.000 Megawatt betrage. Das ist immer noch die Leistung eines extrem großen AKWs. 

Die Restlücke von 1.000 Megawatt, so Ministerin Marghem, wolle sie bei den Nachbarn besorgen:

„Ich habe an die europäische Solidarität appelliert. Und ich habe meine Amtskollegen in Holland, Deutschland und Frankreich angerufen, die mir alle drei ihre Solidarität zugesichert haben.“

Die Menschen im Land informieren sich indessen über einen existierenden Notfallplan. Darin ist vor Jahren mal festgelegt worden, in welcher Gemeinde wann und für wie lange im Notfall der Strom abgeschaltet wird. Man will ja schließlich wissen, wann man gegebenenfalls im Dunkeln sitzt.

„Da gibt es sichere Hinweise auf Machtspiele, die da im Gang sind. Die drehen sich um die Vorkehrungen und Verpflichtungen des Nuklearausstiegs.“

Womit wir zum Anfang des Beitrags zurückkehren. Electrabel ist nämlich ein Tochterunternehmen des französischen Engie-Konzerns. Und der, so heißt es, habe wenig Lust, sich an den Kosten des Atomausstiegs in Belgien zu beteiligen. Die Verhandlungen zwischen dem französischen Unternehmen und der belgischen Regierung laufen derzeit auf Hochtouren. Mit dem gleichzeitigen Abschalten von sechs AKW-Blöcken, vermutet Guido Cramps, wolle Engie längere Laufzeiten für seine abgeschriebenen und deshalb besonders lukrativen belgischen Atomkraftwerke durchsetzen. Gleichzeitig befürchten Experten, dass auch im Januar und Februar nächsten Jahres Belgien im Dunkeln sitzen könnte.

Update 24.10.18: Türkische Firma soll Belgien vor „Blackout“ retten

Belgien, das seinen Strombedarf zum größten Teil von Atomreaktoren deckt, fürchtet nun in weiten Teilen des Landes Stromausfall, da im November viele Atommeiler abgeschaltet sein werden. Nun soll eine türkische Firma mit ihren schwimmenden Kraftwerken anrücken. Die Verhandlungen mit der belgischen Regierung sind indes im Gange. Die schwimmenden Kraftwerke können die belgischen Häfen innerhalb von 20 Tagen erreichen, was eine große Rolle bei der Wahl der Firma spielte.  Die schwimmenden Reaktoren können an Erdgasleitungen und an Hochspannungsnetze verbunden werden und können somit den Stromengpass in Belgien verhindern. Quelle: www.trt.net.tr

Kommentar

Die belgische Stromversorgung ist ja bereits als Dauerproblem bekannt. Jedoch scheint es erneut zu einer Zuspitzung zu kommen. Der Artikel zeigt einige Fassetten auf, wo erst in der Zusammenschau die Tragweite und Gefährlichkeit klar wird. Es ist durchaus möglich, dass es hier um Machtspiele geht. Nichtsdestotrotz ist eine Warnung des (Übertragungs)netzbetreibers eine sehr ernste Sache und hat kaum mehr etwas mit den Machtspielen zu tun, da dieser per Gesetz („unbundling„) von den Energiekonzernen  getrennt wurde. Das Netz unterliegt dem regulierten Markt und der staatlichen Aufsicht, wodurch diese nur die Systemsicherheit im Auge haben sollten. Umso gewichtiger ist daher diese Warnung zu sehen! Frankreich importiert seit Jahren selbst im Winter Strom aus Deutschland. Zuletzt hat auch Deutschland angekündigt, in Zukunft auch importieren zu wollen. Es hat nur noch niemand gesagt, wer dann der Exporteur sein wird. Ganz abgesehen davon, dass man auch in der angesprochenen Solidargemeinschaft nicht wie beim Geld einfach ein paar virtuelle Zahlen transferieren kann. Der Strom muss auch über die bestehende Infrastruktur transportiert werden können, was bereits im Alltag zu einer zunehmenden  Herausforderung wird (siehe etwa  Engpassmanagement). 

