Notstromversorgung

Eine häufige Reaktion auf die Konfrontation mit dem Thema “Blackout” ist, dass man umgehend ein Notstromaggregat anschaffen möchte. Dieser Schritt sollte jedoch vor allem im Privatbereich gründlich überlegt werden, da damit längst nicht alle Probleme gelöst werden können. Als erstes sollte eine genaue Bedarfs- und Problemanalyse durchgeführt werden:

  • Wie viel Leistung wird wirklich benötigt bzw. welche Geräte sollen damit überhaupt betrieben werden?
  • Soll eine Einspeisung in das Hausnetz erfolgen? Das muss dann durch einen professionellen Elektriker vorbereitet werden!
  • Wie viel Treibstoff kann vorgehalten bzw. auch laufend umgewälzt werden?
  • Wo kann der Treibstoff sicher gelagert werden?
  • Wie oft wird das Ganze getestet, damit es dann im Anlassfall auch wirklich funktioniert?
  • Können damit auch elektronische Geräte (Computer) betrieben werden? Andernfalls kann es zur Zerstörung von Bauteilen kommen!
  • Und so weiter.

Neben der Notstromversorgung mit einem Notstromaggregat gibt es auch alternative Möglichkeiten, die hier aufgezeigt werden sollen. Man kann durchaus ein paar Tage ohne Strom auskommen, wenn man sich darauf vorbereitet. Nichtsdestotrotz stehen Ihnen hier einige zusätzliche Informationen und Fragestellungen für die eigene Beurteilung zur Verfügung.

Netzersatzanlage, Notstromaggregat, Ersatzstrom und USV

Netzersatzanlagen (NEA) und Notstromaggregaten (NSA)

Grundsätzlich wird zwischen Netzersatzanlagen (NEA) und Notstromaggregaten (NSA) unterschieden. NEA („Schiffsdiesel“) sind für einen professionellen Dauerbetrieb ausgelegt und auch entsprechend aufwendig und teuer. Unter NSA werden vor allem jene Geräte verstanden, die bereits unter 1.000 Euro bzw. im Baumarkt zu haben sind. Sie sind in der Regel nicht für einen durchgehenden Dauerbetrieb ausgelegt. Achten Sie daher bei einer allfälligen Anschaffung darauf, für welche Zwecke das Gerät ausgelegt ist. Bei der Verwendung für den Betrieb von elektronischen Geräten (Computer) müssen Sie ebenfalls darauf achten, dass das NSA dafür geeignet ist (z. B. Invertergeräte). Ansonsten könnte es zu Geräteschäden kommen! 

Ersatzstrom und Notstrom

In der Fachwelt gibt es auch noch eine weitere Unterscheidung zwischen Ersatzstrom und Notstrom:

Eine Ersatzstromanlage versorgt einige Sekunden nach einem Stromausfall wieder den gesamten Haushalt. Notstrom bedeute dagegen, dass nur eine Steckdose Leistung zur Verfügung stellt. Es gibt diverse Hersteller, die ihren Batteriespeicher ebenfalls zu einer Ersatzstromanlage machen können, etwa SMA, E3/DC, Kostal und Fronius. In der Regel benötigt man eine zusätzliche Box, die die Netztrennung normgerecht bewerkstelligt.

Es gibt nur sehr wenige dreiphasigen Geräte, die wirklich Drehstrom benötigen, so dass ein einphasiges Speicherystem unter Umständen für Wärmepumpen und Durchlauferhitzer besser ist. Durchlauferhitzer benötigen aber eine Nennleistung von 15 bis 30 Kilowatt. Das schafft auch kein dreiphasiges Gerät. Eine Wärmepumpe geht schon eher. Allerdings benötige diese hohe Anlaufströme von 20 bis 50 Ampere pro Phase, damit der Kompressor losdrehen kann.

Unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV)

In vielen Organisationen gibt es USV-Anlagen (Unterbrechungsfreie Stromversorgung), um kurzfristige Stromausfälle bzw. die Zeit bis zum Anspringen einer NEA oder eines NSA zu überbrücken. Andernfalls soll ein sicheres Herunterfahren der zu schützenden Anlagen ermöglicht werden, da die Überbrückungszeit in der Regel nur 20-30 Minuten beträgt, sofern es sich nicht um größere Anlagen handelt. Die Fortsetzung eines Betriebes mit einer USV kann in der Regel nicht gewährleistet werden.

