Quelle: allgemeineplus.at

Ein kompletter Stromausfall in Europa: Die meisten Experten meinen, dass es nicht die Frage ist, ob es zum Blackout kommt, sondern wann – sei es durch eine Naturkatastrophe ausgelöst oder zum Beispiel durch Hacker, die in die digitalen Steuerungssysteme einbrechen und das Chaos bewusst hervorrufen. Ist unser Gesundheitssystem dafür gerüstet? Und welche Rolle käme dabei den Allgemeinmedizinern zu?

„Rien ne va plus!“

Ein Blackout – ein plötzlicher, überregionaler und länger andauernder Strom- und Infrastrukturausfall – ist kein gewöhnlicher Stromausfall, sondern ein Ausfall der Stromversorgung zeitgleich in weiten Teilen Europas. Nichts geht mehr: kein Licht, kein Handy, kein Internet, keine Gas-, Fernwärme-, Öl- oder Zentralheizung, kein Bankomat, keine Tankstelle, keine Ampeln, keine Kasse, keine öffentlichen Verkehrsmittel, kein Wasser mehr … Und dies innerhalb weniger Sekunden und ohne Vorwarnung. Unser tägliches Leben ist völlig von der Stromversorgung abhängig, ohne dass uns dies im Alltag bewusst wäre. Panikmache? Experten gehen davon aus, dass ein solches Ereignis innerhalb der nächsten fünf Jahre sogar sehr realistisch ist. 
Erst kürzlich gab es einen Stromausfall in Berlin – den größten seit Jahrzehnten – und er hat die deutsche Hauptstadt vor große Herausforderungen gestellt. Im Krankenhaus Köpenick der DRK-Kliniken wurde die Lage von Mitarbeitern als „herausfordernd“ bezeichnet: Durch den plötzlichen Blackout seien mehrere medizinische Geräte ausgefallen, da es zehn bis 15 Sekunden gedauert habe, bis die Notstromversorgung stand. Auch ein wichtiges Kommunikationssystem, mit dem Mitarbeiter ins Haus gerufen werden, versagte zumindest zeitweilig. Zudem mussten Mitarbeiter bei der Kühlung wichtiger Medikamente improvisieren, da nicht alle Kühlschränke an den entsprechenden Steckdosen für den Notstrom hingen. Einige anfällige Netzwerkteile wurden zerstört sowie ein Monitor auf einem Stationszimmer. Das hauseigene Notstromaggregat produzierte – allerdings mit kleineren Ausfällen und Spannungsschwankungen – zunächst sieben Stunden lang genügend Strom, fiel dann aber für zwei Stunden aus. Daher organisierte der Krisenstab auch die Verlegung von 23 Intensivpatienten aus der Klinik – diese mussten allerdings, da die Aufzüge nicht funktionierten, samt angeschlossenen Geräten durch das Treppenhaus getragen werden. 
Herbert Saurugg, MSc, ist Experte für die Vorbereitung auf den Ausfall lebenswichtiger Infrastrukturen. Er war viele Jahre Berufsoffizier im Bereich militärische/ IKT-Sicherheit und ist Mitglied der Cyber-Sicherheit-Plattform (CSP) des Bundeskanzleramtes. Er beschäftigt sich seit Jahren mit einem möglichen Blackout-Szenario und erläutert: „Die europäische Stromversorgung zählt zu den verlässlichsten der Welt. Dennoch steigt seit Jahren, von der Öffentlichkeit weitgehend unbeachtet, die Wahrscheinlichkeit für ein derart weitreichendes Ereignis. Die Basis für ein mögliches Blackout sind die zunehmenden Netzeingriffe, um das System stabil zu halten. Der letzte Tropfen, der dann das Fass zum Überlaufen bringt, kann ganz unterschiedliche Ursachen haben, wie Extremwetterereignisse, technisches Versagen, Cyberangriffe, Komplexitätsüberlastung, Sonnenstürme, Erdbeben, Terroranschläge etc.“ Vor allem sogenannte „Netzwischer“, also Stromversorgungsunterbrechungen im Millisekundenbereich, haben in den vergangenen Jahren an Häufigkeit deutlich zugenommen und verursachen vor allem in produzierenden Unternehmen und im Infrastrukturbetrieb erhebliche Schäden.

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