Systemische Risiken

sind durch vier wesentliche Merkmale gekennzeichnet:

  • Es bestehen ein hoher Vernetzungsgrad und viele Interdependenzen zu anderen Systemen.
  • Störungen können sich fast ungehindert im System und über (System-)Grenzen hinweg ausbreiten.
  • Durch Rückkoppelungen kommt es zu zufälligen und nicht-linearen Ursache-Wirkungsketten bzw. können kleine Ursachen große Wirkung erzeugen („Schmetterlingseffekte„).
  • Die Auslöser und Auswirkungen werden systematisch unterschätzt.

Systemische Risiken entstehen durch Vernetzung und begünstigen strategische Schocks. Eine einfache Ursache-Wirkungszuordnung, wie wir das im Risikomanagement gewohnt sind, ist nicht möglich. Ein sehr bekanntes Beispiel ist die amerikanische Subprime-Krise, welche nach 2007 weltweite Folgekrisen (etwa Banken-, Euro-, Wirschafts- und Staatsschuldenkrisen) ausgelöst hat. Zu Beginn war ein Finanzprodukt, dass nicht einmal mehr durch Insider verstanden wurde und ein Risikomanagement, das die entstandenen systemischen Risiken nicht erkannte. Durch fehlende Reichweitenbegrenzungen kam es zu weitreichenden Dominoeffekten.

Der Klimawandel zählt zu den größten systemischen Risiken unserer Zeit. Siehe etwa Das Risikoparadox – Warum wir uns vor dem Falschen fürchten

Diese Seite beschäftigt sich vorwiegend mit den systemischen Risiken im Bereich der Kritischen Infrastrukturen und den möglichen gesellschaftlichen Auswirkungen. Ein wichtiger Faktor sind dabei Systeme, die als too-big-to-fail einzustufen sind.

Orientierung am Erlebten

Systemische Risiken und strategische Schocks werden auch deshalb unterschätzt, weil wir uns als Menschen an dem orientieren, was wir bereits erlebt haben. Zudem reichen unsere bisher sehr bewährten Methoden in der Risikobeurteilung für diese relativ neue Klasse von Risiken nicht mehr aus. Wobei wiederum ein sowohl-als-auch-Denken erforderlich ist. Natürlich funktionieren diese Methoden auch weiterhin für Szenarien und Ereignisse, die nicht komplexen Systemen zugeordnet werden.

Systemische Risiken und die damit möglichen strategischen Schocks treten äußerst selten auf. Sie werden aufgrund der fehlenden Evidenz mit den herkömmlichen Methoden gerne als „Restrisiken“ klassifiziert, die in der Gauß’schen Glockenkurve ganz am Rande (rot) angesiedelt sind. Die Auswirkungen können jedoch ganz erheblich oder sogar existenzbedrohend sein. Sie können daher mit den üblichen  Risikominimierungsmethoden nicht kompensiert werden. Solche Schäden sind auch nicht versicherbar! Daher sprach der Soziologe Ulrich Beck bereits vor über 10 Jahren von einer „versicherungslosen Gesellschaft“, da die wirklich existenzbedrohenden Risiken nicht mehr abgedeckt werden können („Weltrisikogesellschaft„).

Wesentliche Phänomene / Kennzeichen