Belgien importiert schon jetzt fast so viel Strom wie es die Netze zulassen: 5500 Megawatt Leistung können importiert werden und bereits jetzt gibt es aufgrund der maroden belgischen Kraftwerke Tage, an denen 5000 Megawatt importiert werden müssen. Das entspricht etwa der Hälfte des gesamten Stromverbrauchs des Königreichs mit seinen elf Millionen Einwohnern. Das Land steht an manchen Tagen kurz vor dem Blackout – und im November, wenn nur noch ein Atomkraftwerk am Netz sein wird, wird es ganz kritisch.

1.000 MW sollten im europäischen Verbundsystem beherrschbar sein. Jedoch steigt damit die Verwundbarkeit des Gesamtsystems und die Wahrscheinlichkeit für einen europaweiten Strom- und Infrastrukturausfall („Blackout“) weiter. Ein Blackout wird nicht durch ein Einzelereignis, sondern durch die Kumulation von an und für sich beherrschbaren Einzelereignissen ausgelöst.

[/et_pb_text][/et_pb_column][/et_pb_row][/et_pb_section]

Seit Jahren ringt Belgien um den Atomausstieg. Gerade erst hat die Atomaufsichtsbehörde FANC den Termin, an dem sie ein Konzept für die Ausstiegsdetails präsentieren wollte, wieder einmal verschoben. Seit Anfang der Woche allerdings fragen sich die Belgier, ob er nicht längst Tatsache ist, der Atomausstieg.

Da machte nämlich eine alarmierende Nachricht aus der Unternehmenszentrale von Elia die Runde. Elia, das das ist der belgische Netzbetreiber. Und der ließ wissen: Im November ist die Versorgungssicherheit nicht gewährleistet. Anders ausgedrückt: In Belgien könnten zu Winterbeginn die Lichter ausgehen. Der Grund: Von den sieben Atomkraftwerksblöcken, die in Belgien Strom produzieren, werden im November sechs gleichzeitig vom Netz genommen. Wegen dringender Reparaturen.

Seit die Meldung über den drohenden Blackout die Runde macht, kratzt die Ministerin Strom zusammen. Am Mittwoch war sie zu einer Anhörung im Parlament vorgeladen. Dort überraschte sie mit der Nachricht, dass die für November prognostizierte Stromlücke nicht wie ursprünglich berichtet 1,700 Megawatt, sondern nur 1.000 Megawatt betrage. Das ist immer noch die Leistung eines extrem großen AKWs. 

Die Restlücke von 1.000 Megawatt, so Ministerin Marghem, wolle sie bei den Nachbarn besorgen:

„Ich habe an die europäische Solidarität appelliert. Und ich habe meine Amtskollegen in Holland, Deutschland und Frankreich angerufen, die mir alle drei ihre Solidarität zugesichert haben.“

Die Menschen im Land informieren sich indessen über einen existierenden Notfallplan. Darin ist vor Jahren mal festgelegt worden, in welcher Gemeinde wann und für wie lange im Notfall der Strom abgeschaltet wird. Man will ja schließlich wissen, wann man gegebenenfalls im Dunkeln sitzt.

„Da gibt es sichere Hinweise auf Machtspiele, die da im Gang sind. Die drehen sich um die Vorkehrungen und Verpflichtungen des Nuklearausstiegs.“

Womit wir zum Anfang des Beitrags zurückkehren. Electrabel ist nämlich ein Tochterunternehmen des französischen Engie-Konzerns. Und der, so heißt es, habe wenig Lust, sich an den Kosten des Atomausstiegs in Belgien zu beteiligen. Die Verhandlungen zwischen dem französischen Unternehmen und der belgischen Regierung laufen derzeit auf Hochtouren. Mit dem gleichzeitigen Abschalten von sechs AKW-Blöcken, vermutet Guido Cramps, wolle Engie längere Laufzeiten für seine abgeschriebenen und deshalb besonders lukrativen belgischen Atomkraftwerke durchsetzen. Gleichzeitig befürchten Experten, dass auch im Januar und Februar nächsten Jahres Belgien im Dunkeln sitzen könnte.