Leider gibt es immer wieder Vorfälle, die zeigen, dass hier durchaus auch gewisse Scheinsicherheiten bestehen. Einerseits, weil diese Einrichtungen eine regelmäßige Wartung benötigen, auf die gerne mal verzichtet wird bzw. andererseits auch durchdachte Konzepte fehlen, die ein sicheres Herunterfahren und noch wichtiger, ein geordnetes Wiederhochfahren sicherstellen. Es reicht nicht nur die Installation einer technischen Lösung. Unser österreichischer Netzwerkpartner iQSol bietet hier spezielle Lösungen an, die die gesamte Prozesskette berücksichtigen, was gerade im IT-Umfeld enorm wichtig ist. Ein erneuter Ausfall während des Wiederhochfahrens kann zu schweren Schäden und Totalausfällen führen, wenn die Datenintegrität nicht mehr sichergestellt ist.

Generelle Fragen zu einer professionellen Notstromversorgung

Auch Betreiber von professionellen Notstromaggregaten sollten sich folgende Fragen stellen:

  • Wurde das Notstromaggregat schon unter Last länger als 12h laufen gelassen?
  • Steht ausreichend Ersatz(schmier)öl für einen Dauerbetrieb zur Verfügung?
  • Wie viel Treibstoff kann vorgehalten bzw. auch laufend umgewälzt werden?
  • Wie häufig wird die Qualität des Diesels überprüft (Dieselpest, Wassergehalt; siehe „Neue Erkenntnisse zur Lagerfähigkeit von Brennstoffen für Netzersatzanlagen„)?
  • Wie ist Ihre Nachbetankung organisiert und kann diese bei und nach einem Blackout funktionieren?
  • Welche behördlichen Auflagen gibt es, um eine professionelle Notstromversorgung errichten bzw. entsprechende Treibstoffmengen lagern zu dürfen?
  • Welche Maßnahmen sind erforderlich, um eine professionelle und sichere Einbindung in das Hausnetz überhaupt durchführen zu können (Netztrennung, Resynchronisierung, etc.)?
  • Lt. Motorhersteller sollen auch monatliche Lastläufe mit je nach Hersteller von min. 30-50% Last für eine Stunde durchgeführt werden.

Eine Reihe von zusätzlichen Problemstellungen

Mit der Anschaffung werden eine Reihe von zusätzlichen Problemstellungen geschaffen. Nur Sie selbst wissen, was Sie damit betreiben wollen und welche Leistung Sie dafür benötigen. Dann stellt sich die Frage, ob es mobil oder fix integriert werden soll. Was natürlich auch eine Kostenfrage ist. Dann müssen Sie Treibstoff vorrätig halten. Dabei gilt als Anhalt: ca. 1,5 Liter pro Stunde, bei 24 Stunden wären das ca. 36 Liter. Sie müssen das Notstromaggregat regelmäßig warten und verwenden, an sonst besteht die Gefahr von Lagerschäden, die sich erst unter längerem Lastbetrieb auswirken und meist zum Totalschaden des Gerätes führen. Besonders wichtig ist bei einer Integration in das Hausnetz die Netztrennung und die Sicherstellung der erforderlichen Schutzmaßnahmen, da es ansonsten zu Geräte- und im schlimmsten Fall sogar zu Personenschäden kommen kann!

Kosten (Richtpreis): Notstromaggregat mit Einbindung: ca. EUR 2.500,-

Beispiel aus der Weststeiermark nach Sturmschäden: Viele Gehöfte hatten sehr hohe Schäden an vorhandenen elektrischen Geräten durch Notstromaggregate, welche mittels Kabelverbindung zwischen Notstromaggregat und Steckdose die Eigenstromversorgung für die Liegenschaft durchführten. Genau das droht, wenn ohne professionelle Vorbereitung kurzfristige unsachgemäße Improvisationen durchgeführt werden!

Erkenntnisse zur Lagerfähigkeit von Brennstoffen für NSAs

Fazit und Maßnahmenempfehlungen der deutschen Studie „Neue Erkenntnisse zur Lagerfähigkeit von Brennstoffen für Netzersatzanlagen„:

Bei 60 % der NEAs war der Brennstoff zum Zeitpunkt der Probennahme oder in naher Zukunft nicht mehr verwendbar.

