Zuletzt aktualisiert am

Quelle: Der Standard (online 19.01.20)

Für ihn zeigen die Cyberattacke auf das Außenministerium und der A1-Festnetzausfall, wie wichtig die Krisenkommunikation im Ernstfall ist

Wenn’s richtig kracht, horcht auch der durchschnittliche Österreicher hin. Die Mehrheit wird den Cyberangriff auf das Außenministerium mitbekommen haben. Ebenso dass im Oktober 2019 das A1-Festnetz ausgefallen ist, die Notrufe landesweit nicht mehr erreichbar waren. Während letzteres technisches Problem nach rund vier Stunden beseitigt war, kämpft das Außenministerium noch immer gegen die Cyberangriffe an.

Für den Blackout-Experten Herbert Saurugg haben beide Vorfälle eines gemeinsam: „Suboptimale Kommunikation verschärft jede Krise.“ Denn der Laie, der am Vorabend nicht unbedingt „Stirb Langsam vier“ gesehen hat, denkt freilich nicht an solche Szenarien – die Leute an den Schaltzentralen sollten es. „Wir sind gewohnt, dass immer alles funktioniert“, sagt der Bundesheer-Major.

Weiter auf Der Standard


Ein Blackout voller Widersprüche

Quelle: Der Standard (Print 21.01.20)

Das Bundesheer hält einen großen Stromausfall in Österreich in naher Zukunft für realistisch, der Stromnetzbetreiber APG weniger. Experte Saurugg wünscht sich eine bessere Krisenkommunikation.

„Absehbarer Crash“

Herbert Saurugg ist etwas pessimistischer: „Wir fahren absehbar auf den Crash zu“, sagt der Blackout-Experte. Das müsste nicht einmal ein teurer Cyberangriff sein. So hat etwa ein fehlerhafter Datenspeicher die Produktion beim deutschen Sportwagenbauer Porsche lahmgelegt. „Dafür braucht man keine Millionen.“

Was Österreich im Ernstfall jedenfalls brauche, sei eine gute staatliche Reaktion: „Suboptimale Kommunikation verschärft jede Krise“, sagt Saurugg. Dies hätte sich zuletzt etwa beim andauernden Cyberangriff auf das Außenministerium gezeigt. Hier sei die Krisenkommunikation „ein bissl in die Hose gegangen“. Mit der ersten offiziellen Mitteilung wurden unnötige Spekulationen entfacht, ob ein staatlicher Akteur dahinterstecken könnte. „Sie haben eine Info ohne Mehrwert nach außen getragen“, sagt Saurugg. Ein anderes Beispiel: der teilweise Ausfall des A1-Festnetzes im Oktober 2019, als die Notrufe landesweit zeitweise nicht mehr erreichbar waren. Das Vorgehen an diesem Tag wirkte für Saurugg wenig koordiniert. So hatte Wien relativ schnell Ersatzhandynummern bereit, während andere Bundesländer empfahlen, die nächste Einsatzzentrale aufzusuchen. Andere wiederum nannten den internationalen Notruf unter 112 als Alternative. Dabei sei der Festnetzausfall nur ein kleiner Notfall gewesen, sagt Saurugg. Nicht zu vergleichen mit einem echten Blackout. Umso wichtiger sei daher, dass die Informationskette im Notfall vorgegeben sei, so der Fachmann. „Wer muss mit wem reden? Wer entscheidet, wenn’s schnell gehen muss?“

In der Krise handle man ja in die Unsicherheit hinein. Diese ungewisse Lage könne Staat und Unternehmen im Ernstfall dazu verlocken, die Öffentlichkeit nur zögernd zu informieren, um sie nicht zu verunsichern. Für Saurugg ein Trugschluss: „Da kann man gar nicht zu früh reagieren“, sagt der Fachmann. Denn selbst wenn alles halb so wild sei, hätte man zumindest das Szenario geübt und könnte evaluieren, wo noch nachzubessern wäre.