Update 24.10.18: Türkische Firma soll Belgien vor „Blackout“ retten

Belgien, das seinen Strombedarf zum größten Teil von Atomreaktoren deckt, fürchtet nun in weiten Teilen des Landes Stromausfall, da im November viele Atommeiler abgeschaltet sein werden. Nun soll eine türkische Firma mit ihren schwimmenden Kraftwerken anrücken. Die Verhandlungen mit der belgischen Regierung sind indes im Gange. Die schwimmenden Kraftwerke können die belgischen Häfen innerhalb von 20 Tagen erreichen, was eine große Rolle bei der Wahl der Firma spielte.  Die schwimmenden Reaktoren können an Erdgasleitungen und an Hochspannungsnetze verbunden werden und können somit den Stromengpass in Belgien verhindern. Quelle: www.trt.net.tr

Kommentar

Die belgische Stromversorgung ist ja bereits als Dauerproblem bekannt. Jedoch scheint es erneut zu einer Zuspitzung zu kommen. Der Artikel zeigt einige Fassetten auf, wo erst in der Zusammenschau die Tragweite und Gefährlichkeit klar wird. Es ist durchaus möglich, dass es hier um Machtspiele geht. Nichtsdestotrotz ist eine Warnung des (Übertragungs)netzbetreibers eine sehr ernste Sache und hat kaum mehr etwas mit den Machtspielen zu tun, da dieser per Gesetz („unbundling„) von den Energiekonzernen  getrennt wurde. Das Netz unterliegt dem regulierten Markt und der staatlichen Aufsicht, wodurch diese nur die Systemsicherheit im Auge haben sollten. Umso gewichtiger ist daher diese Warnung zu sehen! Frankreich importiert seit Jahren selbst im Winter Strom aus Deutschland. Zuletzt hat auch Deutschland angekündigt, in Zukunft auch importieren zu wollen. Es hat nur noch niemand gesagt, wer dann der Exporteur sein wird. Ganz abgesehen davon, dass man auch in der angesprochenen Solidargemeinschaft nicht wie beim Geld einfach ein paar virtuelle Zahlen transferieren kann. Der Strom muss auch über die bestehende Infrastruktur transportiert werden können, was bereits im Alltag zu einer zunehmenden  Herausforderung wird (siehe etwa  Engpassmanagement). 

Belgien importiert schon jetzt fast so viel Strom wie es die Netze zulassen: 5500 Megawatt Leistung können importiert werden und bereits jetzt gibt es aufgrund der maroden belgischen Kraftwerke Tage, an denen 5000 Megawatt importiert werden müssen. Das entspricht etwa der Hälfte des gesamten Stromverbrauchs des Königreichs mit seinen elf Millionen Einwohnern. Das Land steht an manchen Tagen kurz vor dem Blackout – und im November, wenn nur noch ein Atomkraftwerk am Netz sein wird, wird es ganz kritisch.

1.000 MW sollten im europäischen Verbundsystem beherrschbar sein. Jedoch steigt damit die Verwundbarkeit des Gesamtsystems und die Wahrscheinlichkeit für einen europaweiten Strom- und Infrastrukturausfall („Blackout“) weiter. Ein Blackout wird nicht durch ein Einzelereignis, sondern durch die Kumulation von an und für sich beherrschbaren Einzelereignissen ausgelöst.

[/et_pb_text][/et_pb_column][/et_pb_row][/et_pb_section]

Von den sieben Atomkraftwerksblöcken, die in Belgien Strom produzieren, werden im November sechs gleichzeitig vom Netz genommen wegen Reparaturen. Der Stromnetzbetreiber Elia warnt, die Versorgungssicherheit sei dann nicht mehr gewährleistet. Oder geht es um längere Laufzeiten für lukrative AKWs?