Bei ca. einem Drittel aller NEAs war der Brennstoff zwar noch verwendbar, aber schon deutlich gealtert.

Nur bei 8 % der NEAs ist der Brennstoff uneingeschränkt verwendbar.

Das deutsche Bundesamt für die Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) empfiehlt dazu im Jänner 2015 konkret:

  • Für die Betankung von NEAs ist ausschließlich speziell additiviertes schwefelarmes Heizöl nach DIN 51603-1 zu verwenden.
  • Zur Sicherung der Brennstoffqualität ist (unabhängig von der Brennstoffart) diese in regelmäßigen Abständen, abhängig von den Ergebnissen der jeweils letzten Analyse, mindestens jedoch alle 12 Monate, festzustellen und zu bewerten.

Die Beantwortung folgender Fragen erfolgt durch einen Fachmann.

  1. Frage: Ist das richtig bzgl. Biodiesel und längerer Lagerfähigkeit?
    Auch der Maxxmotion muss einen Bioanteil haben, aber im Gegensatz wird hier Palmöl verwendet das qualitativ hochwertiger ist und sich nicht mit Wasser anreichert. (FAME ist ein Esther der Wasser binden kann, passiert bei Palmöl nicht).
  1. Frage: Wenn das richtig ist, kennen Sie die Lagerfähigkeit dieses Diesels in komplett verschlossenen Kunststoffkanistern in Jahren?
    Betreffend Lagerfähigkeit kenne ich keine Studien. Ich persönlich glaube an eine Lagerfähigkeit von 4 Jahren. Bei Biodiesel etc. ist meiner Meinung die Lagerfähigkeit extrem schlecht.
  1. Frage: Rein technisch gesehen ist Heizöl Diesel mit einem Farbzusatz und könnte doch auch für ein Notstromaggregat verwendet werden, oder?
    Dem Heizöl ist ein Farbstoff (Euro-Marker) beigemengt (in geringen Mengen, aber alles was mit dem in Berührung kommt rot färbt) Einmal Heizöl getankt sieht man das immer im Filter. Es wird mit sehr hohen Strafen geahndet, wenn dies in Kraftfahrzeuge/mobile Anlagen getankt wird. Geschädigt wird nichts. Aber Heizöl extra leicht darf (lt. Produktdatenblatt) nur „zum Verfeuern in zugelassenen Ölfeuerungsanlagen verwendet werden. Die Frage ist auch, wie es mit der Schmierfähigkeit (Lubricity) aussieht.
    Das Zauberwort für NEAs heißt gekennzeichnetes Gasöl ohne Bioanteil und je nach Anlage Winterfest. Da bekommt man dann roten Diesel (Mineralölsteuerbefreit) und kein Heizöl!
    Auch Benzin (Kleinaggregate) kann altern und sollte regelmäßig umgewälzt werden.

Treibstoffversorgung
Siehe weiters den eigenen Beitrag Treibstoff(lager)problematik bzw. Treibstoffversorgung bei Stromausfall: Empfehlung für Zivil- und Katastrophenschutzbehörden für professionelle Notstromanlagenbetreiber.

Grundregeln für die Auswahl von Notstromaggregaten

Folgende Hilfestellungen wurden dankenswerter Weise von Siegfried Klein zur Verfügung gestellt und können bei der weiteren Betrachtung helfen. Wie die Ausführungen auch zeigen, ist eine Reihe von Dingen zu beachten!

Um den sicheren Betrieb von Stromaggregaten zu gewährleisten, gibt es einige Punkte, die vor der Kaufentscheidung und während des Betriebes beachtet werden müssen. Nur wenn diese Punkte beachtet werden, ist die Sicherheit für Ihre elektrische Anlage sowie eine zuverlässige Funktion und eine lange Nutzungsdauer Ihres Aggregates gewährleistet.

