Selbsthilfe-Basen

Die größte Herausforderung im Fall eines Blackouts stellt die Kommunikation mit der Bevölkerung dar. Im Wesentlichen ist jede Krise/Katastrophe auch eine Kommunikationskrise, in der eine offene und ehrliche Informationsweitergabe beruhigend und deeskalierend wirkt. Falsche bzw. zurückgehaltene Informationen können das Gegenteil hervorrufen. Gerade bei einem Blackout kommt es zeitnah zum Ausfall der gewohnten technischen Kommunikationsmöglichkeiten. Damit ist ein klassisches Krisenmanagement nur mehr sehr eingeschränkt möglich. Damit bleibt nur mehr die Selbstorganisation auf lokaler Ebene, in der Gemeinde. Das wiederum erfordert zwingend eine frühzeitige und aktive Einbindung der Bevölkerung in die Krisenbewältigung.

 

Zusätzliche Ebene

Um die Selbstorganisation zu unterstützen und die Einsatzkräfte zu entlasten, bieten sich dezentrale Anlaufstellen („Selbsthilfe-Basen“) an. Diese stellen eine wichtige Informations- und Kommunikationsdrehscheibe, sowie ein Bindeglied zwischen der Bevölkerung und der Gemeindeebene dar. Des Weiteren soll damit eine gewisse Struktur und „Sicherheit“ durch das Empfinden, „dass noch irgendetwas funktioniert“, geschaffen werden.

„Lichtinseln“ sind hingegen Einrichtungen, die zwar über eine Notstromeinrichtung verfügen und damit wahrscheinlich beleuchtet sind, jedoch nicht als generelle Anlaufstelle vorgesehen bzw. vorbereitet sind. So sind Krankenhäusern nicht dafür ausgelegt, um neben dem erforderlichen medizinischen Notbetrieb auch noch zusätzlich hilfesuchende Menschen zu betreuen. Im Nahbereich von Krankenhäusern oder sonstigen Lichtinseln sollten auf jeden Fall Selbsthilfe-Basen eingerichtet werden, um mögliche Menschenströme rechtzeitig umzulenken.

Die Selbsthife-Basis stellt grundsätzlich keine Versorgungsbasis dar, sondern nur eine Informations- und Kommunikationsdrehscheibe, da dies logistisch nicht bewältigbar wäre. Nichtsdestotrotz können je nach Ausstattung und Räumlichkeiten Basisdienste angeboten werden. Indem etwa Vereinskochutensilien dazu genutzt werden, um mitgebrachte Kühlgüter gemeinsam zu verkochen. Auch eine temporäre Aufwärmmöglichkeit wird nur im Einzelfall möglich sein, wenn entsprechende Voraussetzungen verfügbar sind. Grundsätzlich ist immer darauf zu achten, dass möglichst viele Leistungen soweit als möglich dezentral, sprich in der Familie und unmittelbaren Nachbarschaft erbracht werden (Subsidiarität!).

Die Selbsthilfe-Basen sollen mit Unterstützung der Gemeinde vorbereitet und im Anlassfall gemeinsam mit der örtlichen Bevölkerung betrieben werden. Am besten wird dabei auf bestehende (Vereins-)Strukturen zurückgegriffen. Die Selbsthilfe-Basen sollen fußläufig erreichbar (Distanz 1-3km) und im Idealfall kommunikationstechnisch vernetzt und mit einer gewissen Basisausstattung ausgestattet sein. Örtlich bieten sich vor allem Schulen oder sonstige größere Räumlichkeiten an. Die Kommunikation an die Bevölkerung, wo sich diese Einrichtungen befinden, könnte dadurch vereinfacht werden, indem alle Wahllokale automatisch als Selbsthilfe-Basis vorgesehen werden. Sollte ein solches Gebäude nicht geeignet sein, dann könnte dort zumindest ein unbesetzter Informations-punkt eingerichtet werden. Es wäre auch sinnvoll, in den Selbsthilfe-Basen Sanitäter oder Ärzte zu stationieren, um eine Erstversorgung bzw. eine möglichst lange dezentrale Notversorgung durchführen zu können, um die Überlastung des Spitals zu verhindern.

Der Betrieb muss wahrscheinlich so lange aufrechterhalten werden, bis die Telekommunikationsversorgung wieder funktioniert (ca. 1 Woche).

Was ist und bietet eine Selbsthilfe-Basis?

  • Weiterleiten von Notrufen
  • Organisation von erweiterten Erste-Hilfe-Maßnahmen oder die
  • notfallmedizinische Erstversorgung (je nach Verfügbarkeit von Fachpersonal)
  • Unterstützung von auf Hilfe angewiesenen Menschen (Kleinkinder, Alte, Kranke, Pflegebedürftige, Pendler, Touristen, etc.)
  • Beihilfe und Entlastung von Einsatzorganisationen
  • Hilfestellung bei Notmaßnahmen (z. B. in der Landwirtschaft, Evakuierung)
  • Gemeinsames Verkochen von verderblichen Waren (Kühlgütern), wenn entsprechende Kochmöglichkeiten (etwa bei Vereinen) zur Verfügung stehen
  • „Grätzelkoordination“

Weitere Details finden Sie im Leitfaden „Selbsthilfe-Basis“

Beispiele für die Umsetzung

Siehe etwa das Kat-Leuchtturm-Konzept Berlin oder die Notversorgungsstellen der BH-Tulln.

 

Marktgemeinde Kaltenleutgeben – Infopoint-Kat-Leuchtturm

Beitrag von Hans Wallner, Zivilschutzbeauftragter

Derzeit besteht das Zivilschutz-Info-Team (ZIT) aus 9 Personen und wird durch das Team der Funkamateure, bestehend aus 5 Personen, ergänzt. Die Amateurfunkleitstelle hat eine fixe Sendeanlage im Rathaus und alle notwendigen Geräte, um alle geplanten Außenstellen betreuen zu können. Dies selbstverständlich unabhängig vom öffentlichem Stromnetz! Der Hauptstandort unseres Leuchtturms [Selbsthilfe-Basis] ist die öffentliche Bücherei, die behindertengerecht im Sicherheitszentrum untergebracht ist.

Weiteres stehen zur Verfügung:

  • ein Büroraum,
  • ein Besprechungs-/Planungsraum (großen Ortsplan, Beamer, Flip-Chart….),
  • ein Saal für Notbetten (20 Stk. vorhanden),
  • eine Kochmöglichkeit (Gas) und
  • Sanitäreinrichtungen.

Natürlich alles Notstromversorgt. Eine Beheizungsmöglichkeit wird angedacht. Das ZIT ist mit Überwürfen ausgerüstet um nach außen klar erkennbar zu sein. Die Bücherei wir mit grünen Rundumleuchten gekennzeichnet. Ein Beschriftung ist angedacht. Weiters haben wir für den mobilen Einsatz ein großes Zelt angekauft.

Da wir den/die Infopoints [Selbsthilfe-Basis] nicht nur bei Stromausfall besetzten werden, überlegen wir, wie wir hierzu die digitalen (Sozial) Medien nutzen können. Diese Einsicht gewannen wir beim „Schneechaos“ im April 2017,  wo unser Ort auch massiv betroffen war. Im Herbst beginnt eine mehrtägige Schulung des Teams. Weiters gibt es im Herbst 2017 gemeinsam mit der Gemeindeinsatzleitung eine zweitägige Planspielübung mit allen Stäben, allen Verbindungsoffizieren, dem ZIT und den Amateurfunkern.