Seit Jahren ringt Belgien um den Atomausstieg. Gerade erst hat die Atomaufsichtsbehörde FANC den Termin, an dem sie ein Konzept für die Ausstiegsdetails präsentieren wollte, wieder einmal verschoben. Seit Anfang der Woche allerdings fragen sich die Belgier, ob er nicht längst Tatsache ist, der Atomausstieg.

Da machte nämlich eine alarmierende Nachricht aus der Unternehmenszentrale von Elia die Runde. Elia, das das ist der belgische Netzbetreiber. Und der ließ wissen: Im November ist die Versorgungssicherheit nicht gewährleistet. Anders ausgedrückt: In Belgien könnten zu Winterbeginn die Lichter ausgehen. Der Grund: Von den sieben Atomkraftwerksblöcken, die in Belgien Strom produzieren, werden im November sechs gleichzeitig vom Netz genommen. Wegen dringender Reparaturen.

Seit die Meldung über den drohenden Blackout die Runde macht, kratzt die Ministerin Strom zusammen. Am Mittwoch war sie zu einer Anhörung im Parlament vorgeladen. Dort überraschte sie mit der Nachricht, dass die für November prognostizierte Stromlücke nicht wie ursprünglich berichtet 1,700 Megawatt, sondern nur 1.000 Megawatt betrage. Das ist immer noch die Leistung eines extrem großen AKWs. 

Die Restlücke von 1.000 Megawatt, so Ministerin Marghem, wolle sie bei den Nachbarn besorgen:

„Ich habe an die europäische Solidarität appelliert. Und ich habe meine Amtskollegen in Holland, Deutschland und Frankreich angerufen, die mir alle drei ihre Solidarität zugesichert haben.“

Die Menschen im Land informieren sich indessen über einen existierenden Notfallplan. Darin ist vor Jahren mal festgelegt worden, in welcher Gemeinde wann und für wie lange im Notfall der Strom abgeschaltet wird. Man will ja schließlich wissen, wann man gegebenenfalls im Dunkeln sitzt.

„Da gibt es sichere Hinweise auf Machtspiele, die da im Gang sind. Die drehen sich um die Vorkehrungen und Verpflichtungen des Nuklearausstiegs.“

Womit wir zum Anfang des Beitrags zurückkehren. Electrabel ist nämlich ein Tochterunternehmen des französischen Engie-Konzerns. Und der, so heißt es, habe wenig Lust, sich an den Kosten des Atomausstiegs in Belgien zu beteiligen. Die Verhandlungen zwischen dem französischen Unternehmen und der belgischen Regierung laufen derzeit auf Hochtouren. Mit dem gleichzeitigen Abschalten von sechs AKW-Blöcken, vermutet Guido Cramps, wolle Engie längere Laufzeiten für seine abgeschriebenen und deshalb besonders lukrativen belgischen Atomkraftwerke durchsetzen. Gleichzeitig befürchten Experten, dass auch im Januar und Februar nächsten Jahres Belgien im Dunkeln sitzen könnte.

Update 24.10.18: Türkische Firma soll Belgien vor „Blackout“ retten

Belgien, das seinen Strombedarf zum größten Teil von Atomreaktoren deckt, fürchtet nun in weiten Teilen des Landes Stromausfall, da im November viele Atommeiler abgeschaltet sein werden. Nun soll eine türkische Firma mit ihren schwimmenden Kraftwerken anrücken. Die Verhandlungen mit der belgischen Regierung sind indes im Gange. Die schwimmenden Kraftwerke können die belgischen Häfen innerhalb von 20 Tagen erreichen, was eine große Rolle bei der Wahl der Firma spielte.  Die schwimmenden Reaktoren können an Erdgasleitungen und an Hochspannungsnetze verbunden werden und können somit den Stromengpass in Belgien verhindern. Quelle: www.trt.net.tr