  1. Funktionsweise eines Generators – siehe PDF
  2. 1-phasig oder 3-phasig – siehe PDF
  3. Lösung für 3-phasige Schnellläufer-Generatoren – siehe PDF
  4. Treibstoff  Benzin, Diesel oder Heizöl – siehe PDF
  5. Welcher Diesel ist der Richtige – siehe PDF
  6. Probelauf
    Monatliche Probeläufe sind in der Praxis vielleicht etwas übertrieben und werden sicher nicht immer eingehalten. Spätestens alle 2 Monate sollte das Aggregat aber mindestens 20-30 Minuten mit einer Last von 30-50% laufen.
  7. Starterbatterie
    Die Starterbatterie muss über ein geeignetes Erhaltungsladegerät versorgt werden. Die Batterie ist im Zuge der Probeläufe zu testen und gegebenenfalls rechtzeitig zu ersetzen. Wenn im Notfall die Batterie nicht funktioniert, kann mit jeder PKW-Batterie und geeigneten Starthilfekabeln Starthilfe gegeben werden. Dabei sind alle Sicherheitsmaß-nahmen, wie gleiche Spannung und richtige Polung der Batterien und Kabel zu beachten.
  8. Wartung und Service
    Die vorgeschriebenen Wartungs- und Serviceinterwalle und erforderlichen Maßnahmen sind laut Herstellerangaben einzuhalten.
  9. Aufstellungsort
    Ein sehr wichtiger Punkt ist der richtige Aufstellungsort des Aggregates. Bei kleineren Geräten mit Luftkühlung sollte, um ein gutes Startverhalten zu erhalten, der Aufstellungs-ort unbedingt in Innenräumen liegen in denen die Temperatur nicht unter ca. 5°C fällt. Größere, flüssigkeitsgekühlte Aggregate verfügen über eine Motorvorwärmung und können auch an kälteren Standorten aufgestellt werden. Sehr wichtig ist es auch für eine geeignete Abluft- und Abgasabführung zu sorgen, um eine Überhitzung des Motors zu vermeiden und einer Vergiftungsgefahr vorzubeugen. Achtung bei schlechter Abgasabführung besteht LEBENSGEFAHR durch CO-Vergiftung!. Grundsätzlich sind vor der Inbetriebnahme alle behördlichen Auflagen für die Aufstellung des Aggregates und für die Lagerung des Treibstoffvorrates zu beachten.
  10. Einspeisung in die Hausinstallation
    Die Einspeisung darf nur über dafür zugelassene händische „Netz-Notstrom Umschalter“ oder über automatische ATS-Umschalteinrichtungen erfolgen. Die Ausführung der Einspeisestelle muss von einem Fachbetrieb errichtet werden und ein E-Protokoll ist dafür auszustellen. Alle selbst „gebastelten“ Einspeisungen über Steckdosen, direktes Anklemmen im Verteiler, Verlängerungskabel mit 2 „Stecker“ oder dergleichen, sind streng verboten und Lebensgefährlich.

Nur wenn Sie vor der Anschaffung alles richtig planen und sich an ein paar Grundregeln halten, wird ihr Stromaggregat im Notfall auch einwandfrei funktionieren.

Weitere Hilfestellungen:

Zapfwellengeneratoren

Eine besondere Lösung bietet etwa die Oberösterreichische Firma Schneeberger mit ihren Zapfwellengeneratoren an:

Unsere Zapfwellengeneratoren sind sehr wartungsarm. Der erste Ölwechsel ist nach 25 Stunden fällig, dann alle 500 Stunden oder alle drei Jahre. Einmal im Jahr ist ein Probelauf notwendig um die Grundmagnetisierung wieder aufzubauen, und der Luftfilter muss alle 25 Stunden kontrolliert werden. Da Zapfwellengeneratoren mit Traktoren angetrieben werden erspart man sich natürlich eine separate Lagerung von Treibstoff.

Der produzierte Strom ist selbstverständlich für EDV-Anlagen geeignet, sonst könnten wir keinen Generator an die Landwirtschaft verkaufen. Zu Abnehmern unserer Zapfwellengeneratoren gehören Landwirte unterschiedlicher Größe, aber auch Biogasanlangenbetreiber und Kommunalverwaltungen.

Mit unseren Generatoren kann man alle Geräte betreiben die man auch über das normale Stromnetz betreibt. Sichergestellt wird das durch unsere Platine die die Spannung und die Frequenz überwacht und die Steckdosen vom Generator trennt sobald die die Werte von den vorgegebene Parametern abweichen. Für den Feldbetrieb haben wir noch eine dritte Überwachungsart, die Isoaltionsüberwachung, diese ersetzt den Erdungsspieß und den FI.