Kommentar

Die belgische Stromversorgung ist ja bereits als Dauerproblem bekannt. Jedoch scheint es erneut zu einer Zuspitzung zu kommen. Der Artikel zeigt einige Fassetten auf, wo erst in der Zusammenschau die Tragweite und Gefährlichkeit klar wird. Es ist durchaus möglich, dass es hier um Machtspiele geht. Nichtsdestotrotz ist eine Warnung des (Übertragungs)netzbetreibers eine sehr ernste Sache und hat kaum mehr etwas mit den Machtspielen zu tun, da dieser per Gesetz („unbundling„) von den Energiekonzernen  getrennt wurde. Das Netz unterliegt dem regulierten Markt und der staatlichen Aufsicht, wodurch diese nur die Systemsicherheit im Auge haben sollten. Umso gewichtiger ist daher diese Warnung zu sehen! Frankreich importiert seit Jahren selbst im Winter Strom aus Deutschland. Zuletzt hat auch Deutschland angekündigt, in Zukunft auch importieren zu wollen. Es hat nur noch niemand gesagt, wer dann der Exporteur sein wird. Ganz abgesehen davon, dass man auch in der angesprochenen Solidargemeinschaft nicht wie beim Geld einfach ein paar virtuelle Zahlen transferieren kann. Der Strom muss auch über die bestehende Infrastruktur transportiert werden können, was bereits im Alltag zu einer zunehmenden  Herausforderung wird (siehe etwa  Engpassmanagement). 

Belgien importiert schon jetzt fast so viel Strom wie es die Netze zulassen: 5500 Megawatt Leistung können importiert werden und bereits jetzt gibt es aufgrund der maroden belgischen Kraftwerke Tage, an denen 5000 Megawatt importiert werden müssen. Das entspricht etwa der Hälfte des gesamten Stromverbrauchs des Königreichs mit seinen elf Millionen Einwohnern. Das Land steht an manchen Tagen kurz vor dem Blackout – und im November, wenn nur noch ein Atomkraftwerk am Netz sein wird, wird es ganz kritisch.

1.000 MW sollten im europäischen Verbundsystem beherrschbar sein. Jedoch steigt damit die Verwundbarkeit des Gesamtsystems und die Wahrscheinlichkeit für einen europaweiten Strom- und Infrastrukturausfall („Blackout“) weiter. Ein Blackout wird nicht durch ein Einzelereignis, sondern durch die Kumulation von an und für sich beherrschbaren Einzelereignissen ausgelöst.

[/et_pb_text][/et_pb_column][/et_pb_row][/et_pb_section]

Quelle: www.deutschlandfunk.de

Von den sieben Atomkraftwerksblöcken, die in Belgien Strom produzieren, werden im November sechs gleichzeitig vom Netz genommen wegen Reparaturen. Der Stromnetzbetreiber Elia warnt, die Versorgungssicherheit sei dann nicht mehr gewährleistet. Oder geht es um längere Laufzeiten für lukrative AKWs?

Seit Jahren ringt Belgien um den Atomausstieg. Gerade erst hat die Atomaufsichtsbehörde FANC den Termin, an dem sie ein Konzept für die Ausstiegsdetails präsentieren wollte, wieder einmal verschoben. Seit Anfang der Woche allerdings fragen sich die Belgier, ob er nicht längst Tatsache ist, der Atomausstieg.

Da machte nämlich eine alarmierende Nachricht aus der Unternehmenszentrale von Elia die Runde. Elia, das das ist der belgische Netzbetreiber. Und der ließ wissen: Im November ist die Versorgungssicherheit nicht gewährleistet. Anders ausgedrückt: In Belgien könnten zu Winterbeginn die Lichter ausgehen. Der Grund: Von den sieben Atomkraftwerksblöcken, die in Belgien Strom produzieren, werden im November sechs gleichzeitig vom Netz genommen. Wegen dringender Reparaturen.