Der Preis der Generatoren beginnt ab 3.000 Euro. Die Lösung dürfte vor allem in ländlichen Gebieten sehr interessant sein, wo auch Traktoren zur Verfügung stehen. Dabei ist nicht nur der Einsatz in landwirtschaftlichen Betrieben, sondern auch generell in Kommunen vorstellbar, was wiederum vor allem die Feuerwehren entlasten könnte.

Synergien & Nachbarschaftshilfe

Wenn es nicht vermeidbar scheint, dann sollte überlegt werden, ob es mögliche Synergien mit anderen Bedarfsträgern geben könnte, wenn z. B. kein Dauerbetrieb erforderlich ist. Wenn sich mehrere Menschen zusammentun und sich gegenseitig aushelfen (Rotationsverfahren), kommt es billiger und ist auch sinnvoller. Nicht isoliert denken! Die Nachbarschaftshilfe ist bei einem solchen Szenario ganz essentiell.
Die Erfordernisse und Voraussetzungen sollten am besten mit einem Fachmann (Elektriker) besprochen werden.

Ein sehr gutes Beispiel für die Nutzung von Synergien: Eine Organisation verfügt über eine entsprechende Notstromeinrichtung, jedoch nicht über ausreichend Brennstoffkapazitäten, um über einen längeren Zeitraum das Notstromaggregat laufen lassen zu können. Daneben gibt es eine Tankstelle. Die hat wiederum kein Notstromaggregat, aber genug Treibstoff. Durch entsprechende Absprachen und Vorbereitungen können beide gemeinsam handlungsfähig bleiben. Suchen Sie derartige Möglichkeiten!

Sollte in einer Gemeinde, Organisation, etc. ein größerer Bedarf an Notstromaggregaten festgestellt werden, dann könnte auch mittels einer Sammelbestellung ein günstiger Preis erzielt werden. Auch diese Möglichkeiten sollten genutzt werden.

Steckdosenfarben

In einigen sicherheitskritischen Bereichen wie Krankenhäusern kommen Schuko-Steckdosen in verschiedenen Farben zum Einsatz. Es gibt für dieses Farbcodiersystem keine allgemein gültige Norm, aber allgemein anerkannte Konventionen:

FarbeBeschriftungBezeichnungBedeutung
weiss, grau, …
Normale Steckdose, an das normale Stromnetz angeschlossen. Aber auch grau mit Aufkleber:
Geschalteter Stromkreis, der außerhalb der Dienstzeit ausgeschaltet ist, damit diverse
Geräte nicht ohne Aufsicht am Netz sind.
rot
-/EDVEDV-Netz mit Überspannungsschutz, separate Verteilungen, Überbrückung
kurzzeitiger Ausfälle (einige Sekunden) möglich. Manchmal kennzeichnen sie eine
galvanische Trennung vom Stromnetz, z. B. über einen Trenntransformator.
grün
SVSicherheits-VersorgungNetz mit unterbrechungsfreier Stromversorgung (USV) und Überspannungsschutz
für die Weiterversorgung kritischer Verbaucher im Notfall (z. B. OP-Beleuchtung).
Grün kann auch darauf hinweisen, dass die entsprechenden Dosen nicht durch
einen vorhandenen Notausschalter vom Netz getrennt werden.
orange
ZSVZentrale/zusätzliche Sicherheits-VersorgungNetz mit unterbrechungsfreier Stromversorgung (USV) und Überspannungsschutz
für die Weiterversorgung kritischer Verbaucher.
gelb, blau
Extra gekennzeichnete Steckdosen für Sonderspannungen.

Bildquelle: Busch-Jäger; Quelle: www.netzmafia.de

Inselbetriebsfähige Photovoltaikanlagen

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Auch Besitzer einer Photovoltaikanlage oder eines Batteriespeichers haben in der Regel bei einem Stromausfall/Blackout keine Stromversorgung! Denn rund 95% der Anlagen sind netzgeführt. Das bedeutet, sie produzieren nur dann Strom, wenn 50 Hertz in der Leitung anliegen. Bei einem Netzausfall ist das nicht der Fall. Nur Anlagen, die für einen Inselbetrieb ausgelegt sind, können auch ohne Stromnetz eine lokale Stromversorgung sicherstellen.

Voraussetzung für eine inselbetriebsfähige PV-Anlage

  • Eine automatische oder manuelle Netztrennung, damit die Anlagensicherheit gewährleistet ist und Personen- und Sachschäden verhindert werden.
  • Ein hybrider Wechselrichter, der auch ein Inselnetz aufbauen kann.
  • Ev. ein zusätzliches Energiemanagementsystem, dass den Eigenverbrauch bzw. die Notversorgung optimiert.

Im Neubau ist das nur unwesentlich teurer, als eine normale Anlage. Im Krisenfall ist diese Investition aber unbezahlbar, da mit Licht, Heizung und Kühlung für eine gewisse Zeit aufrechterhalten werden  kann. Inselbetriebsfähige PV-Anlagen haben zudem den Vorteil, dass sie nicht nur eine Einrichtung für den äußerst seltenen Notfall sind. Durch den Batteriespeicher können auch der Eigenstromverbrauch deutlich erhöht und damit die Netzbezugskosten reduzieret werden.

Das adaptierte Schaltbild der Firma Fronius zeigt eine zusätzliche Erweiterungsmöglichkeit mit einem Notstromeinspeisepunkt, sodass der Speicher auch temporär mit einem Notstromaggregat geladen werden kann, sollte die Sonne über einen längeren Zeitraum nicht scheinen. Dies hat den Vorteil, dass man ein Notstromaggregat und den dafür erforderlichen Treibstoff gemeinsam mit anderen als zusätzliche Rückfallebene anschaffen könnte. Je nach Speicherkapazität und Leistungsfähigkeit des Notstromaggregates kann der Speicher binnen weniger Stunden wieder aufgeladen werden. Darüber hinaus könnte dieses Notstromaggregat in der Zwischenzeit auch für anderwärtige Aufgaben verwendet werden. Besonders im ländlichen Raum bieten sich hierfür Zapfwellenaggregate an, die mit einem Traktor betrieben werden können. Das zeigt aber wieder, dass das Thema Stromversorgung keine Einzelakteurs- sondern eine Gemeinschaftsaufgabe ist!

 

Siehe etwa die reale Umsetzung „Notversorgungsfähige Energiezelle Weiz„.


Fotos: Walter Schiefer

Oder die Pumpstation des Wasserverbandes Grenzland Südost

Eine größere Umsetzung (Microgrid) ist im amerikanischen Projekt Smart Power Infrastructure Demonstration for Energy Reliability and Security (SPIDERS) beschrieben.

Anbieter von notversorgungsfähigen Energiezellen

Wie die Erfahrung zeigt, sollten nach Möglichkeit Anbieter von Komplettsystemen bevorzugt werden. Wie so oft liegt der Hund im Detail.

FirmaAnsprechpartnerOrtWebseiteAnmerkung
Absolut Autark Plus HausMartin Wieger7000 Eisenstadt/-3107 St. Pölten
aaph.at
Bridge Executive ConsultingStefan Perlot5300 Hallwangwww.bridge-executive.comKomplette notversorgungsfähige Energiezelle in unterschiedlichen Skalierungen; Qinous; weltweit im Einsatz; Datenblatt
D.E.U.S. - ConsultingWalter Schiefer8200 Gleisdorfhttps://deus-schiefer.comSiehe Notversorgungsfähige Energiezelle Stubenberg
EET/SolmateChristoph Grimmer8010 Grazwww.e2t.atPV-Notstromsystem für den Balkon
EOS Power Solutions GmbHRoswitha Gschweitl8160 Weizwww.eospowersolutions.comEnergy-Manager
FRONIUS4600 Thalheimwww.fronius.com
HOMESTROM GmbH4240 Freistadt
homestrom.at
KACO new energy GmbHD-74172 Neckarsulmkaco-newenergy.comKomplette notversorgungsfähige Energiezelle für Betreiber von privaten und kleinen gewerblichen Photovoltaik-Anlagen
KREISEL Electric4261 Rainbach im Mühlviertelwww.kreiselelectric.com
Kärnten SolarMichael Jaindl9210 Pörtschach a. W.www.kaernten-solar.at
www.panta10.com
Stromkoffer
Powerball Systems AGCH-4500 Solothurnpowerball-systems.chEinfamilienhaus Neubau ohne Netzanschluss, aber mit Stromspeicher und Erneuerbaren Energien im Off-Grid Inselbetrieb. 100 % Autarkie mitten in der Schweiz.
Schmachtl GmbHHerbert Ruppitsch1230 Wienwww.schmachtl.atKomplette notversorgungsfähige Energiezelle auf USV-Basis in unterschiedlichen Skalierungen
SMADeutschlandSMA Sunny Backup
Solenco Power2300 Turnhout, Belgienwww.solencopower.comWasserstoffspeicher
Timo LeukefeldD-09599 Freiberg
www.timoleukefeld.deAutarkes Wohnen
WICON Engineering Ges.m.b.H.Peter Ramharter2700 Wr. Neustadtwww.wicon.cc