Seit die Meldung über den drohenden Blackout die Runde macht, kratzt die Ministerin Strom zusammen. Am Mittwoch war sie zu einer Anhörung im Parlament vorgeladen. Dort überraschte sie mit der Nachricht, dass die für November prognostizierte Stromlücke nicht wie ursprünglich berichtet 1,700 Megawatt, sondern nur 1.000 Megawatt betrage. Das ist immer noch die Leistung eines extrem großen AKWs. 

Die Restlücke von 1.000 Megawatt, so Ministerin Marghem, wolle sie bei den Nachbarn besorgen:

„Ich habe an die europäische Solidarität appelliert. Und ich habe meine Amtskollegen in Holland, Deutschland und Frankreich angerufen, die mir alle drei ihre Solidarität zugesichert haben.“

Die Menschen im Land informieren sich indessen über einen existierenden Notfallplan. Darin ist vor Jahren mal festgelegt worden, in welcher Gemeinde wann und für wie lange im Notfall der Strom abgeschaltet wird. Man will ja schließlich wissen, wann man gegebenenfalls im Dunkeln sitzt.

„Da gibt es sichere Hinweise auf Machtspiele, die da im Gang sind. Die drehen sich um die Vorkehrungen und Verpflichtungen des Nuklearausstiegs.“

Womit wir zum Anfang des Beitrags zurückkehren. Electrabel ist nämlich ein Tochterunternehmen des französischen Engie-Konzerns. Und der, so heißt es, habe wenig Lust, sich an den Kosten des Atomausstiegs in Belgien zu beteiligen. Die Verhandlungen zwischen dem französischen Unternehmen und der belgischen Regierung laufen derzeit auf Hochtouren. Mit dem gleichzeitigen Abschalten von sechs AKW-Blöcken, vermutet Guido Cramps, wolle Engie längere Laufzeiten für seine abgeschriebenen und deshalb besonders lukrativen belgischen Atomkraftwerke durchsetzen. Gleichzeitig befürchten Experten, dass auch im Januar und Februar nächsten Jahres Belgien im Dunkeln sitzen könnte.

Update 24.10.18: Türkische Firma soll Belgien vor „Blackout“ retten

Belgien, das seinen Strombedarf zum größten Teil von Atomreaktoren deckt, fürchtet nun in weiten Teilen des Landes Stromausfall, da im November viele Atommeiler abgeschaltet sein werden. Nun soll eine türkische Firma mit ihren schwimmenden Kraftwerken anrücken. Die Verhandlungen mit der belgischen Regierung sind indes im Gange. Die schwimmenden Kraftwerke können die belgischen Häfen innerhalb von 20 Tagen erreichen, was eine große Rolle bei der Wahl der Firma spielte.  Die schwimmenden Reaktoren können an Erdgasleitungen und an Hochspannungsnetze verbunden werden und können somit den Stromengpass in Belgien verhindern. Quelle: www.trt.net.tr

Kommentar

Die belgische Stromversorgung ist ja bereits als Dauerproblem bekannt. Jedoch scheint es erneut zu einer Zuspitzung zu kommen. Der Artikel zeigt einige Fassetten auf, wo erst in der Zusammenschau die Tragweite und Gefährlichkeit klar wird. Es ist durchaus möglich, dass es hier um Machtspiele geht. Nichtsdestotrotz ist eine Warnung des (Übertragungs)netzbetreibers eine sehr ernste Sache und hat kaum mehr etwas mit den Machtspielen zu tun, da dieser per Gesetz („unbundling„) von den Energiekonzernen  getrennt wurde. Das Netz unterliegt dem regulierten Markt und der staatlichen Aufsicht, wodurch diese nur die Systemsicherheit im Auge haben sollten. Umso gewichtiger ist daher diese Warnung zu sehen! Frankreich importiert seit Jahren selbst im Winter Strom aus Deutschland. Zuletzt hat auch Deutschland angekündigt, in Zukunft auch importieren zu wollen. Es hat nur noch niemand gesagt, wer dann der Exporteur sein wird. Ganz abgesehen davon, dass man auch in der angesprochenen Solidargemeinschaft nicht wie beim Geld einfach ein paar virtuelle Zahlen transferieren kann. Der Strom muss auch über die bestehende Infrastruktur transportiert werden können, was bereits im Alltag zu einer zunehmenden  Herausforderung wird (siehe etwa  Engpassmanagement). 

Belgien importiert schon jetzt fast so viel Strom wie es die Netze zulassen: 5500 Megawatt Leistung können importiert werden und bereits jetzt gibt es aufgrund der maroden belgischen Kraftwerke Tage, an denen 5000 Megawatt importiert werden müssen. Das entspricht etwa der Hälfte des gesamten Stromverbrauchs des Königreichs mit seinen elf Millionen Einwohnern. Das Land steht an manchen Tagen kurz vor dem Blackout – und im November, wenn nur noch ein Atomkraftwerk am Netz sein wird, wird es ganz kritisch.

1.000 MW sollten im europäischen Verbundsystem beherrschbar sein. Jedoch steigt damit die Verwundbarkeit des Gesamtsystems und die Wahrscheinlichkeit für einen europaweiten Strom- und Infrastrukturausfall („Blackout“) weiter. Ein Blackout wird nicht durch ein Einzelereignis, sondern durch die Kumulation von an und für sich beherrschbaren Einzelereignissen ausgelöst.

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Quelle: www.deutschlandfunk.de

Von den sieben Atomkraftwerksblöcken, die in Belgien Strom produzieren, werden im November sechs gleichzeitig vom Netz genommen wegen Reparaturen. Der Stromnetzbetreiber Elia warnt, die Versorgungssicherheit sei dann nicht mehr gewährleistet. Oder geht es um längere Laufzeiten für lukrative AKWs?

Seit Jahren ringt Belgien um den Atomausstieg. Gerade erst hat die Atomaufsichtsbehörde FANC den Termin, an dem sie ein Konzept für die Ausstiegsdetails präsentieren wollte, wieder einmal verschoben. Seit Anfang der Woche allerdings fragen sich die Belgier, ob er nicht längst Tatsache ist, der Atomausstieg.

Da machte nämlich eine alarmierende Nachricht aus der Unternehmenszentrale von Elia die Runde. Elia, das das ist der belgische Netzbetreiber. Und der ließ wissen: Im November ist die Versorgungssicherheit nicht gewährleistet. Anders ausgedrückt: In Belgien könnten zu Winterbeginn die Lichter ausgehen. Der Grund: Von den sieben Atomkraftwerksblöcken, die in Belgien Strom produzieren, werden im November sechs gleichzeitig vom Netz genommen. Wegen dringender Reparaturen.

Seit die Meldung über den drohenden Blackout die Runde macht, kratzt die Ministerin Strom zusammen. Am Mittwoch war sie zu einer Anhörung im Parlament vorgeladen. Dort überraschte sie mit der Nachricht, dass die für November prognostizierte Stromlücke nicht wie ursprünglich berichtet 1,700 Megawatt, sondern nur 1.000 Megawatt betrage. Das ist immer noch die Leistung eines extrem großen AKWs. 

Die Restlücke von 1.000 Megawatt, so Ministerin Marghem, wolle sie bei den Nachbarn besorgen:

„Ich habe an die europäische Solidarität appelliert. Und ich habe meine Amtskollegen in Holland, Deutschland und Frankreich angerufen, die mir alle drei ihre Solidarität zugesichert haben.“

Die Menschen im Land informieren sich indessen über einen existierenden Notfallplan. Darin ist vor Jahren mal festgelegt worden, in welcher Gemeinde wann und für wie lange im Notfall der Strom abgeschaltet wird. Man will ja schließlich wissen, wann man gegebenenfalls im Dunkeln sitzt.