Anmerkungen zu "Autarkie/Autarkiegrad"

Nachdem mit den aufkommenden Speichern auch immer häufiger von Autarkiegraden/Individuelle Autarkie/Hoher Autarkiegrad oder ähnlichem die Rede ist, möchten wir hierzu ein paar klare Worte finden, um dieser Selbsttäuschung und den möglichen Marketingtricks entgegenzuwirken. Dazu einmal zwei verkürzte Definitionen gem. Wikipedia:

  • Autarkie im allgemeinen Sinne bedeutet, dass Organisationseinheiten oder Ökosysteme alles, was sie ver- oder gebrauchen, aus eigenen Ressourcen selbst erzeugen oder herstellen. Autarke Systeme sind u. a. wirtschaftliche Einheiten (Volkswirtschaften, Wirtschaftsregionen, Haushalte), die sich ausschließlich mit eigenen wirtschaftlichen Gütern (Lebensmittel, Rohstoffe, Waren, Dienstleistungen, Produktionsfaktoren), Energie (Inselsystem) versorgen und von Importen unabhängig sind.
  • Als Autonomie bezeichnet man den Zustand der Selbstbestimmung, Unabhängigkeit (Souveränität), Selbstverwaltung oder Entscheidungsfreiheit.

Daraus lässt sich sehr rasch erkennen, dass hier wohl der falsche Begriff verwendet wird. Das was häufig erreicht werden soll ist wohl vielmehr Autonomie!

Eine Energieautarkie ist nur dann gegeben, wenn ein reines Inselnetz/-versorgung betrieben wird, etwa auf einer Almhütte. Auch eine Energieautarkie übers Jahr gerechnet gibt es nicht, da ja weiterhin auf externe Ressourcen zurückgegriffen werden muss. Ganz abgesehen davon, dass im Stromversorgungssystem zu jedem Augenblick das Gleichgewicht zwischen Erzeugung und Verbrauch hergestellt sein muss, damit das System überhaupt funktioniert. So produziert zwar das Burgenland mehr Strom, als die BürgerInnen in einem Jahr verbrauchen. Das Burgenland wäre jedoch das ganze Jahr finster, gebe es nicht dahinter das österreichische/europäische Verbundsystem, dass auch für die notwendige Stabilität sorgt.

Zum anderen möchten wir auch darauf hinweisen, dass wenn jemand auch zu 60 oder sogar 99 Prozent eigenversorgungsfähig ist, er wahrscheinlich dennoch erwartet, dass er den restlichen Teil – bei 99 Prozent immerhin noch fast 90 Stunden des Jahres – eine funktionierende stabile Stromversorgung zur Verfügung hat. Es ist zwar verständlich, dass jene dafür nur wenig bezahlen wollen, da sie ja den Rest selbst stemmen, aber das kann nicht funktionieren, wenn man nur die  tatsächlichen Energiekosten dafür berechnet (siehe auch Überlegungen zum Netznutzungsentgelt). Denn das teure Restsystem muss ja nicht nur in den 90 Stunden, sondern während der gesamten 8760 Stunden zur Verfügung stehen, um jederzeit einspringen zu können. Das wird leider häufig vergessen.

Die Energie-/Stromversorgung wird daher auch in Zukunft nur als Gemeinschaftsaufgabe sinnvoll zu bewerkstelligen sein, aber kleinteiliger und dezentraler in Form von Energiezellen.

Weiterführende Informationen

Was tun bei Stromausfall – Strom selbst erzeugen