„Da gibt es sichere Hinweise auf Machtspiele, die da im Gang sind. Die drehen sich um die Vorkehrungen und Verpflichtungen des Nuklearausstiegs.“

Womit wir zum Anfang des Beitrags zurückkehren. Electrabel ist nämlich ein Tochterunternehmen des französischen Engie-Konzerns. Und der, so heißt es, habe wenig Lust, sich an den Kosten des Atomausstiegs in Belgien zu beteiligen. Die Verhandlungen zwischen dem französischen Unternehmen und der belgischen Regierung laufen derzeit auf Hochtouren. Mit dem gleichzeitigen Abschalten von sechs AKW-Blöcken, vermutet Guido Cramps, wolle Engie längere Laufzeiten für seine abgeschriebenen und deshalb besonders lukrativen belgischen Atomkraftwerke durchsetzen. Gleichzeitig befürchten Experten, dass auch im Januar und Februar nächsten Jahres Belgien im Dunkeln sitzen könnte.

Update 24.10.18: Türkische Firma soll Belgien vor „Blackout“ retten

Belgien, das seinen Strombedarf zum größten Teil von Atomreaktoren deckt, fürchtet nun in weiten Teilen des Landes Stromausfall, da im November viele Atommeiler abgeschaltet sein werden. Nun soll eine türkische Firma mit ihren schwimmenden Kraftwerken anrücken. Die Verhandlungen mit der belgischen Regierung sind indes im Gange. Die schwimmenden Kraftwerke können die belgischen Häfen innerhalb von 20 Tagen erreichen, was eine große Rolle bei der Wahl der Firma spielte.  Die schwimmenden Reaktoren können an Erdgasleitungen und an Hochspannungsnetze verbunden werden und können somit den Stromengpass in Belgien verhindern. Quelle: www.trt.net.tr

Kommentar

Die belgische Stromversorgung ist ja bereits als Dauerproblem bekannt. Jedoch scheint es erneut zu einer Zuspitzung zu kommen. Der Artikel zeigt einige Fassetten auf, wo erst in der Zusammenschau die Tragweite und Gefährlichkeit klar wird. Es ist durchaus möglich, dass es hier um Machtspiele geht. Nichtsdestotrotz ist eine Warnung des (Übertragungs)netzbetreibers eine sehr ernste Sache und hat kaum mehr etwas mit den Machtspielen zu tun, da dieser per Gesetz („unbundling„) von den Energiekonzernen  getrennt wurde. Das Netz unterliegt dem regulierten Markt und der staatlichen Aufsicht, wodurch diese nur die Systemsicherheit im Auge haben sollten. Umso gewichtiger ist daher diese Warnung zu sehen! Frankreich importiert seit Jahren selbst im Winter Strom aus Deutschland. Zuletzt hat auch Deutschland angekündigt, in Zukunft auch importieren zu wollen. Es hat nur noch niemand gesagt, wer dann der Exporteur sein wird. Ganz abgesehen davon, dass man auch in der angesprochenen Solidargemeinschaft nicht wie beim Geld einfach ein paar virtuelle Zahlen transferieren kann. Der Strom muss auch über die bestehende Infrastruktur transportiert werden können, was bereits im Alltag zu einer zunehmenden  Herausforderung wird (siehe etwa  Engpassmanagement). 

Belgien importiert schon jetzt fast so viel Strom wie es die Netze zulassen: 5500 Megawatt Leistung können importiert werden und bereits jetzt gibt es aufgrund der maroden belgischen Kraftwerke Tage, an denen 5000 Megawatt importiert werden müssen. Das entspricht etwa der Hälfte des gesamten Stromverbrauchs des Königreichs mit seinen elf Millionen Einwohnern. Das Land steht an manchen Tagen kurz vor dem Blackout – und im November, wenn nur noch ein Atomkraftwerk am Netz sein wird, wird es ganz kritisch.

1.000 MW sollten im europäischen Verbundsystem beherrschbar sein. Jedoch steigt damit die Verwundbarkeit des Gesamtsystems und die Wahrscheinlichkeit für einen europaweiten Strom- und Infrastrukturausfall („Blackout“) weiter. Ein Blackout wird nicht durch ein Einzelereignis, sondern durch die Kumulation von an und für sich beherrschbaren Einzelereignissen ausgelöst.